CDU und SPD im Stadtrat uneinig über den Schulweg in die Digitalisierung

Tablets für alle oder nach Bedarf

Fachgespräch: Sven Ommen und Grant Hendrik Tonne. 
Foto: Realschule
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Fachgespräch: Sven Ommen und Grant Hendrik Tonne. Foto: Realschule

Verden – Deutschland hinkt hinsichtlich der Digitalisierung an den Schulen im europäischen Vergleich hinterher. Wie groß die Probleme sind, wurde deutlich, als der Corona-Lockdown Schülerinnen und Schüler zum Lernen am heimischen Schreibtisch zwang. Doch dann sollte alles ganz schnell gehen, der Digitalpakt macht es möglich. Fünf Verdener Grundschulen sind erst vor Kurzem mit Tablets im Wert von 125 000 Euro ausgestattet worden. Dafür war eigens Kultusminister Grant Hendrik Tonne nach Verden gekommen.

Jetzt geht es um den sinnvollen Einsatz der Geräte beziehungsweise die weitere Ausstattung der Grundschulklassen. Und darüber sind sich die beiden großen Fraktionen im Verdener Stadtrat, SPD und CDU, nicht einig. Während die SPD grundsätzlich alle Schüler kostenlos mit Tablets ausstatten möchte, will die CDU dies nur in Absprache mit den Schulen und in Verbindung mit einem pädagogischen Konzept.

Jens Richter, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, wird auf Nachfrage der Verdener Aller-Zeitung deutlicher: „In Gesprächen habe ich herausgehört, dass es Pädagogen nicht befürworten, Tablets schon in der ersten Klasse einzusetzen.“ Für die Schulanfänger sei das Erlernen von Grundfertigkeiten didaktisch sehr wichtig. Außerdem seien die Schulen ja inzwischen sehr gut ausgestattet. Die CDU-Fraktion werde aber die Weiterentwicklung der pädagogischen Konzepte in den Schulen und den vielleicht damit einhergehenden höheren Bedarf an digitalen Geräten aufmerksam begleiten und entsprechend handeln. Die stellvertretende Schulausschussvorsitzende Anja König (CDU) ergänzt: „Die Schulen sollen die Geräte bekommen und an die Schüler ausleihen.“

Sven Ommen, Rektor der Lönswegschule, beschreibt die aktuelle Situation: „Mit dem Geld aus dem Digitalisierungspakt konnten alle Verdener Grundschulen jeweils 80 Tablets anschaffen. Das bedeutet für die Grundschule in Walle eine Vollausstattung, bei uns sind es 50 Prozent und an der Schule am Sachenhain in Dauelsen als größte Grundschule in Verden deutlich weniger.“

Ommen beschreibt die Stadt Verden als großzügigen Ansprechpartner, geht es um die Ausstattung der Schulen. Das Geld aus dem Digitalpakt müsse aber nicht sofort ausgegeben werden, die Bundesmittel seien über Jahre abrufbar. Jetzt habe es jedoch coronabedingt eine Geldspritze gegeben, um die Schulen besser auszustatten und die Lehrkräfte müssten sich damit auseinandersetzen, wie die Programme der Endgeräte sinnvoll eingesetzt werden können. „Das muss pädagogisch begleitet werden und sinnvoll sein.“ Der Grundschulleiter nennt Beispiele: „Wenn Kinder schneller sind als andere, könnte ihnen angeboten werden, selbstständig bestimmte Übungen am Tablet zu machen. Es könnte auch eine gute Möglichkeit sein, die Sprache zu lernen, wenn Schüler das Gerät über einen Ausleihevertrag mit nach Hause nehmen dürfen. Mit der Zeit könne der Einsatz außerdem größer werden. „Zum Beispiel, wenn die Geräte und Programme noch besser werden.“

Verblüfft waren SPD-Ratsmitglieder nach der jüngsten Schulausschusssitzung, weil deren Antrag, alle Schüler mit Tablets auszustatten, keine Mehrheit fand. Ausschussvorsitzender Umut Ünlü erklärt sich das damit, dass das Konzept seiner Partei nicht richtig verstanden worden sei. „Wir wollen alle Schüler von der ersten bis zu zehnten Klasse im Rahmen der Lernmittelfreiheit mit den gleichen Endgeräten ausstatten.“ Die Schüler dürften dann die Geräte mit nach Hause nehmen, um sie ausschließlich für Lernzwecke zu nutzen, „Für uns ist dabei ganz wichtig, dass es gemanagte Geräte sind, die auch sicher sind. Das geht mit privat angeschafften Geräten natürlich nicht.“

Der SPD ginge es aber auch um die Chancengleichheit. Deshalb sei der Ansatz im Vergleich zu den Vorschlägen der CDU-Fraktion ein ganz anderer: „Geräte für alle, aber die pädagogische Nutzung überlassen wir den Schulen. Wie schwierig es ist, Homeschooling zu organisieren, wenn jeder ein anderes Gerät hat, haben wir im Lockdown erlebt.“

Finanziert werden soll die Anschaffung über den Digitalpakt. Dass dies klappen wird, davon ist Ünlü überzeugt: „Wir haben eben ein gutes Konzept.“

Von Erika Wennhold

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