Jeder fünfte Unter-15-Jährige verlässt kreisweit Hartz-IV-Bereich

Teufelskreis Kinderarmut rückläufig

Grafik mit Werten aus allen Gemeinden des Landkreises Verden
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Die Kinderarmut ist im Landkreis Verden deutlich rückläufig

Verden/Achim – Alarmierende Zahlen machten vor der Wahl die Runde. Jedes fünfte Kind in der Republik unter der Armutsgrenze, hieß die Botschaft. Im Landkreis Verden indes hat sich die Lage zuletzt deutlich entspannt. Immer weniger junge Leute bis 15 Jahren, die in der Abhängigkeit sogenannter Bedarfsgemeinschaften stehen, in der Abhängigkeit von Hartz IV also. Ende September war dies berührende Kapitel sozialer Unwucht auf einen historischen Tiefstand gerutscht. Und das sogar vor dem Hintergrund der Pandemie. Knapp unter 2000 Kinder seien noch davon betroffen, vor vier Jahren waren es um die 2700, sagt Petra Schütte aus dem zuständigen Fachdienst Arbeit des Landkreises.

Zwar sind 2000 Kinder unter der Armutsgrenze noch 2000 zu viel, aber immerhin: jeder Fünfte konnte den Teufelskreis verlassen. Und ein Ende der Spirale nach unten ist offenbar nicht in Sicht.

Aber nicht nur die Jüngsten dürfen etwas hoffnungsfroher in die Zukunft schauen. Insgesamt ist Hartz IV deutlich auf dem Rückzug, sowohl bei den sogenannten Bedarfsgemeinschaften als auch bei den betroffenen Personen. Beide Segmente gingen im Vergleich mit dem Vorjahres-September um 11 beziehungsweise 12,2 Prozent zurück.

Neben den Allerjüngsten kam eine weitere Bevölkerungsschicht in den Genuss der positiven Entwicklung, die der Kleinst-Unternehmer. Mit dem Start der Pandemie und dem ersten Lockdown Mitte März vergangenen Jahres waren vor allem jene Personenkreise in Hartz IV abgerutscht, die gleichzeitig als Firmenchef und einziger Mitarbeiter ihr täglich Brot verdienten. „Die Palette reichte vom Bauchtanz bis zum Nagelstudio“, sagt Schütte. Auch diese Zahl sei wieder spürbar rückläufig.

Der Raum Verden/Achim ist kein Einzelfall. Bundesweit ging Hartz IV in den vergangenen Monaten zurück, dies allerdings nach Angaben der Arbeitsagentur lediglich um 4,5 Prozent. Der dreifache Rückgang an Allermündung und Mittelweser hat nicht etwa besonders hohe soziale Förderung als Ursache, er hat lediglich einen Grund: „Die Diversität der Wirtschaft im Landkreis Verden“, sagt Schütte. Ob Logistik, Metallverarbeitung, Lebensmittel oder eines der vielen anderen Segmente – „Fährt der eine die Personaldecke zurück, fährt sie der andere hoch“, so Schütte. Es werde zwar nicht jeder Hype nach oben mitgemacht, aber demzufolge auch nicht jeder Hype nach unten. Das führte zu einem kontinuierlichen Aufbau von Arbeitsplätzen. Und sozusagen einer Sonderkonjunktur in den vergangenen zwölf Monaten.

Was Amazon für Achim bedeutete, rund 2000 neue Arbeitsplätze, das war Hello Fresh für Verden. Der Lieferdienst für Lebensmittel nach Rezept, nach Unternehmensangaben das weltweit größte seiner Art, wuchs nach Beobachter-Angaben um hunderte von Mitarbeitern innerhalb eines Jahres. Die Konzern-Ableger an den Autobahn-Abfahrten Achim- und Verden-Ost verbindet nicht nur der Vertriebsweg übers Internet, sie verbindet auch der Einstiegs-Anspruch an die Beschäftigten. „Ein eher niederschwelliges Job-Angebot.“ Und das wiederum wirkt sich überproportional auf den Hartz-IV-Bereich aus. „Für Familien mit einer Person, die für den ersten Arbeitsmarkt in Frage kommt, reicht eine Anstellung schon aus, um weitgehend auf eigenen Beinen stehen zu können.“

Trotz der Job-Magneten stehen die Städte Achim und Verden in der Hilfsbedürftigen-Skala weiter hinten. Auch wenn die Rückgänge überdurchschnittlich ausfielen, dürfte es dauern, ehe das mittlere Niveau des Landkreises erreicht wird. Das hat Gründe. „Wegen der besseren Verkehrsanbindung drängen weite Bevölkerungsschichten in die Städte, darunter auch Hartz-IV-Empfänger.“ Hinzu komme, dass Menschen aus dem Migrationsbereich nur schwer Fuß fassen auf dem Wohnungsmarkt, und deshalb häufig in ihren Unterkünften bleiben. Und noch ein Problem, das die Städte mehr trifft als das flache Land, tat sich in den vergangenen Monaten auf. Ein Unternehmen wie Amazon besetzte ausschließlich Vollzeit-Stellen. Alleinerziehende gingen überwiegend leer aus. Allerdings dürfte dieses Phänomen nach Arbeitsagentur-Einschätzung bald der Vergangenheit angehören. „Auch Amazon wird sich umstellen.“

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