Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht mit kleinen Hürden

Streik bei Allerbus: Ausgerechnet jetzt

An den Haltestellen von Allerbus am Verdener Bahnhof stehen keine Busse. Der Fahrplan im Vordergrund ist wegen des Streiks nichtig. Nur wenige Menschen warten auf Beförderung.
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Gähnende Leere am Busbahnhof: Wer nicht mit dem Auto zur Schule gebracht werden konnte, nahm das Fahrrad oder blieb zu Hause.

Der Streik beim Verdener Verkehrsunternehmen Allerbus hat sich weniger negativ auf die Schülerbeförderung ausgewirkt als befürchtet. Die Streikenden verteidigen ihre Haltung mit zu niedrigen Löhnen und laufenden Tarifverhandlungen.

Landkreis – Auch ohne den Bus nehmen zu können, haben die meisten Schülerinnen und Schüler im Landkreis Verden und im Heidekreis gestern am Schulunterricht teilgenommen. Zwei oder drei hätten sich gemeldet und darum gebeten, für diesen Tag am Homeschooling teilnehmen zu dürfen, hieß es am Gymnasium am Wall. An der Campus Oberschule kam der Streik von Allerbus dagegen wegen des Zeitpunktes nicht so gut an.

„Einige Schüler, die heute nicht kommen konnten, haben wir seit Weihnachten nicht gesehen“, bedauerte Schulleiter Christian Piechot. Er hoffte am Montag, dass der Streik nicht länger dauern wird. „Damit wir möglichst viele Schülerinnen und Schüler vor den Osterferien noch einmal in der Schule sehen.“ Wieviele tatsächlich nicht gekommen seien, wisse man erst später. Er habe jedoch beobachtet, dass einige auf das Fahrrad umgestiegen seien. Weitere Entfernungen zu bewältigen hätten zum Beispiel Schülerinnen und Schüler aus Döhlberge/Rieda.

Nicht akzeptables Angebot von der Arbeitgeberseite

Sie und alle anderen Fahrgäste hatten Zeit, sich auf den angekündigten Streik einzustellen, der noch bis heute Abend andauernd wird. Erst ab Mittwoch, wenn es in die nächste Verhandlungsrunde gehen wird, fahren die Busse wieder. Bis dahin halten die Fahrerinnen und Fahrer die Stellung in der Moorstraße, sitzen zusammen an der Einfahrt und erklären jenen, die fragen, warum sie das tun. Betriebsratsvorsitzender Heiko Both spricht von einem nicht akzeptablen Angebot der Arbeitgeberseite. „86 Cent pro Stunde mehr, und das in drei Stufen, ist viel zu wenig.“ Er und seine Kollegen fordern drei Euro mehr pro Stunde und sprechen von anstrengenden Arbeitstagen mit wenig Zeit für entspannte Freizeit. Es fehle ihnen an Wertschätzung in dieser schwierigen Zeit. Ein Kollege: „Wir setzen uns täglich der Ansteckungsgefahr aus.“ Im übrigen trage man viel Verantwortung, müsse immer hochkonzentriert sein, und das bei Arbeitszeiten zwischen 5 Uhr morgens und 21 Uhr abends. Im Vergleich mit anderen Bundesländern verdiene man mit knapp 14 Euro die Stunde deutlich weniger.

Allerbus-Chef Henning Rohde beschreibt die Kluft zwischen den Kontrahenten: „Wir liegen mit Angebot und Forderung tatsächlich weit auseinander, befinden uns aber auch in schwierigen Zeiten.“ Rohde spricht von Fahrgeldverlusten, die nur durch den staatlichen Rettungsschirm hätten aufgefangen werden können. „Das reicht gerade noch bis Ende März/Anfang April.“ Vor dem zweiten Lockdown seien in den Städten 80 Prozent der Fahrgäste zurückgekommen, auf dem Land seien es weniger gewesen. Inzwischen seien wieder mehr Fahrgäste auf das Auto umgestiegen. Für seine Mitarbeiter hat er Verständnis. „Wir gehen hier respektvoll miteinander um, und jeder sollte seiner Arbeit entsprechend entlohnt werden. Aber, wir müssen das auch wuppen können.“

Der Streik bei Allerbus wird heute fortgesetzt.

Die Gewerkschaft verdi sagt dazu: „Eine ökologisch-soziale Verkehrswende braucht auch in der Fläche faire Arbeit im ÖPNV.“ Beschäftigte in Lüneburg, Salzgitter, Helmstedt, Hameln, Stade, Verden, Wolfenbüttel und Buxtehude seien zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen worden. Zwei Tage wollen die Fahrerinnen und Fahrer nicht nur in Verden die Betriebseinfahrt blockieren. „Leider schalten die Arbeitgeber weiter auf stur. Dass der Streik nun auch Pendler und Schulkinder trifft, liegt in ihrer Verantwortung“, sagt Hermann Hane vom verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen.

‚Schulleiterin: „Keine freundliche Idee, gerade jetzt zu streiken“

Bei allem Verständnis für die Streikenden gefällt den Verdener Schulleitern der Zeitpunkt überhaupt nicht. Immerhin ist man gerade erst Schritt für Schritt in den Präsenzunterricht zurückgekehr. So manche Schülergruppe hat seit Weihnachten keinen Klassenraum mehr von innen und keine Lehrkraft in natura gesehen. Dorothea Blume, Schulleiterin am Domgymnasium: „Die Schule war nicht leergefegt. Der Streik war ja angekündigt und so konnten sich alle darauf vorbereiten.“ Vermutlich seien mehr Schülerinnen und Schüler mit dem Fahrrad gekommen. Aber: „Es ist keine freundliche Idee, gerade jetzt zu streiken.“

Heidekreis setzt Arbeiter-Samariter-Bus ein

Im Heidekreis ist für den Schulbetrieb in Walsrode, Rethem und in Kirchlinteln für Montag und Dienstag ein Notplan aufgestellt worden. Dabei wurden vor allem die Eltern um Mithilfe gebeten. Landrat Manfred Ostermann hatte zur Krisensitzung mit Vertretern der Verkehrsgemeinschaft Heidekreis, der Stabsstelle ÖPNV, des Fachbereichsleiters Ordnung und der Fachgrupe Brand- und Kat-Schutz der Kreisverwaltung geladen mit dem Ergebnis, dass die Eltern gebeten wurden, ihre Kinder an beiden Tagen zur Schule zu bringen und sie auch wieder abzuholen. Ostermann: „Im Rahmen der Gefahrenabwehr wurde der Arbeiter-Samariter-Bus (ASB) vom Landkreis beauftragt, an beiden Tagen seinen Bus für die Rückfahrt am Nachmittag zur Verfügung zu stellen und Kinder, die nicht wissen, wie sie zurück nach Hause kommen können, zurückzufahren.“

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