Kaufhalle-Gelände

Parkplatz-Provisorium an der Aller wäre eine teure Angelegenheit

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Die Bagger sozusagen im Schaufenster: Hinter der Fassade der ehemaligen Kaufhalle laufen die Abrissarbeiten. Thorsten Reinecke gelang dieses Foto.

Sollen auf dem Gelände der ehemaligen Kaufhalle provisorisch Parkplätze entstehen? Darf ein solches Vorhaben 75 .000 Euro aus Steuergeldern kosten? Spannende Fragen, die Verdens Politik bis zum Monatsende beantworten will.

Verden – Ins Gespräch gebracht hatte die Idee die FDP. Jürgen Weidemann reichte den Vorschlag Ende November in den Rat ein. Von dort ging das Papier in die Ausschüsse. Ein Antrag, der tatsächlich den Nerv der Verden-Besucher trifft. „Ich hab‘ zwei Runden durch die Stadt gedreht und keinen Parkplatz gefunden“, wunderte sich eine Autofahrerin, „in einigen Bereichen warteten schon Pkw auf frei werdende Parklücken.“ Und das an einem ganz normalen Mittwoch-Vormittag, an dem eigentlich nichts los ist. Kein Wochenmarkt, keine besondere Veranstaltung. Selbst die „Geheimplätze“, berichtete sie, seien zugestellt.

Die Stadtverwaltung ermittelte zwischenzeitlich die Kosten eines Provisoriums. „Es muss eine Schotter-Oberfläche aufgebracht und später wieder beseitigt werden“, erklärt Kämmerer Andreas Schreiber. Einschließlich „Nebengeräuschen“ komme eine Summe von 75 .000 Euro zusammen, sagt der stellvertretende Verwaltungschef auf Nachfrage. Und eine Einschätzung liefert er gleich mit: „Das ist viel zu viel Geld.“ Und überhaupt würden die Parkplätze zwischen ehemaligem Kaufhallen-Gebäude und der Straße Am Allerufer nach Ende der Abbrucharbeiten ja wieder freigegeben. „Damit stellen wir den Status Quo der vergangenen Jahre her. Da stehen dann eine ganze Reihe Parkbuchten zur Verfügung.“

Kommt allmählich zum Vorschein: der Syndikatshof.

Mit dieser Info werde man in die entscheidende Sitzung in der zweiten Monatshälfte gehen. Und dann zieht die FDP aus Sparsamkeitsgründen den Antrag zurück? „Werden wir nicht“, sagt Fraktionschef Henning Wittboldt-Müller auf Nachfrage, „wir bleiben bei unserem Antrag.“ Allerdings werde man neu argumentieren: „Die provisorische Fläche soll hergerichtet werden, allerdings nicht zu diesen Kosten. Wir lassen uns das nicht kaputtrechnen.“ Das Gelände müsse eingeebnet und ein bisschen aufgehübscht werden, aber das sei es auch schon. „An anderer Stelle in der Stadt reichte diese Ausbauvariante in der Vergangenheit auch.“

Unklar allerdings noch, wie lange es bei diesem Provisorium überhaupt bleibt. Wittboldt-Müller ist da nicht so zuversichtlich, sagt er. „Zwei Jahre sind realistisch. Bis dahin stünden da Brennnessel, wenn es nicht zu Parkplätzen kommt“, findet er, „und diese Zeit muss man sich auch lassen. Besser eine etwas längere Suche nach einem guten Investor, als jetzt irgend ein Schnellschuss.“

An der Aller ergeben sich ganz neue Sichtachsen.

Verwaltungsintern laufen derweil die Aufräumarbeiten nach dem gescheiterten Ausschreibungsverfahren für die Stadtkante. „Welche Optionen haben wir jetzt, müssen wir neu ausschreiben, können wir mit potenziellen Interessenten weitermachen – das sind die Fragen, die wir zurzeit anwaltlich klären lassen“, sagt Kämmerer Schreiber. Er rechne „zeitnah“ mit einem Eintreffen der juristischen Beurteilung.

An der künftigen Stadtkante kommen die Arbeit planmäßig voran. Für 200 .000 Euro sollen bis in den Februar hinein die ehemalige Kaufhalle und die Post beseitigt sein. Wer auf die Abrissbirne wartet und auf riesige Schuttberge, wartet allerdings vergeblich. Sämtliche Wert- und Schadstoffe werden getrennt, sogar das Metall aus dem Stahlbaubeton wird geborgen. Daher fressen sich die Bagger lediglich Stück für Stück in die Immobilie. Gleichzeitig hält sich das Abriss-Unternehmen an die Vorgabe auf möglichst geringe Beeinträchtigungen. Schreiber: „Die Fassade bleibt deshalb so lange wie möglich stehen.“ Die ehemalige Post werde erst ganz am Ende der Arbeiten abgerissen. „Wegen der Nähe zum Syndikatshof eine knifflige Angelegenheit.“

Klingt ja alles schön bürgernah und stadtfreundlich. Auf der Fläche der ehemaligen Kaufhalle Parkplätze schaffen – und schon können Verden-Besucher komfortabel ihr Auto abstellen und gleich um die Ecke mit dem Einkauf beginnen. Wenn‘s denn mal so wäre.

Kommentar von Heinrich Kracke: 

Vorübergehend parken: Sehr kurz gedacht

Vorübergehend Parkplätze schaffen, das heißt, sie werden in nicht allzu ferner Zukunft wieder beseitigt. Und das wird nicht irgendwann sein. Sie stehen mehr oder minder kurz vor der nächsten Kommunalwahl 2021 zur Disposition. Was das bedeutet für ein zukunftsweisendes Projekt, das mit seltener Einmütigkeit verfolgt wird, mag sich jeder selbst ausmalen. Und überhaupt: Wer stellt sein Auto auf das Park-Provisorium? Natürlich jene, die morgens zuerst eintreffen. Und das sind nicht die Stadt-Besucher, es sind die Innenstadt-Beschäftigten. Und die kehren zu ihrem Wagen erst abends zurück.

Nein, das Parkplatz-Provisorium ist kurz gedacht. Es kuriert lediglich an den Symptomen. Dann lieber gleich die Wurzel anpacken. Dann lieber gleich den Innenstadt-Beschäftigten eine gute ÖPNV-Alternative bieten. Park & Ride morgens und abends ist nur eines der Denkmodelle. Dafür wären 75 000 Euro sogar gut angelegt. Verden-Besucher werden‘s danken.

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