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Mit Energiemanagement Stromfressern auf der Spur

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Von: Markus Wienken

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Blick auf den Komplex der Ludwig-Jahn-Schule in Verden.
Blick auf den Komplex der Ludwig-Jahn-Schule: Die alten Fenster im Bereich der Süd- und Westfassade werden nach über 60 Jahren ausgetauscht. © Markus Wienken

Ein defekter Durchlauferhitzer, ein Rohrbruch und alles lange unbemerkt - bis eine hohe Rechnung kommt. Lässt sich mit dem richtigen Management verhindern, sagt die Stadt Verden....

Verden – Alles kommt auf den Prüfstand. Vom Rathaus bis zur kleinsten kommunalen Küche, ob und wieviel Strom, Gas oder Wasser fließen, was wo wann verbraucht wird, muss in die Datenbank. CO2-Emissionen senken, Energie und Geld sparen lauten die vorrangigen Ziele. Energiemanagement nennt sich das. Um dahin zu kommen, will die Stadt Verden einen Experten einstellen. Kostet wiederum Geld. Aber es könnte ein Nullsummenspiel werden, so die Botschaft im Ausschuss für Finanzen und Klimaschutz.

Ortsbürgermeissterin in Eitze kontrolliert regelmäßig

In Eitze wird genau hingeguckt. Ortsbürgermeisterin Anja König ist regelmäßig in den kommunalen Einrichtungen unterwegs, guckt auf dem Friedhof, in der Kapelle auf Wasseruhren und Stromzähler. Auch im Dorfgemeinschaftshaus fällt in Abständen der Blick auf die Versorgungseinrichtungen. „Wir sind mal durch einen besonders hohen Zählerstand überrascht worden, das soll sich nicht wiederholen“, wusste Anja König im Ausschuss zu berichten. Wenn der Verbrauch deutlich über dem Schnitt liegt, herrscht umgehend Alarm, weil eben etwas nicht stimmen kann. In einem Fall war es ein schadhafter Durchlauferhitzer im Dorfgemeinschaftshaus, im zweiten Fall ein Rohrbruch auf dem Friedhof. Gefahr erkannt, umgehend gemeldet, Schaden behoben, Energie und Geld gespart.

Stadt Verden will professionelles Management

Das Engagement der Ortsbürgermeisterin als Energiemanagerin ist nicht unbedingt selbstverständlich, weil vielfach mit Aufwand verbunden und nur schwer umzusetzen. „Wir brauchen eine dauerhafte, monatliche Erfassung und Auswertung von dem, was an Wärme, Strom und Wasser verbraucht wird“, so Verdens Klimaschutzmanagerin Lisa Pischke. „Allerdings sind aktuell dafür nicht alle Liegenschaften erfasst, die Zählerstruktur veraltet und Energieberichte können durch die Software nicht erstellt werden“, so Pischke im Ausschuss.

Das Aufgabenfeld des sogenannten Energiemanagements wäre klar umrissen. Dazu gehören die kontinuierliche Verbrauchsauswertung und Ermittlung von Einsparpotenzialen in den städtischen Liegenschaften. Schon geringe investive Maßnahmen, darunter hydraulischer Abgleich, Optimierung der Heizlinie, der Austausch von Pumpen oder alternative Technologien könnten sich positiv im Geldbeutel bemerkbar machen. Nur dann würde sich die Personalie für die Stadt lohnen. Mit circa 76 800 Euro steht die Stelle des Energiemanagements jährlich im Personalkostenbudget. „70 Prozent davon wird über eine Laufzeit von drei Jahren über Bundeszuschüsse getragen, der verbleibende Eigenanteil durch die Einsparungen finanziert“, so Pischke im Ausschuss.

Besetzung der Stelle kostet circa 80.000 Euro - aber Förderung in Aussicht

Eine Rechnung, die aufgehen muss. „Unser Personalkostenbudget ist gedeckelt. Nun kommen noch mal eben circa 80 000 Euro oben drauf“, mahnte Lars Brennecke (CDU). Seine Fraktionskollegin Anja König forderte ein stabiles Konzept, das mit Ablauf der Förderzeit stehen muss. „Das wir da hinkommen, muss funktionieren und jährlich zuverlässig geprüft werden“, so König. Sowohl Brennecke als auch König stimmten dem Antrag auf Fördermittel zu. Bei der Absicherung der Summe im städtischen Personalkostenbudget enthielt sich das Duo. Lars Grobe (Grüne), sprach angesichts der möglichen Fördersumme von einem notwendigen Schritt. „Trotz des gedeckelten Personalbudgets sollten wir da flexibel reagieren“, sagte Grobe. Ähnlich die Reaktion von Claudia Schlosser (SPD), die mit der Einführung des Managements von einer „nachhaltigen Zusammenführung einzelner Maßnahmen“ sprach. Allerdings wäre angesichts der mittlerweile zahlreichen Förderanträge ein Höchstmaß an Transparenz erforderlich. „Da würde ich mir eine komplette Liste der Förderungen wünschen.“

450.000 Euro für neue Fenster in der Jahnschule Verden

Einen Haken machte der Aussschuss in seiner Sitzung hinter einem weiteren Förderantrag: Die alten Fenster der Süd- und Westfassaden der Friedrich-Ludwig-Jahnschule, Jahrgang 1958, kommen raus. Im Gegenzug werden 120 Wärmeschutzfenster eingesetzt. „Weniger Heizen, weniger Wärmeverluste, die hochwertige Verglasung bietet einen bis zu 50 bis 60 Prozent besseren Schutz als herkömmliche Isolierverglasung“, erklärt Lisa Pischke. Und es gibt viel Geld vom Staat: Von den 450 000 Euro Gesamtkosten zahlt der Bund 265 300 Euro. Der Ausschuss stimmte dem Vorhaben zu.

Von Markus Wienken

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