Tanz und Theater im Zeichen des Piraten: Inklusive Produktion für Gruppen aller Art

Störtebeker-Projekt vereinigt Verdens Vielfalt

Jutta Liebetruth führt eine kleine Gruppe von Spielfiguren vor. Die Plastikfiguren im Piraten-Look deuten auf das Störtebeker-Projekt hin, an dem auch die drei Personen im Hintergrund mitwirken.
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Um die Figur Klaus Störtebeker ranken sich viele Legenden. Auch beim Projekt von Jutta Liebetruth, Marco Habisch, Margarete Meyer und Ruth Podlich (v.l.) soll der Pirat im Mittelpunkt stehen.

Verden – Seit gut zwei Jahren befassen sich Jutta Liebetruth, der Tintenklecks und einige andere mit dem legendären Klaus Störtebeker. Nicht das Spiel mit den Figuren in Piratenkluft fasziniert sie, sondern die auch in Verden lebendigen Legenden um den Freibeuter. Jetzt wollen sie ihn in den Mittelpunkt eine Tanz- und Theaterprojektes stellen. Und weil das kreative Vorhaben vor allem inklusiv sein soll, wollen sie eine bunte Mischung von Gruppen dafür zusammenbringen, die die Vielfalt in der Stadt sichtbar macht.

Vorbild ist das inklusive Soundfestival in Hannover

Den Anstoß, so berichtete Jutta Liebetruth im Pressegespräch, hatte das „Hannoversche Inklusive Soundfestival“ gegeben, das sie Ende 2018 besucht hatte. Was die vielen verschiedenen Gruppen da in der Abschlussveranstaltung gemeinsam in der Marktkirche aufführten, zündete einen Funken, den die Sprecherin des Arbeitskreises Down Syndrom mit nach Verden zurückbrachte. Ruth Podlich, die bei der Stiftung Waldheim in Cluvenhagen eine Theatergruppe, einen inklusiven Chor und die Maskengruppe Mumpitz leitet, war ebenfalls in Hannover und kehrte ebenso begeistert zurück, sodass die beiden Frauen etwas Ähnliches auch in Verden auf die Beine stellen wollten.

Immer an inklusiven Angeboten interessiert

Eine Zusammenarbeit mit dem Tintenklecks lag nahe. Immerhin hatte der Verein mit Tanz macht Schule schon Ähnliches verwirklicht. Mit Margarete Meyer und Andreas Kahlert waren schnell engagierte Mitstreiter gefunden. Auch die Lebenshilfe im Landkreis Verden, genauer Marco Habisch vom Freizeitdienst und Oliver Geweke von den Offenen Hilfen, begann, an dem Projekt mitzutüfteln. „Wir sind immer an inklusiven Angeboten interessiert, in denen behinderte und nicht behinderte Menschen in Kontakt kommen“, erklärte Geweke. Und Margarete Meyer hatte bei den Tanz macht Schule-Projekten beobachtet, dass die Gruppen es nach dem Finale bedauerten, dass der Kontakt mit den anderen so begrenzt war. Das soll beim Störtebeker-Projekt anders werden. Die Begegnung und die Zusammenarbeit von Gruppen sollte mit ins Konzept. „Das ist, hoffentlich nach Corona, vielleicht auch für viele ein Bedürfnis.“

„Inzwischen ist aus der Idee ein konkretes Projekt geworden“, konnte Meyer jetzt verkünden. Im Sommer 2022, am 2. Juli, soll der Allerpark zur Bühne für ein großes Vorhaben unter freiem Himmel werden. „Etwa einhundert Menschen, die verschiedener nicht sein könnten, werden ein Spektakel zum Besten geben und mit Tanz, Schauspiel, Gesang und Musik zeigen, was in ihnen steckt“, erläuterte Margarete Meyer den Plan. Viel Spielraum für alle möglichen kreativen Gruppen und Grüppchen in der Stadt also.

Den in Verdens Traditionen präsenten Piraten Klaus Störtebeker wählte sich das Projektteam als Kristallisationspunkt ihrer Idee: „Als Gegenentwurf zur strengen Hierarchie der damaligen Ständegesellschaft weckten die Geschichten der Seefahrer, die alles untereinander gleichberechtigt teilten, Träume und Sehnsüchte. Diese Sagengestalt bietet auch heute noch viel Nährboden für kreative Ideen.“ Um die Legende, vor allem aber um den jungen Klaus Störtebeker soll sich das Projekt ranken. Eine Geschichte soll mit den verschiedensten Ausdrucksmitteln erzählt werden. „Was bewegt einen jungen Menschen, seine Heimat zu verlassen? Welche Konflikte gilt es dabei zu bewältigen? Was hätte der junge Störtebeker gedacht, wenn ihm sein erwachsenes Ich in einer Vision begegnet wäre?“ Das seien immer noch aktuelle Fragen.

Tanz- und Theaterpädagoginnen arbeiten an der Geschichte für die Produktion

An der Geschichte arbeiten die Tanz- und Theaterpädagoginnen Alexandra Benthin und Johanna Schlösser vom tanzwerk Bremen bereits. „Andreas Kahlerts Aufgabe wird es sein, die Gruppen, die sich beteiligen wollen, ins Projekt zu integrieren“, erklärte Meyer. Zum Anfang nächsten Jahres, so denkt das Team, werde die Probenarbeit beginnen. Bei einer Auftaktveranstaltung sollen sich alle Agierenden zum ersten Mal treffen. Später folgen Austauschtreffen und gegenseitige Besuche der Gruppen.

Auch die Produktion von Kulissen und Kostümen werde dann starten. Längst nicht alle, die mitmachen, werden nachher im Allerpark auf der Bühne stehen. „Trotz Anleitung arbeiten die Gruppen eigenverantwortlich und solidarisch. Denn alle tragen eine gemeinsame Verantwortung fürs Gelingen“, sagte Meyer.

Die Gruppenbeiträge werden dann kurz vor der Premiere zu einem großen Ganzen zusammengeführt. Dann dürfen alle Agierenden die Früchte ihrer Arbeit präsentieren. Und beim spektakulären Finale sind dann auch die Zuschauer eingeladen, bei Tanz und Gesang Teil des Geschehens zu werden. Alles werde in eine gemeinsame Feier münden.

Making-Off: Der Weg zum Finale auf Film und Foto für die Teilnehmenden

Diese Gemeinschaft soll filmisch und in einer Fotodokumentation eingefangen werden. Beides erhalten alle, die mitgemacht haben, als Dankeschön und Erinnerung.

Für ein Projekt dieser Größenordnung braucht es natürlich auch ausreichend finanzielle Mittel. Die Initiatorinnen hoffen daher auf Fördergelder von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, dem Fonds Soziokultur und der Aktion Mensch. Anträge werden derzeit gestellt. Auch auf Unterstützung der Stadt Verden und von privaten Förderern hoffen sie. Interessierte Sponsoren und wer Lust hat mitzumachen, kann sich an Andreas Kahlert vom Tintenklecks für weitere Infos wenden. Per E-Mail an a.kahlert@tintenklecks-verden.de oder telefonisch unter 04231/61444.  kle

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