Auch bei Deutschen beliebt

Ein Stück Heimat in der Fremde: Einzelhändler bieten ausländische Lebensmittel an

Hamide und Forman Ramadani setzen auf eine große Auswahl an Halal-Fleisch. - Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden - Von Antje Haubrock-Kriedel. Der türkische Obst- und Gemüsehändler an der Ecke, bei dem es auch leckeres Fladenbrot und andere Spezialitäten gibt, gehört schon seit Jahrzehnten zum gewohnten Stadtbild. Auch Deutsche kaufen hier gern ein. Mit der zunehmenden Zahl ausländischer Mitbürger hat inzwischen auch das Angebot ausländischer Lebensmittel an Bedeutung gewonnen, sind die vertrauten Speisen für die Zugewanderten doch ein Stück Heimat im fremden Land.

Dass seine Kundschaft in den vergangenen Jahren bunter geworden ist, hat auch Mehmet Das gemerkt. Der türkischstämmige Einzelhändler betreibt schon seit 1997 seinen kleinen Laden am Holzmarkt. „Die russischstämmigen Kunden essen einfach gern, die Araber kaufen meistens Brot, bei ihnen muss es vor allem günstig sein“, erzählt er. Besonders stolz ist Das auf seine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse.

Es gibt unter anderem Paprika, Mangos, Papayas und besonders große süße Birnen aus der Türkei. „Alles viel günstiger als im Supermarkt“, versichert Das. Dieses kommt auch bei den deutschen Kunden gut an. Vieles holt der Inhaber persönlich vom Großmarkt in Bremen. Einiges baut es aber auch selbst an, um er im Laden zu verkaufen. So stammen Kartoffeln, Zucchini, Kürbis, Zwiebeln, Knoblauch und Koriander aus eigener Ernte. „Sogar Feigen wachsen hier“, erzählt Mehmet Das. Damit er seinen Kunden immer frische Ware aus erster Hand bieten kann, erntet er häufig auch sonntags. Daneben führt er viele türkische Lebensmittel wie Schafskäse Oliven, Bulgur, Couscous, scharfe eingelegte Peperoni, türkische Bohnen oder Paprikapaste.

Ein ähnliches Sortiment gibt es bei Familie Disli, Ecke Große Straße/Blumenwisch. Mit ihren „Reco Mittelmeerspezialitäten“ sind sie seit 2010 in Verden ansässig. Aushängeschild ist auch hier das frische Obst und Gemüse, vieles davon aus mediterranen Gefilden. Daneben gibt es eine große Auswahl an orientalischen Spezialitäten wie die türkische Knoblauchwurst, Bulgur und Reis in verschiedenen Sorten. Eine von vielen Kunden geschätzte türkische Spezialität ist Baklava, ein Süßgebäck aus Blätterteig. Bei Familie Disli gibt es die Leckerei stückweise, gefüllt zum Beispiel mit gehackten, Walnüssen, Mandeln, Pistazien oder Kaymak einer Art Sahnejoghurt.

Hassan Disli bietet Leckeres vom Mittelmeer.

Je nach Nationalität liegen die Vorlieben der Kunden woanders. „Die Ausländer kaufen hauptsächlich Reis, Linsen, Bulgur und Gewürze, die Deutschen eher Obst und Gemüse“, weiß Seniorchef Hassan Disli. Sein Sohn Raman hat jedoch festgestellt, dass auch Bulgur und Co. immer häufiger den Weg in die deutsche Küche finden. „Seit der Flüchtlingswelle sind diese Speisen auch bei den Deutschen bekannter geworden.“

Spezialitäten vor allem aus Osteuropa gibt es in Verden bereits seit zwölf Jahren im Lada Markt. Seit vier Jahren befindet sich das Geschäft in der Mainstraße. „Unsere Kunden kommen aus Polen, der Ukraine, aus Russland, Litauen und Bulgarien, es sind aber auch viele Deutsche darunter, sie schätzen vor allem die Qualität unseres Frischfleisches“, sagt der aus Usbekistan stammende Geschäftsführer Andrei Maier.

Andrei Maier, hier mit Mitarbeiterin Anna Kokarew, ist auf osteuropäische Lebensmittel spezialisiert.

Das Sortiment im Lada Markt umfasst unter anderem Wurstwaren nach polnischem und russischem Rezept, eingelegte Gurken und Tomaten nach russischer oder ukrainischer Art, russische Waffeln und Kekse sowie Gewürze, die für die osteuropäische Küche benötigt werden. Ferner ist im Lada Markt eine große Auswahl an osteuropäischen Spirituosen zu finden, Weine, Liköre und natürlich Wodka.

Mehmet Das verkauft auch Gemüse aus eigenem Anbau.

Die Zeichen der Zeit erkannt haben Forman und Hamide Ramadani. Das Ehepaar eröffnete im August 2016 den Super-Frischmarkt in der Fabrikstraße/Ecke Marienstraße. Neben internationalen Spezialitäten aus der Türkei, Syrien und den arabischen Ländern gibt es in der Frischetheke auch eine große Auswahl an Halal-Fleisch. Muslime dürfen nämlich nur Fleisch essen, das „halal“, also erlaubt ist. Die Tiere müssen nach einer bestimmten, im Koran festgelegten Art geschlachtet werden. Schweinefleisch gilt als unrein und darf überhaupt nicht verzehrt werden.

Ramadani hat eine große Auswahl an Geflügel, Kalb-, Rind- und Lammfleisch. Das hole er stets frisch aus einem Schlachthof in der Nähe von Hannover. „In Verden kann man sonst kein Halal-Fleisch bekommen“, weiß er. Auch Bestellungen und besondere Wünsche nimmt er gern entgegen. 

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