Lätare-Spende in der Nicolaischule und in Seniorenheimen

Störtebeker geht neue Wege

Störtebeker, alias Gerd Maas, geht durch die Stuhlreihen des vierten Grundschuljahrgangs  in der Aula der Nicolaischule, damit alle sein Schwert bestaunen können. Brot und Schokoladenheringe stehen zur Verteilung bereit.
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Störtebekers Schwert hatte es den Piraten in der Nicolaischule besonders angetan. Viele Fragen drehten sich darum. Brot und Heringe warteten derweil auf Verteilung.

Die Lätare-Spende vor dem Verdener Rathaus musste zum zweiten Mal wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Stattdessen besuchte Störtebeker seine Freunde in der Nicolaischule und gab es besondere Fischgerichte in den Altenheimen der Stadt Verden.

  • Leckeren Fisch könnte es öfter geben
  • Störtebeker hat einen kurzen Arbeitstag
  • Brot und Schokolade für die Kinder

Es war sein einziger Auftritt am Tag der Lätare-Spende, die ihn normalerweise fast den ganzen Tag in Anspruch nimmt: Störtebeker, alias Gerd Maas, besuchte langjährige Freunde in der Nicolaischule. Brot und Heringe für die Bedürftigen der Stadt gab es coronabedingt zum zweiten Mal nicht. Der Rathausplatz blieb leer. Dafür wurden die Bewohner der Verdener Altenheime mit köstlichen Fischgerichten zur Mittagszeit verwöhnt.

Verden – Die vierten Klassen der Nicolaischule begleiten Störtebeker jedes Jahr als kleine Piraten auf den Rathausplatz und scheuchen die vielen Schaulustigen zur Seite, damit er hoch zu Ross den Weg zu den Pfeffersäcken auf den Rathausstufen findet. „Platz da für Störtebeker! Gottesfreund und Allerweltsfeind“, kündigen sie den Piraten lautstark an, der mit markigen Sprüchen die Ehrengäste und Bürgermeister Lutz Brockmann attackiert, um dann einen Humpen voll Bier in einem Zug zu leeren. So gewappnet geht es dann zur Verteilung von Brot und Heringen an die Bedürftigen der Stadt. Die gingen gestern aber leer aus, stattdessen hatte der letzte Jahrgang der Nicolaischule den Piraten exklusiv für sich. Zwei Kisten mit Brot und zwei Körbe mit silbrig glänzenden Heringen hatte er dabei, um sich bei den Schülerinnen und Schülern für ihre Treue zu bedanken. Die Heringe entpuppten sich für die Viertklässler schnell als durchaus essbar – sie waren aus Schokolade.

Bevor sie sich davon nehmen durften, durchleuchteten sie den schon allein von der Statur her imposanten Piraten. Wer sind deine Rekruten, bist du verheiratet, hast du Kinder?, lauteten die Fragen, aber schnell stand sein Schwert im Mittelpunkt. Ob es echt sei, man damit Menschen töten könne oder wie man damit kämpfe, das interessierte Mädchen und Jungen so sehr, dass sich Störtebeker entschied, alle kleinen Piraten einmal anfassen zu lassen. Danach wurden Hände und Schwert desinfiziert und Störtebeker verabschiedete sich wieder. Genau genommen war es nur der halbe Jahrgang, der Störtebeker in der Aula begrüßen durfte. Die andere Hälfte befand sich im Homeschooling. Für den ganzen Jahrgang fielen die Auftritte während der Lätare-Spende und dem anschließenden Heringsessen in der Stadthalle mit einen Bühnenauftritt nun schon zum zweiten Mal aus.

Viele Feuer weitergereicht

Wenn es bei einer Tradition um das Weitergeben des Feuers geht und nicht um die Anbetung der Asche, wie es der französische Philosoph und Politiker gesagt haben soll, dann wurden am Montag viele kleine Flämmchen weitergegeben. In den Seniorenheimen sorgte die legendäre Spende von Claus Störtebeker für die Beamten, den Klerus und die Armen der Stadt für einen Festtag in einer entbehrungsreichen Zeit.

