Afa lädt zum„Mahl der Arbeit“ mit dem Bundestagsabgeordneten Markus Paschke

„Tarifbindung stärken“

Die SPD-Arbeitnehmerorganisation Afa hatte zum „Mahl der Arbeit“ eingeladen (v.l.): Bernd Michallik (Kreisvorsitzender), Regina Ernst (stellvertretende Afa-Vorsitzende), Markus Paschke, Heinz Möller (Pressesprecher) und Dietmar Teubert (Afa-Vorsitzender) begrüßten ihre Gäste. - Foto: Haubrock

Verden - Auch im 40. Jahr ihres Bestehens hatte die SPD-Arbeitnehmerorganisation Afa wieder zum traditionellen „Mahl der Arbeit“ eingeladen. Ehrengast und Hauptredner am Freitag im „Verdener Wappen“ war Markus Paschke, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Ostfriesland und Arbeitsmarktexperte der SPD-Bundestagsfraktion. Markus Pasche sprach in seiner Rede über den „Wert der Arbeit“.

„Arbeit ist in unserer Gesellschaft die Voraussetzung für Teilhabe“, so Paschke. Gute Arbeit zeichne sich durch Zufriedenheit, angemessene Bezahlung und Wertschätzung aus. „Anerkennung hat aber auch etwas mit Mitbestimmung zu tun“, betonte der Bundestagsabgeordnete. Leider gebe es immer noch Fälle, in denen versucht werde, Betriebsräten zu kündigen oder Gewerkschafter gemobbt würden. „Wer aber die Arbeitsbedingungen nicht mitgestalten kann, wird nicht zufrieden sein, darunter leidet auch die Qualität der Arbeit“, machte Paschke deutlich. Gute Arbeit verdiene angemessene Löhne, wichtig sei daher, die Tarifbindung wieder zu stärken. Auch im Bundestag setze sich die SDP dafür ein. In dieser Legislaturperiode habe man so intensiv wie schon seit Jahren nicht mehr mit den Gewerkschaften zusammengearbeitet.

Allerdings habe die SPD in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, räumte der Abgeordnete ein. „Wir müssen nun offen und ehrlich auf die Menschen zugehen und diese Fehler korrigieren.“ Als Fehler nannte Paschke, dass 400-Euro-Jobs, befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit und Auslagerung massiv ausgeweitet worden seien. Im Koalitionsvertrag habe man aber einen guten Kompromiss gefunden. Als ein Beispiel nannte er die Höchstüberlassung von 18 Monaten.

Der Wert der Arbeit werde durch Familienfreundlichkeit, die Möglichkeit zur Weiterbildung und die Rahmenbedingungen bestimmt, so Paschke. „Gerade durch die zunehmende Digitalisierung ändern sich die Rahmenbedingungen schnell, so dass die Gefahr besteht, dass viele durchs Raster fallen. Eine der zukünftigen Herausforderungen wird daher sein, die Weiterbildung deutlich zu verbessern“, betonte er. Auch zum Dialogprozess „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nahm er Stellung.

„Arbeiten 4.0“ stehe für Gestaltungschancen in der Arbeitswelt der Zukunft mit Blick auf die Digitalisierung, den demographischen Wandel und gesellschaftliche Veränderungen. Unter dem Aspekt Vereinbarkeit von Familie und Beruf könne es positiv sein, dass der Arbeitnehmer mehr Freiheiten bekommt und auch von zu Hause aus arbeiten kann. Eine Gefahr sei allerdings, dass der Arbeitnehmer rund um die Uhr verfügbar ist und der Arbeitgeber die Arbeitszeiten bestimmt. „Unsere Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Flexibilität nicht nur einer Seite zu Gute kommt, sondern von den Arbeitnehmern maßgeblich mitgestaltet werden kann“, betonte Paschke.

Auch auf die Rente ging der Politiker ein. „Es kann nicht sein, dass jemand, der über 40 Jahre gearbeitet hat, eine Rente bezieht, die unterhalb der Grundsicherung liegt“, sagte er. Das Rentensystem müsse auf breitere Füße gestellt werden. „Bei der Rente muss etwas herauskommen, von dem man vernünftig leben kann.“ Viele gutverdienende Berufsgruppen wie Beamte oder Abgeordnete seien nicht im normalen Rentensystem. „Wir müssen bereit sein, etwas im System zu ändern und die, die es sich leisten können, einbeziehen“, so Paschke. Bürgermeister Brockmann fügte ergänzend hinzu, dass Kapitalerträge wie Arbeitseinkommen besteuert werden müssten.

Als große Herausforderungen nannte Paschke auch die paritative Finanzierung der Sozialversicherung, die Gestaltung der digitalen Arbeitswelt und die Integration der Flüchtlinge. - ahk

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