Brot und Wein vor dem Rathaus

Störtebekers Besetzungscouch

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Brot und Heringe für alle, das hat sei Störtebekers Vermächtnis Tradition in Verden.

Verden - Der Fachkräftemangel hat in diesem Jahr auch die Piratenbranche erreicht. Der traditionelle Auftritt des Freibeuters Klaus Störtebeker vor dem Verdener Rathaus zur Lätare-Spende geriet ihm zu einer Rekrutierungsveranstaltung. Auf der satirischen Besetzungscouch des Seeräubers stellten sich führende Politiker ein. Aber auch die Ehrengäste aus Bremen, Hannover und Berlin, die später Brot und Heringe an die „Armen und Bediensteten der Stadt“ verteilen sollten, schätzten die Gesellschaft des Piraten.

Die Fässer mit den Salzheringen standen auf einem Ackerkarren bereit, als Bernd Maaß als Störtebeker vor dem Rathaus erschien. Der Shantychor Verden hatte schon einmal auf die maritime Seite des Piraten eingestimmt und die Bigband des Domgymnasiums machte die leichte, eher beschwingte Seite der Traditionsveranstaltung spürbar. Bürgermeister Lutz Brockmann begrüßte die Schar von mehreren Hundert Zuschauern auf dem Platz und natürlich den Piraten. Jedes Jahr erscheint er wieder, um sicherzustellen, dass sein Vermächtnis erfüllt wird.

Eine satirische Note gehört immer zu diesem Auftritt des Seeräubers vor dem Rathaus. So war es auch gemeint, als Störtebeker Kandidaten für seine Mannschaft in der großen Politik suchte. Neben Lothar De Maiziére tauchten Andrea Nahles, Alexander Dobrindt und Rainer Brüderle auf und die Eiserne Lady Margret Thatcher feierte Auferstehung. Sie wurden eingekleidet, mit Enterhaken und Konsorten ausgestattet und erhielten ihren Platz auf dem Piratenschiff.

Aber auch Freibeuter in (Personal-)Not entwickeln den Blick für Nachhaltigkeit, so dass in der feuchtfröhlichen Runde von Kostümierten die Idee einer Piratenschule aufkam. Störtebeker verfiel schnell darauf, dass Bürgermeister Brockmann noch einiges in Sachen Piraterie nachzuholen hätte.

Deutliche Anzeichen von Interesse zeigten aber auch die Ehrengäste aus der bremischen und der Niedersächsischen Landes- und aus der Bundesregierung. Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider .jedenfalls schien nicht abgeneigt. Er verwies auf das Robin-Hood-Image Störtebekers und seiner Likedeeler und nannte ihn einen „Bruder im Geiste“.

Ein wenig überrascht zeigte sich der Pirat über den Bremer Gast. Hans-Hennig Lühr ist Staatsrat bei der Senatorin für Finanzen, war Störtebeker aber als Autor von Büchern über Satire und Kuchkunst aufgefallen. Das verweist nicht direkt auf das in Bremen schwierige Thema Finanzen, räumte der Gast ein, passt aber zumindest zum Berufswunsch seiner Kindheit. Er habe nämlich Pirat werden wollen, als er in die Schule kam.

Lätare-Spende vor dem Rathaus in Verden

Auch der Berliner Gast, Caren Marks, Parlmenmtarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, schien nicht abgeneigt, bei Störtebeker anzuheuern. Sie hatte ebenfalls eine gewisse Verwandtschaft zu seinem Prinzip, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben, entdeckt: „Roter Bart, rote Haare, rotes Herz.“ Sie hatte aber Zweifel, dass die Gleichstellung der Geschlechter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf dem Kaperschiff verwirklicht sei.

Maaß alias Störtebeker wies darauf hin, dass er zu viele Familien mit seinem Beruf zu vereinbaren gehabt hätte. Dann aber zitierte er die Gäste an die Heringsfässer. Und während die sich für das Verteilen fertig aufstellten, machte der Pirat seinem Namen mit einem „Becher“ Bier alle Ehre und leerte „den Krug in einem Zug“.

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