Langjähriger Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Verden

Sturmfluterprobt: Horst Wiezorek wird 90

Horst Wiezorek im heimischen Garten.
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Horst Wiezorek im heimischen Garten. Der frühere Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, heute NLWKN, feierte jetzt seinen 90. Geburtstag.

In seiner Wahlheimat Verden feierte Horst Wiezorek jetzt seinen 90. Geburtstag. Im Gespräch mit der Verdener Aller-Zeitung blickt der Jubilar auf sein Leben zurück. Und das war vor allem geprägt durch seine Tätigkeit für die niedersächsische Wasserwirtschaft.

Verden – Horst Wiezorek ist ein sehr freundlicher Mann. Und ausgesprochen höflich. Erst eineinhalb Stunden, nachdem die Presse unaufgefordert bei ihm geklingelt hatte, um ihn aus Anlass seines 90. Geburtstages zu befragen, erst nach einem ausführlichen Gespräch vor allem über sein langes Arbeitsleben, rückt der Wahl-Verdener damit raus, dass es ihm zeitlich eigentlich gar nicht gepasst hätte. Denn in Absprache mit Gattin Dorothea sei er mit der Zubereitung des Mittagessens an der Reihe gewesen.

Der 90-Jährige sagt dies aber mit einem Lächeln und genauso gelassen, wie er zuvor aus seinem Leben berichtet hat. Und da wäre manches Mal Aufregung durchaus berechtigt gewesen.

Beispielsweise, als seine Mutter ihn nach Kriegsende als 14-Jährigen allein vom brandenburgischen Rathenow nach Schleswig-Holstein schickte, um Kontakt zum dort gelandeten Vater aufzunehmen. Nach erfolgreicher Mission sei er auf dem Rückweg von sowjetischen Soldaten verhaftet worden, er habe sich dann aber in eine Hecke schlagen und flüchten können, erzählt er fast wie nebenbei.

Die innere Ruhe, sie scheint dem jetzt 90-Jährigen mit in die Wiege gelegt worden zu sein, als er 1931 in Jüterbog in Brandenburg zur Welt kam. Auf seine Gelassenheit angesprochen, schmunzelt er. „Anders kann man’s ja gar nicht schaffen“, meint er. Und geschafft hat er in seinem Leben so einiges.

So wurde er beispielsweise 1969, mit nur 38 Jahren, Chef des damaligen Wasserwirtschaftsamtes in Verden, heute heißt es Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Damit war er der jüngste Amtsleiter des Landes und zuständig für die Landkreise Verden, Soltau-Fallingbostel, Celle und Osterholz sowie den Altkreis Rotenburg.

Meine Eltern haben damals gesagt: Deutschland liegt in Trümmern. Es werden Ingenieure gebraucht.

Horst Wiezorek über die Gründe seine Berufswahl

Doch der Reihe nach: 1951 machte Horst Wiezorek Abitur – seine Eltern und er lebten inzwischen in Lingen an der Ems – und nahm noch im selben Jahr sein Ingenieurstudium in Hannover auf. „Meine Eltern haben damals gesagt: Deutschland liegt in Trümmern. Es werden Ingenieure gebraucht“, erklärt er. Dass ihm Mathematik immer Spaß gemacht hat, trug sein Übriges dazu bei. Und dank seiner Freude am Wassersport im Allgemeinen und am Segeln im Speziellen fiel auch die Wahl eines Schwerpunktes leicht: Wasserbau.

Seine Diplom-Arbeit habe er dann mit Sehr gut abgeschlossen, so der Jubilar. Das wiederum habe wohl seinen Professor bewogen, ihn zu empfehlen, als das Land Niedersachsen anfragte, weil es fähige Mitarbeiter für seine Wasserwirtschaftsverwaltung suchte.

Seinerzeit verfügte das Wasserwirtschaftsamt Hannover über seine Bauabteilung in Achim. Und dahin kam nun der junge Hochschulabsolvent. Seine Aufgabe: Die Deiche neu zu planen, dass sie ihr Hinterland schützen. Denn durch die Weserkanalisierung und den Bau des Intscheder Wehres hatten sich hier quasi Lücken aufgetan.

Der Berufsanfänger merkte schnell: Als Angestellter in einer Behörde konnte er nicht viel werden, „nicht weiterkommen“, nennt es Horst Wiezorek. Also absolvierte er eine zweite, innerbehördliche Ausbildung zum Bau-Assessor, die ihn nach Wilhelmshaven, Wuppertal und Berlin führte.

Brake war seine erste Station als Beamter. Die Stadt an der Unterweser diente auch der Familienzusammenführung. Hatten Ehefrau Dorothea, Sohn und Tochter die Jahre zuvor in Großburgwedel gewohnt, zogen nun alle gemeinsam nach Brake. Und erlebten dort die schwere Sturmflut von 1962. Sie wird vor allem mit Hamburg in Verbindung gebracht, „aber die gesamte deutsche Küste war davon betroffen“, betont Horst Wiezorek.

„Wir haben damals sechs Wochen Tag und Nacht Dienst gemacht“, erinnert er sich. Die Folgen der Flutkatastrophe sollten ihn auch noch beschäftigen, als er 1967 Dezernent für Küstenschutz und Melioration in Oldenburg wurde. Hier begleitete Wiezorek unter anderem das Planfeststellungsverfahren zum Bau von Sturmflutsperrwerken an Hunte, Lesum und Ochtum.

Vorsitzender des Schulelternrates des Gymnasiums am Wall

1969 ging es schließlich von Oldenburg nach Verden, von der Hunte an die Aller. Hier wurde die Familie Wiezorek dann so richtig heimisch. Das spiegelte sich auch in privatem Engagement wider. So war Horst Wiezorek einige Jahre Vorsitzender des Schulelternrates am Gymnasium am Wall. Und als im Rathaus über eine Trasse durch den Stadtwald diskutiert wurde, wurde Horst Wiezorek in einer Bürgerinitiative aktiv, um dieses Projekt zu verhindern.

1994 ging er als Leitender Baudirektor in Pension. Zum heutigen NLWKN hat er aber noch immer Kontakt und hält sich in Sachen Wasserwirtschaft auf dem Laufenden.

In der Stadtbibliothek ist der Jubilar guter Kunde. Vor allem im Winter, wenn es im Garten nichts zu tun gibt. Ansonsten gehört die Arbeit an Beeten und Büschen zu den Hobbys des rüstigen Jubilars. Klar, dass es in diesem Garten einen kleinen Teich gibt. An ihm sitzt er auch, als er mit der Presse spricht. Dann aber muss er doch in die Küche und gucken, ob er wenigstens seiner Ehefrau noch zur Hand gehen kann. Den von ihm geplanten Lachs gibt es halt an einem anderen Tag. Da ist er – wie immer – ganz entspannt.

Von Katrin Preuss

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