Die Stadt Verden hatte mitgeholfen, das legendäre Vermächtnis des Freibeuters zu erfüllen und für jeden Bewohner in den Verdener Senioreneinrichtungen einen Obolus gegeben. So erhielten zwar nicht kirchliche Bedienstete und Beamte der Stadt, an die der Pirat neben den Bedürftigen gedacht haben soll, sondern wurden auch die 350 Senioren mit einem maritimen Essen verwöhnt. Matjesfilet nach Hausfrauenart mit Bratkartoffeln hatten die Küchen des St. Johannisheims und der K & S Seniorenresidenz gezaubert. Lachs in Weißweinsoße mit Bandnudeln und Spinat oder gebratene Stinte mit Bratkartoffeln konnten sich die Bewohner der Seniorenresidenz Am Burgberg auswählen. Atlantikzungenröllchen mit getrüffeltem Wirsing gab es im Caritasstift St. Josef und Schollenfilet Finkenwerder Art tischte das Cura Seniorencentrum auf.

„Das ist mal etwas, das aus der Reihe fällt“, freute sich der Küchenmeister der K&S-Residenz Marco Fernes, den Senioren die Pandemie etwas lebenswerter zu machen. Und damit es richtig zünftig wurde, hatte das Team nicht nur die Räume für die betagten Essensgäste dekoriert. Zum Matjes kredenzte der Küchenchef auch noch ein Bierchen und Ergotherapeutin Rosemarie Ruppelt unterhielt ihre Zuhörer mit Akkordeonmusik.

Die Abwechslung sei willkommen, bestätigte auch Einrichtungsleiterin Cristina Krieg. In dieser Zeit erhielten die Bewohner wenig Besuche und selbst Gruppenveranstaltungen lasse das strenge Sicherheitskonzept nicht zu.

Im Caritas-Stift hatte Rudolf Wilhelm Liebeherr die Unterhaltung der Essensgäste übernommen. Er war der Einladung von Leiterin Bianca Nellen-Brandt zu einem Unterhaltungsbeitrag gefolgt und hatte seine Zuhörer im Essenssaal über die Lätaretradition und das Vermächtnis des berühmten Seeräubers informiert. Hans und Christa Bremer allerdings kannten viele Details bereits. Die beiden Bewohner der Einrichtung hatten vor Jahren als Betreiber des Verdener Fischgeschäftes oftmals eigenhändig dafür gesorgt, dass die Heringsfässer zu Lätare auch in der Stadt ankamen.

Neue Tradition mit Fischessen

Rudolf Wilhelm Liebeherr unterhielt die Senioren im Caritasstift bevor Andrea Buchwald-Eggers und Sonja Arndt (v. l.) das Essen reichten.

In der Seniorenresidenz am Burgberg hatten sich die Bewohner für Lachs oder Stint entschieden „Viel Mühe hat sich das Team bei der Zubereitung in der Küche unter der Leitung von Birte Krebs gemacht“, berichtete Einrichtungsleiterin Ulla Jakob. Den Bewohnern habe das Fischessen sehr gut geschmeckt und alle hätten sich über die Lätare-Spende der Stadt Verden in dieser Zeit gefreut.

„Das Fischessen können wir gerne wiederholen“, meinten denn auch Margot Riemenschneider, die Heimbeiratsvorsitzende, und Ulla Jakob.

Auch in der Senioreneinrichtung St. Johannis könnte das Essen offenbar eine neue Tradition begründen. „Rund 100 Portionen Heringsfilet hat Torsten Landes mit seinem Team am Montag im St. Johannisheim zubereitet. Zu der Fischdelikatesse wurden ein hausgemachter Sahnedipp mit Äpfeln, Zwiebeln und Gurken sowie gold-gelbe Bratkartoffeln serviert“, berichtete der Leiter der Einrichtung an der Ritterstraße, Uwe Goldschmidt.

Klaus Störtebeker alias Patricia Pielhau sorgte im Cura-Seniorenzentrum für das Fischessen.

Der Freibeuter durfte natürlich auch im Wohnheim an der Hohen Leuchte nicht fehlen. Aber dennoch ging es dort etwas anders zu als sonst im Cura-Seniorenheim in Verden. „Die Bewohner haben sich mehrheitlich für Scholle Finkenwerder Art entschieden“, sagte Einrichtungsleiter Knuth Maier-Preuß. Und so mussten es auch für Klaus Störtebeker alias Patricia Pielhau nicht unbedingt Heringe zum Verzehr sein.

Von Erika Wennhold Und Ronald Klee

Das könnte man wiederholen: Margot Riemenschneider, Elsa Grefe und Gudrun Mußmann (v. l.) genossen am Burgberg ihre Fischessen.
Zum Fischessen in der K&S Seniorenresidenz gab es Akkordeonmusik und ein zünftiges Bier.
Heringsfilet mit Dipp hat Torsten Landes mit seinem Team im St. Johannisheim zubereitet.

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