Regelungsflut, Schülerbeförderung und Digitalausstattung: Bilanz im Schulausschuss

Stoßseufzer über Corona-Belastungen

Mit Geld nicht zu lösen: das Problem überfüllter Schulbusse. Es fehlen die Fahrzeuge.
+
Mit Geld nicht zu lösen: das Problem überfüllter Schulbusse. Es fehlen die Fahrzeuge.

Verden – „Es wäre schön, wenn wir mal zwei Wochen ohne neue Verordnungen und Regeln unsere Arbeit machen könnten.“ Mit diesem Stoßseufzer machte sich die Belastung Luft, die die Leiter der Gymnasien, Förderschulen und der BBS, aber auch ihre Schüler in der Corona-Pandemie erleben. Im Schulausschuss des Kreistags wurden die Belastungen erkennbar, die die Einrichtungen in Trägerschaft des Landkreises und die Behörde selbst im Krisenmanagement in Atem hält. In den Dank von Ausschussmitglied Dörte Liebetruth (SPD) dafür stimmten denn auch ihre Kollegen aus den anderen Fraktionen ein.

„Wir bewegen uns bislang auf dem Boden des Infektionsschutzgesetzes“, fasste Landrat Peter Bohlmann zusammen, wie es zu den Regelungen aus seinem Haus gekommen ist. Dass er mit seiner jüngsten Allgemeinverfügung sämtliche Schulen aus dem eingeschränkten Regelbetrieb herausgenommen und bis 4. Dezember überwiegend den Wechselbetrieb vorgegeben hat, entspreche auch der Neufassung des Gesetzes, das erst vergangene Woche vom Bundestag beschlossen wurde.

Das Infektionsgeschehen sei so dynamisch, dass ohnehin kaum noch eine Schule von der Pflicht zu weitergehenden Maßnahmen ausgenommen war. In der Sekundarstufe eins sei das die IGS Achim gewesen und von den 28 Grundschulen im Kreis seien bereits acht im Wechselbetrieb gewesen. Auch die gesetzte Frist bis zum Freitag nächster Woche entspreche den Vorgaben der Neuregelung aus Berlin.

Ein ganz anderes Problemfeld sei die Beförderung der 7200 Fahrschüler in ihre Einrichtungen. Gerade in Ottersberg und Oyten sei über die überfüllten Busse, in denen die jungen Passagiere die Abstandsregeln schlicht nicht einhalten könnten geklagt worden. Verstärkerbusse seien nach Möglichkeit angefordert worden. Aber für 1,5 Meter Abstand müssten zwei Plätze frei bleiben. Ein Zwölf-Meter-Bus sei mit 30 Sitz- und 40 Stehplätzen zugelassen, von denen nur noch maximal die Hälfte nutzbar wären.

Doppelt so viele Busse nötig

„Wir haben drei Linienbündel mit 64 Buslinien im Landkreis. Schon 64 zusätzliche Busse zu ordern, wäre nicht möglich, weil es die nicht gibt“, rechnete Bohlmann vor. Deshalb sei eine Mund-Nasen-Bedeckung vorgeschrieben.

Der Mangel an Bussen und Fahrern sei bereits ein Grund dafür, dass das Problem nicht mit mehr Geld lösbar sei. Deshalb sei das Sonderprogramm des Landes, das die Schülerbeförderung mit 30 Millionen Euro entspannen will, kein Befreiungsschlag. Verden werde 500 000 Euro erhalten. „Bei 200 Schultagen im Jahr könnten wir nur fünf bis sieben Busse zusätzlich einsetzen“, sagte Bohlmann.

Dass das nicht reichen würde, sahen auch die Abgeordneten Dörte Liebetruth und Erich von Hofe (Grüne) so. Beide erwarteten wie Bohlmann vom Wechselbetrieb mit halben Klassen in der Schule und der anderen Hälfte zu Hause die größere Entspannung. Eine Alternative wäre Hybrid-Unterricht, bei dem Teile der Klasse digital am Unterricht teilnehmen. Erich von Hofe, der sie ansprach, sah aber auch, dass Schüler und Schulen dazu ausgestattet sein müssten.

Die Bemühungen des Landkreises, die IT-Ausstattung in den Schulen zu verbessern, seien nicht zuletzt durch den Digitalpakt des Bundes verstärkt worden, berichtete die Leiterin der Abteilung Schule und Sport im Kreishaus, Gesa Goetjes. 2,9 Millionen Euro würden erwartet. Die Bedarfsermittlung sei in Arbeit. Auch in Bezug auf WLan-Ausstattung und die Versorgung mit Endgeräten.

Im Sommer seien bereits 422 Notebooks und 48 Tablets sowie Kameras ausgeliefert worden, die vor allem bedürftige Kinder mit den nötigen Endgeräten versorgen sollen. Selbst wenn diese Lücken geschlossen sind, habe damit aber noch nicht jedes Kind Zugang zur digitalen Welt. Da gebe es immer noch die Eltern, die sich dem Internet verweigern oder das Handy für ausreichend halten. „Wir können die Eltern nicht zu einem Internet-Anschluss zwingen.“ Zehn Prozent hätten keinen Anschluss.  kle

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Meistgelesene Artikel

Brückenabriss hat begonnen: Vollsperrung der Autobahn 27 bis Sonntagnachmittag

Brückenabriss hat begonnen: Vollsperrung der Autobahn 27 bis Sonntagnachmittag

Brückenabriss hat begonnen: Vollsperrung der Autobahn 27 bis Sonntagnachmittag
Brand in Gemeindehaus der Zeugen Jehovas - Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Brand in Gemeindehaus der Zeugen Jehovas - Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Brand in Gemeindehaus der Zeugen Jehovas - Polizei ermittelt wegen Brandstiftung
Auf ein Neues: L 156 in Achim gesperrt

Auf ein Neues: L 156 in Achim gesperrt

Auf ein Neues: L 156 in Achim gesperrt
Razzia gegen Clan-Kriminalität: Schwerpunkt liegt in Achim

Razzia gegen Clan-Kriminalität: Schwerpunkt liegt in Achim

Razzia gegen Clan-Kriminalität: Schwerpunkt liegt in Achim

Kommentare