Studienseminar Verden besucht Gedenkstätte / Gespräch mit Sara Atzmon

Bewegende Begegnung

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Sara Atzmon (vorn) erzählte in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen ihre bewegende Geschichte.

Verden - Verfolgung, Hass, Verbrechen, all‘ das hat Sara Atzmon am eigenen Leibe zu spüren bekommen. In einer bewegenden Begegnung erzählte die Überlebende des Holocausts im ehemaligen KZ Bergen-Belsen ihre Geschichte. Unter den Zuhörern auch angehende Geschichtslehrer des Studienseminars Verden.

Sara Atzmon, 1933 in Ungarn geboren, überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen. Nach ihrer Befreiung im April 1945 in der Nähe von Magdeburg wanderte sie nach Palästina aus. Sie schilderte den angehenden Geschichtslehrerinnen und -lehrern sehr anschaulich ihre persönlichen Erlebnisse, darunter das Aufwachsen im Krieg, die Misshandlungen und Demütigungen in den Lagern und den Verlust vieler Familienangehöriger.

Lange hatte Sara Atzmon über ihre persönlichen Erlebnisse geschwiegen. Eine Reise nach Ungarn im Jahr 1987 änderte alles. „Die Menschen haben mich geärgert. Sie lebten in unseren Häusern und haben nicht gewusst, was mit den Juden passiert war“, sagte sie. Mit 55 Jahren fing sie daraufhin an, zu malen. In Deutschland, Schweden, Indien und in vielen anderen Ländern waren ihre Bilder bereits zu sehen. Der Holocaust ist stets ihr Thema.

Ein besonderes Anliegen von Sara Atzmon liegt in der Vermittlung eines Verantwortungsgefühls innerhalb der Gesellschaft. „Mir ist es wichtig, besonders mit der jungen Generation zu sprechen. Die Geschichte der Verfolgung und des Hasses darf nicht vergessen werden.“ Nur Aufklärung könne verhindern, dass „in der Zukunft nicht solch scheußliche Taten wieder passieren“. Aus diesem Grund berichtet sie an vielen Schulen über ihr Schicksal.

Eben dieses wird auch in dem Film „Holocaust light – gibt es nicht!“ der Regisseurin Ilona Rothin verdeutlicht. Die Dokumentation über das Leben der Zeitzeugin Sara Atzmon wird in naher Zukunft als Unterrichtsmaterial allen niedersächsischen Schulen über das Onlineportal der Medienzentren zur Verfügung gestellt.

„Wie wollt ihr den Kindern den Holocaust nahe bringen?“, lautete ihre Frage an die angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Schwierigkeiten und Anliegen wurden benannt und Gespräche entstanden, wie man Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren das Thema „Holocaust“ im Geschichtsunterricht vermitteln kann. Gegenwartsbezüge, die Darstellung von Lebensschicksalen, die Bedeutung des vermeintlich unbeteiligten Zuschauers, aber natürlich auch die Suche nach der Antwort auf die Frage „Wie konnte das nur möglich sein?“ waren Aspekte, die intensiv diskutiert wurden.

Am Ende der Veranstaltung dankten die Zuhörer der Zeitzeugin für die Einblicke in ihr Leben und gratulierten zum 82. Geburtstag. Sara Atzmon nahm sich selbst an diesem Tag Zeit, um weiterhin die Menschen für die Taten der Nationalsozialisten zu sensibilisieren. Eine bewegende Begegnung.

Die angehenden Geschichtslehrerinnen und -lehrer des Studienseminars Verden für die Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen hatten zusammen mit ihrem Fachseminarleiter Jörg Suckow die Gedenkstätte anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen besucht. Das Zusammentreffen mit Sara Atzmon und Regisseurin Ilona Rothin wurde durch das Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (Medienzentrum Verden, Joachim Kruse) ermöglicht.

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