Gutachterausschuss: Corona-Pandemie heizt Trend zum Kauf an

Teuerste Wohngegend bleibt Achim

Eine Grafik des Kreisgebietes zeigt die durchschnittlichen Immobilienpreise in den jeweiligen Gemeinden.
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Steigende Preise prägen das Bild im Immobiliengeschäft. Grafik: Gutachterausschuss

Landkreis – Das Coronavirus „infiziert“ immer mehr Bereiche das alltäglichen Lebens. Auch dem Immobilienmarkt hat die Pandemie ihren Stempel aufgedrückt. Die Preise für Wohneigentum steigen. „Vor allem das ländliche Umfeld ist stark nachgefragt“, hat der Vorsitzende des Gutachterausschusses, Gerd Ruzyzka-Schwob beobachtet. Die Coronakrise habe den ohnehin schon seit Jahren anhaltenden Trend zum Erwerb von Wohnimmobilien sogar noch angefeuert.

  • Der Gutachterausschuss hat die Immobilienkaufverträge aus dem vergangenen Jahr ausgewertet.
  • Dabei hat er festgestellt, dass die Preise im Landkreis Verden erneut kräftig angestiegen sind.
  • Mittlerweile ist zu beobachten, dass die Käufer wegen der hohen Preise auf die billigeren ländlichen Gemeinden ausweichen.

Im landesweiten Vergleich liegt das mittlere Preisniveau im Landkreis Verden an der zwölften von 46 Stellen, kurz hinter den großen Städten, Vechta und Oldenburg.

Das teuerste Pflaster für alle, die sich ihre eigenen vier Wände zulegen wollen, ist weiterhin die Stadt Achim. An zweiter Stelle folgen die Gemeinde Oyten und die Kreisstadt. Mit dem stetigen Anstieg der Preise sei irgendwann aber auch die Schmerzgrenze der Käufer erreicht, erklärte Gerd Ruzyzka-Schwob als er die Zahlen vorlegte, die der Gutachterausschuss Sulingen-Verden für seinen jährlichen Bericht ausgewertet hat. Die Immobilienkäufer würden sich stärker in den ländlicheren Gemeinden umsehen. So sei auch zu erklären, dass die in den dort geschlossenen Kaufverträgen höhere Preissteigerungen zu beobachten seien. In Dörverden etwa liege der Preis für eine vergleichbare durchschnttliche Wohnimmobilie des Baujahres 1985 mit 145 Quadratmetern Wohnfläche und 800 Quadratmetern Grundstück um etwa 100 000 Euro niedriger als in Verden. Bei der durchschnittlichen Steigerung des Preisniveaus schießt die Gemeinde aber mit 15 Prozent im Kreis den Vogel ab. Ein großer Preissprung sei auch bei Bauernhäusern und Resthofstellen von 185 000 auf 260 000 Euro zu beobachten.

In zehn Jahren Preisanstieg um 78 Prozent

Der Trend zu Preissteigerungen ist nicht neu, die Gutachter beobachten schon seit zehn Jahren, dass die Preise im Bremer Umland mittlerweile um 78 Prozent und allgemein im mittleren Niedersachsen um 71 Prozent angestiegen sind. Im vergangenen Jahr konnte der Ausschuss 854 Kaufverträge für bebaute Grundstücke auswerten, die für 288 Millionen Euro ihren Besitzer gewechselt haben. Der Geldumsatz sei dabei im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent gestiegen, obwohl um vier Prozent weniger Verträge geschlossen wurden. Vor allem der Verkauf von Gewerbeobjekten sei zurückgegangen, während für 149,4 Millionen Euro freistehende Einfamilienhäuser gekauft wurden.

Der mittlere Preis für ein solches Haus beträgt 2020 im Landkreis Verden 285 000 Euro. Ein Jahr zuvor lag er noch bei 265 000 Euro. „Dies entspricht einer Preissteigerung von 7,5 Prozent“, stellte Ruzyzka-Schwob fest. Natürlich hängen die erzielten Preise stark von der Lage, dem Baujahr und der Größe der Wohnfläche und des Grundstückes ab. Auch Ausstattung und Zustand spielten eine Rolle. Diese Einflüsse hat der Gutachterausschuss zu Vergleichen ausgewertet, die eine überschlägige Berechnung des Wertes einer Immobilie ermöglichen. Im Internet bietet ein Immobilienpreiskalkulator für 20 Euro die Berechnung für ein Objekt an.

Rekordumsatz bei Eigentumswohnungen

Einen Rekord registrierte der Ausschuss beim Geldumsatz durch den Verkauf von Eigentumswohnungen. Insgesamt habe der Preis um 4,7 Prozent angezogen. Dabei hätte neu errichteter Wohnraum die höchsten Preise erzielt.

Die Preisentwicklung bei Reihen- und Doppelhaushälften verläuft ähnlich wie bei den Einfamilienhäusern. Die Gutachter hatten zwar weniger Verträge auszuwerten, dafür lagen die Preise im Durchschnitt um 13 Prozent über denen des Vorjahres.

Kurios ist der Effekt, dass in Verden die hohe Nachfrage offenbar dazu führt, dass ein neues fertiggestelltes Haus beim Verkauf einen höheren Preis erzielt, als es kosten würde, wenn man es bauen lässt. Das ermittelten die Gutachter aus Sachwertfaktoren, die das Verhältnis zwischen den Herstellungskosten von Gebäuden, Außenanlagen und Grundstück zu den erzielten Preisen angeben.

Die Mieten steigen mit

„Insgesamt steigen die Wohnungs- und Baulandpreise stärker als die Mieten“, zog der Ausschussvorsitzende ein Fazit. Aber offenbar steigen auch die Mieten. Anders als beim Kauf müssen die Verträge dem Ausschuss nicht vorgelegt werden, sodass die vorliegenden Zahlen nur die Aussagekraft von Stichproben haben. Gegenüber dem Vorjahr seien die marktüblichen Vergleichsmieten zwischen zwei und neun Prozent gestiegen.

Der komplette Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschusses erscheint in diesem Jahr erstmals usschließlich im Internet (https://www.gag.niedersachsen.de/) und wird dort kostenlos zum Download angeboten.

Von Ronald Klee

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