Auf Tour mit Fahrlehrerin Sabine Deutsch

Tempo 30 in der Elisabeth-Selbert-Straße: „Eigentlich zu schnell“

Lang, kurvenreich und dicht bebaut: Blick in die Elisabeth-Selbert-Straße aus Richtung Kreisel/B 215. Es gilt Tempo 30 und rechts vor links.
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Lang, kurvenreich und dicht bebaut: Blick in die Elisabeth-Selbert-Straße aus Richtung Kreisel/B 215. Es gilt Tempo 30 und rechts vor links.

Verden – Eine Straße mit Geschichte(n), so ließe sich die Fahrt in die Elisabeth-Selbert-Straße einleiten. Die Wohnsiedlung in Dauelsen-Neumühlen zählt zwar sicherlich nicht zu den historischen Vierteln Verdens, aber zu erzählen gibt es allemal etwas, und wer durch die Straße fährt, kann – verkehrstechnisch – ein umfangreiches Regelwerk abarbeiten.

Das findet auch Fahrlehrerin Sabine Deutsch, die gar nicht lange zögert und dem Vorschlag einer Tour gerne nachkommt. Von der Bundesstraße 215, stadtauswärts in den Kreisel, geblinkt und dann scharf rechts. Schon beginnt die Kurverei, die eigentlich Sinn macht: „Automatisch wird’s halt langsamer, was in der Straße durchaus notwendig ist“, erklärt Sabine Deutsch. Die Elisabeth-Selbert-Straße ist eine ausgewiesene Wohnstraße, Tempo 30. Und, ganz klar, da bleibt sich die Fahrlehrerin treu: „Eigentlich zu schnell, weil es hier, wenn auch gewollt, sehr verwinkelt und damit unübersichtlich ist.“

Wer nicht langsam fährt, der wird dazu gezwungen. Die erste Bodenwelle, eine Aufpflasterung in voller Straßenbreite, ist in Sicht. Sabine Deutsch hat ihr Tempo weit unter 30 Stundenkilometer gedrosselt, auch, um die Bereifung zu schonen. Läuft glatt rüber. Doch der Huckel hält nicht, was er verspricht. Es gibt ihn gar nicht und es ruckelt nicht. Klar, das ist sofort ein Thema. Die Spuren sind unübersehbar und zeugen eben von einer besonderen Geschichte in der Elisabeth-Selbert-Straße. „Nacht-und-Nebel-Aktion“ hieß es damals, vor rund einem Jahr, in der Zeitung. Gemeint war damit eine handwerkliche Eigeninitiative, die zu später Stunde den Huckel mit einer Bitumenschicht eingeebnet hat. Nicht schön, aber so, dass es klebt, gefühlt für die Ewigkeit. Die Stadt hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Vergeblich, ein Täter ist nicht in Sicht. Zeugen, so die Polizei, Fehlanzeige. Ermittlungen eingestellt. Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Ist der neue der Kindergarten fertig, der letzte Lkw durch, wird die Straße gesperrt und der Wall zurückgebaut. Kosten der Sanierung: circa 3 000 Euro. Zahlen müssen Stadt und somit der Steuerzahler.

Blick aus der „Vorfahrtstraße“: Nicht selten, dass Autofahrer zu spät oder gar nicht halten.

Und, ist der Rückbau notwendig? Sabine Deutsch sagt erst mal nichts, wiegt ab, vielleicht, weil die Frage überflüssig scheint. „Langsam fahren ist hier Pflicht, versteht sich von selbst. Aber: Macht halt nicht jeder, also braucht der eine oder andere sicherlich Nachhilfe.“

Da hat sie recht, und wer es nicht glaubt, der kann sich eben genau an eines dieser vermeintlichen Huckel-Hindernisse stellen. Autos müssten eigentlich anhalten, weil von rechts und links Fahrräder kommen, die zu den Berufsbildenden Schulen hin oder von da weg wollen. Und die Räder haben an den kleinen, schlecht einsehbaren Kreuzungen Vorfahrt. Darauf bestehen sollten sie allerdings nicht. Wie noch vor knapp einem halben Jahr ein Radler an eben einer dieser Stellen schmerzhaft erfahren musste. Samt Rad wurde der Mann auf der kleinen Kreuzung von einem Auto angefahren und musste verletzt ins Krankenhaus. Mit Huckel wäre das vielleicht nicht passiert.

Der Kreisel in der Straße Traversale: Autofahrer sind gut beraten, wenn sie langsam an die Markierung fahren – sonst kann es eng für Radfahrer werden.

Knapp 600 Meter lang ist die Elisabeth-Selbert-Straße. Von rechts wie links gibt es im weiteren Verlauf nicht nur kreuzende Radwege, Bushaltestellen und auch zahlreiche Nebenstraßen. Fast auf halber Strecke liegt der neue Kindergarten. „Demnächst noch ein weiterer Grund, den Fuß vom Gas zu nehmen“, betont Sabine Deutsch.

Und noch etwas prägt das Wohnviertel, was so manchen Bewohner die Zornesfalten auf die Stirn treibt und für Betrieb sorgt. „Ist die Bundesstraße in Dauelsen stadtein- oder auswärts dicht, herrscht hier Alarm“, weiß Deutsch. Die einfache Erklärung: Die Elisabeth-Selbert-Straße verläuft parallel zur B 215, mündet in der Verlängerung in die Traversale, die wiederum vor der Kreuzung Neumühlen endet. „Wer sich auskennt, der fährt da durch, um am Stau vorbei möglichst schnell in die Stadt zu kommen“, so Deutsch.

Unterwegs auf besagter Traversale, wartet noch eine Übung: Ein Kreisel in der Wohnstraße, der den Verkehr aus den Straßen Am Hufeisen/Kutscherweg auf die Traversale regelt. Es gilt rechts vor links und wieder heißt es: „Aufgepasst!“ Was deutlich aufgemalt, eben rechts vor links, scheint nicht jedem Autofahrer geläufig. Auch Radfahrer, die in den kleinen Kreisel wollen, haben Rechte. „Im Zweifel noch weit vor den Markierungen halten und in aller Ruhe einen Blick nach rechts und links werfen“, empfiehlt die Fahrlehrerin. Auch da liegt sie richtig!

Unübersichtlich und nicht ungefährlich: Radfahrer, die von rechts und links kommen, haben Vorfahrt.

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