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Strom und Erdgas in Verden: Die Preise werden steigen

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Von: Heinrich Kracke

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Mann am Tisch.
„Die Preise werden steigen, sowohl für Erdgas als auch für den Strom“: Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Weiland. © Kracke

Noch halten die Stadtwerke Verden die Füße still, aber sie wird kommen, die nächste Preissteigerung bei Erdgas und Strom. Das erklärt Stadtwerke-Chef Weiland im Interview.

Verden - Die Spritpreise drastisch gestiegen, das Erdgas kommt zu großen Teilen aus Russland, die regenerativen Energien wie Windkraft noch nicht weit genug vorangetrieben – auf was müssen sich die Verdener Haushalte einstellen? Werden künftig nur noch Besserverdienende ihre Wohnungen ausreichend heizen können? Wir sprachen mit Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Weiland. Das Interview führte Heinrich Kracke.

Frage: Ein Großteil des Erdgases kommt aus Russland. Davon will man sich unabhängig machen. Ab wann müssen Verdener Haushalte damit rechnen, dass die Leitungen versiegen?

Jochen Weiland: Stimmt, bisher kamen rd. 50 Prozent des Erdgases in Deutschland aus Russland. Aber die Bundesregierung sucht intensiv nach Alternativen. 1,5 Milliarden Euro für das Flüssiggas LNG ist eine erste Maßnahme, die Verhandlungen mit Norwegen eine nächste. Wir gehen davon aus, auf Sicht ist die Versorgung sicher.

Frage: Aber gerade jetzt wurden die Heizkessel von L auf H umgestellt, damit ist das Erdgas aus den Niederlanden nicht mehr nutzbar und es entfällt eine Quelle. Müssen die Heizkessel rückumgestellt werden?

Weiland: Nein, das ist nicht möglich. Die Förderung des L-Gases in Groningen wird mit Blick auf die Erdbeben durch die Niederlande eingestellt. Es steht bald kein L-Gas mehr zur Verfügung.

Frage: Das heißt, es kommt nicht nur auf längere Sicht zu Lieferengpässen, sondern auch zu weiteren Preissteigerungen?

Weiland: Also, die Bundesregierung setzt alles daran, die Versorgung zu sichern. Unter anderem mit dem Gesetz, das in Vorbereitung ist, die Erdgasspeicher zum Winter hin zu 90 Prozent gefüllt zu haben. Wenn es tatsächlich zu Versorgungsengpässen kommen sollte, wären alle Versorger republikweit betroffen. Die deutschen Behörden sind über den „Notfallplan Gas“ dann zu weitreichenden Eingriffen befugt. Private Haushalte, kleine Unternehmen und alle Anbieter grundlegender sozialer Dienste, wie Kranken- und Pflegeheime, unterliegen allerdings einem besonderen Schutz und würden als letzte in der Versorgung eingeschränkt.

Frage: Andere Versorger auch in der Umgebung haben deutlich höhere Gaspreise festgelegt, in einigen Fällen liegen sie bis zu 50 Prozent über den Verdenern. Ab wann müssen sich die Verdener Haushalte auf diese neue Preisdimension einstellen?

Weiland: Es trifft zu, die Preise werden steigen. Allerdings haben wir unseren Kunden eine Garantie gegeben, dass wir bis zum Jahresende keine Anpassungen vornehmen. Das hängt mit unserer langfristigen Einkaufsstrategie zusammen. Wir haben unseren Bezug für die nächsten drei Quartale bereits jetzt preislich abgesichert. Vorausgesetzt, es kommt bundesweit nicht zu Engpässen, werden wir den Preis halten können. Allerdings darf niemand die Augen davor verschließen, dass der Gaspreis der Vorlieferanten massiv gestiegen ist. Das wird auch auf die Stadtwerke Verden durchschlagen. Gleichzeitig ist unklar, wie und ob staatliche Maßnahmen in den Endverbraucherpreis aufgenommen werden müssen. Zurzeit gehen wir von Preissteigerungen ab dem Jahreswechsel von etwa 30 Prozent aus, zwei Cent also pro Kilowattstunde Erdgas.

Frage: Erdgas gilt auch als eine der Energiearten bei der Stromerzeugung. Heißt, auch der Strom wird teurer. Auf was müssen sich die Verdener Haushalte einstellen?

Weiland: Den Strompreis haben wir zuletzt 2019 leicht erhöht. Seither halten wir ihn stabil. Unseren Kunden haben wir auch in diesem Bereich die Zusage gegeben, bis zum Jahresende keine Anpassungen vorzunehmen. Allerdings ist der Preis an der Börse innerhalb eines einzigen Jahres um rund 150 Prozent gestiegen. Das können wir nicht außer Acht lassen. Vieles dürfte zudem davon abhängen, wie lange die Ukraine-Krise andauert. Jetzt schon einen Ausblick auf kommende Preisentwicklungen zu geben, wäre verfrüht und damit unseriös. Ganz klar aber, sowohl Erdgas als auch Strom werden in diesem Jahr nicht mehr angepasst.

Frage: Wäre es nicht sinnvoll, langsam mal auf regenerative Energien umzustellen? Stattdessen wird über immer neue Gaskraftwerke nachgedacht.

Weiland: Es trifft zu, die Bundesrepublik hinkt bei Windkraft, bei Photovoltaik und beim Thema Wasserstoff hinter den ursprünglichen Klimazielen her. Und es stimmt auch, es werden auf dem Weg von der fossilen in die regenerative Energie bundesweit rund 30 Gaskraftwerke als Überbrückung benötigt. Aber der Strommix der Stadtwerke Verden setzt sich bereits jetzt aus 65 Prozent erneuerbarer Energien zusammen. Und der Anteil steigt. Wir sind auf einem guten Weg.

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