„Weltwärts“-Programm bringt junge Afrikaner und Verdenerin zusammen

„In Südafrika setzt man sich nebeneinander und redet“

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Rebecca Weering, Innocent Tshishonga, Dimakatso Manyama und Tabea Flasinski (v.l.) haben sich im Rahmen des Projekts „Weltwärts“ kennengelernt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gestiftet wird.

Verden - Die Verdenerin Tabea Flasinski (24) und Rebecca Weering (25) aus Nordhorn haben im Rahmen des „Weltwärts“-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Jahr Freiwilligendienst in Tshwane (vormals Pretoria), der Hauptstadt Südafrikas, geleistet und dabei viel über die andere Kultur erfahren.

Der Austausch funktioniert in beiden Richtungen. So kommen auch internationale Freiwillige von der Südhalbkugel nach Deutschland. Seit Anfang des Jahres arbeiten die beiden jungen Südafrikaner Dimakatso Manyama (22) und Innocent Tshishonga (25) in sozialen Einrichtungen in Hannover und Berlin. Vom 30. April bis zum 2. Mai waren die beiden in Verden zu Gast. Am Sonntag berichteten die vier jungen Leute im Küsterhaus St. Andreas über ihre Erfahrungen in Südafrika und Deutschland.

Tabea und Rebecca haben in Südafrika für die Tshwane Leadership Foundation (TLF) gearbeitet. Tabea war in der Gilead Wohneinheit tätig. Hier werden Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützt, die sich selbst überlassen oft obdachlos werden. Rebecca engagierte sich im Potter´s House. Das Frauenhaus bietet Frauen und ihren Kindern Unterkunft, die häusliche Gewalt erfahren haben.

Runde Formen gelten als Schönheitsideal

„In Südafrika haben wir uns viel mit der Kultur auseinandergesetzt. Was man als normal empfindet, ist nur normal in der Blase in der man lebt“, erzählt Rebecca. So sei sie zunächst nicht erfreut gewesen, als man ihr unverblümt sagte, sie habe zugenommen. Später lernte sie, dass es ein Kompliment war, denn in Südafrika gelten rundere Formen bei Frauen als Schönheitsideal. „Man wird flexibler im Denken und kann sich eher auf Neues einlassen“, hat sie erfahren.

In Tshwane könne noch keinesfalls die Rede von einer „Rainbow Nation“ sein, berichtet Tabea. „Es gibt immer noch ein Rassismusproblem. Schwarze und Weiße leben nach wie vor in getrennten Vierteln.“ Die Schere zwischen Arm und Reich sei weiterhin sehr groß, viele Schwarze haben nur ein geringes Einkommen und können sich daher die hohen Studiengebühren oft nicht leisten.

Dimakatso hat sich bereits in ihrer Heimat sozial engagiert, sie hat im Lerato House der TLF gearbeitet. Hier finden Mädchen nach Prostitution oder Missbrauch eine geschützte Unterkunft, Betreuung und Seelsorge. In Hannover arbeitet sie jetzt im „NaDu“ Kinderhaus. Auch Dimakatso hat in Deutschland kulturelle Unterschiede festgestellt. Verwundert war sie, dass viele Menschen bei uns schwarz gekleidet sind. „Ich dachte farbige Kleidung ist nicht erlaubt“, lacht sie. Ebenfalls ist ihr aufgefallen, dass die Deutschen in öffentlichen Verkehrsmitteln mehr Abstand halten und gern Zeitung lesen oder aufs Handy starren. „In Südafrika setzt man sich nebeneinander und redet.“

Innocent hat in Tshwane im Inkululeko Community Center, einem Kindergarten und Jugendtreff gearbeitet. Mit verschiedenen Angeboten wie Singen oder Tanzen oder Schauspielern werden die Kinder von der Straße geholt. In Berlin arbeitet er im Familienzentrum Upsala, betreut dort Kinder aus dem sozialen Brennpunkt in verschiedenen Angeboten.

Seine erste direkte Rassismus-Erfahrung habe er in Deutschland gehabt, erzählt er betroffen. Manchmal würden ihn die Leute anstarren und er wisse nicht, warum. Traurig ist er darüber, dass in einem öffentlichen Verkehrsmittel eine junge Frau lieber stehen blieb, anstatt sich auf den freien Platz neben ihm zu setzen. In Südafrika gebe es eher versteckten Rassismus, da Schwarze und Weiße in getrennten Vierteln leben. Doch auch Positives hat er erlebt. Nachdem er einmal seinen Bus verpasst hatte, nahm eine Dame ihn spontan in ihrem Auto mit.  

ahk

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