Anita-Augspurg-Preisträgerin Efi Latsoudi zu Gast auf dem Verdener Campus

Stimme gegen Krieg und Vertreibung

Zwei Frauen mit Blumensträußen.
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Efi Latsoudi (l.) und Ahin Omar berichteten über ihre Erfahrungen.

Verden – „Jeder kann etwas tun, jeder kann seine Stimme gegen Krieg und Unterdrückung erheben“, sagt Efi Latsoudi. Die streitbare Frau ist die Trägerin des Anita-Augspurg-Preises und war gestern in Verden. Zugleich sprach sie vor Schülerinnen und Schülern der Campus-Schule.

Zum vierten Mal verleiht die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) gemeinsam mit der Stadt Verden den „Rebellinnen gegen den Krieg-Anita-Augspurg-Preis“ an eine Frau, die sich in ihrem Land oder ihrer Region für den Frieden einsetzt.

Preisträgerin berichtet von Menschenrechtsarbeit auf Lesbos

Preisträgerin Efi Latsoudi ist eine griechische Psychologin, die sich für die Rechte der Geflüchteten auf der Insel Lesbos einsetzt. Sie ist eine der Gründerinnen des offenen Flüchtlingslagers Pikpa sowie von Lesvos Solidarity und Mitglied des Refugee Support Aegean Teams, einer griechischen Organisation, die von Proasyl finanziert wird. Bevor sie abends im Dom ihren Preis in Empfang nahm, war sie zu Gast auf dem Verdener Campus, um den Schülern von ihrer Menschenrechtsarbeit auf Lesbos zu berichten.

Modellprojekt Camp Pikpa

„Vielleicht können auch Sie etwas ändern“, ermutigte Efi Latsoudi die Schülerinnen und Schüler gleich zu Beginn. Auch sie selbst habe überlegt, etwas zu tun, nachdem sie die schlimmen Zustände ihn den Flüchtlingscamps auf Lesbos gesehen habe. „Gemeinsam mit den Bewohnern von Lesbos habe ich das Camp Pikpa gegründet, das anders war als die anderen Flüchtlingscamps“, berichtete sie. Letsoudi bezeichnet Pikpa als ein „Modellprojekt für die Unterbringung von Asylsuchenden“. Das wichtigste Anliegen sei gewesen, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Hier fanden die Schwächsten Zuflucht: Familien mit Kindern, schwangere Frauen, Folteropfer, Menschen mit Behinderung oder schweren Krankheiten sowie Menschen, die auf der Flucht Familienangehörige verloren haben. Die Menschen konnten in richtigen Häusern leben, wurden medizinisch versorgt und bekamen psychologische Unterstützung. Stolz erzählte Efi Latsoudi auch von dem Waldkindergarten, in dem Kinder von Lesbos und Flüchtlingskinder gemeinsam lernten und spielten. Nach dem großen Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos beschloss die griechische Regierung, alle alternativen Camps zu schließen. Auch für Pikpa bedeutete es das Ende. Warum die Geflüchteten unter so schlechten Bedingungen leben müssten, lautete eine Frage an die Preisträgerin. „Die EU-Politiker und die griechische Regierung glauben, dass die Menschen dann nicht kommen würden“, antwortete Latsoudi. „Sie haben aber gar keine andere Wahl als die Flucht.“

Verweildauer in Camps als schwierige Frage

Die Frage nach der Verweildauer in den Camps bezeichnete sie als die „schwierigste Frage überhaupt“. Faktoren wie Nationalität und persönliche Bedingungen spielten eine Rolle. So reiche die Aufenthaltsdauer von zwei Tagen bis zu drei Jahren. Nicht zu wissen, wie es weitergeht mache die Leute verrückt, so Latsoudi. Doch auch für die Helferinnen und Helfer sei die Situation belastend, alle hätten so etwas wie Burnout und bekämen Supervision. Abschließend appellierte sie an die Schülerinnen und Schüler selbst etwas zu tun. „Wir alle können unsere Stimme erheben.“

Erfahrungsbericht ehemaliger Schülerin

Anschließend berichtete die ehemalige Schülerin Ahin Omar (23), die 2011 aus Syrien nach Deutschland kam, von ihren Erfahrungen. „Mit 13 in ein anderes Land zu kommen, ohne die Sprache zu können, war ein Schock“, sagte sie. In Thüringen, wo sie mit ihrer Familie zuerst wohnte, habe sie kaum Hilfe erhalten und hätte Ausländerfeindlichkeit zu spüren bekommen.

In Verden die Realschule besucht

Damals hätte sie nicht die Motivation gehabt, Deutsch zu lernen, erzählte sie. Erst als sie nach Verden kam, die Realschule besuchte und Unterstützung aus der Klasse erfuhr, wurde es besser.

Bedeutung gegenseitiger Hilfe

Heute hat Ahin Omar nicht nur ihr Fachabitur in der Tasche, sondern auch ihre Ausbildung zur Steuerfachangestellten erfolgreich abgeschlossen. „Es ist so wichtig, sich gegenseitig zu helfen“, weiß sie aus eigener Erfahrung.  

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