Verdenerin Svenja Tams erfüllt das Vermächtnis von Franz Goldmann

Ein Teil ihrer Geschichte

Bürgermeister Lutz Brockmann (l.) mit Svenja Tams und Torben Hanschmann nach dem Schmücken des Grabes. - Foto: Bruns

Verden - Zwei Jahre blieb das Goldmann-Grab auf dem Domfriedhof in Verden ungeschmückt. Gestern erfüllte die Verdenerin Svenja Tams das fast 200-jährige Vermächtnis.

Am Vortag ihrer Hochzeit soll eine „unbescholtene, tugendhafte Braut“, die am 11. Mai heiratet, das Grab von Franz Goldmann schmücken. Dafür bekommt sie 30 Taler. Aber erst in neun Monaten, sofern sie bis dahin kein Kind geboren hat. Jedes Jahr sucht die Stadt Verden nach einer Braut, die sich traut. Findet sich keine, fließen die Taler, umgerechnet 45 Euro, in die Stadtpflasterkasse. Eigentlich gut für Bürgermeister Lutz Brockmann, doch der freute sich mehr darüber, dass eine Braut das Vermächtnis wieder erfüllt. „Das mit den Kindern nehmen wir nicht so genau“, merkte er lachend an und statt der 30 Taler gebe es dann einen Krippenplatz, versicherte er. Ein Geschenk für das Brautpaar und Blumen gab es allerdings gestern schon.

Svenja Tams ging es nicht ums Geld. „Ich freue mich, dass ich diese Traditionspflege betreiben durfte und dies nun auch ein Teil meiner Geschichte ist“, sagte die 28-Jährige, nachdem sie einen Blumenschmuck auf dem Grabstein niedergelegt und ein stilles Gebet verrichtet hatte.

Heute will sie ihrem Verlobten Torben Hanschmann das Ja-Wort geben, und damit ist die wichtigste Voraussetzung zur Erfüllung des Vermächtnisses gegeben.

Franz Goldmann aus Förste bei Osterode im Harz war 1818 in Verden auf der Jagd tödlich verunglückt. Er „starb im 20. Jahr seines Alters am 11. Mai 1818 an den Folgen eines auf der Jagd erhaltenen Schusses mit Schrot im linken Oberarm“, so die Inschrift des Grabsteines. Franz Goldmann wurde auf dem Verdener Domfriedhof beigesetzt.

„Um das Andenken an seinen Sohn zu wahren, traf Vater Goldmann mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt eine Verabredung, dass das Grab jährlich von einer unbescholtenen, tugendhaften Braut, die am Todestag seines Sohnes heiratet, am Vortage ihrer Hochzeit mit lebenden Blumen geschmückt und ein stilles Gebet verrichtet wird“, erklärte Angelika Revermann von der Tourist-Information der Stadt Verden. Dafür stiftete Goldmann der Stadt 1000 Taler, aus deren Zinsen die 30 Taler kommen.

Diesen Wunsch hat die 28 Jahre alte Steuerfachangestellte gestern erfüllt. Die standesamtliche Trauung findet heute im alten Schulhaus in Dauelsen statt, und am Wochenende folgt die kirchliche Trauung im Verdener Dom. Gestern ging es für das junge Paar erst noch auf die Baustelle. Ihr Haus sei fast fertig und diese Woche noch der Umzug geplant. Respekt, dass sie sich trotzdem noch die Zeit für das Goldmann-Grab genommen haben. Das Paar zeigte sich übrigens überzeugt davon, dass sie die 30 Taler in neun Monaten bekommen werden. Längst nicht mehr vorhanden sind die 1000 Taler. Diese wurden bereits 1823 infolge großer Not für die Bezahlung von Kriegsschulden verwendet, berichtete Angelika Revermann. - wb

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