Steuerquellen sprudeln auch im Landkreis Verden / 184 Mitarbeiter im Finanzamt / 50 Selbstanzeigen

Jetzt knapp an der 600-Millionen-Grenze

Amtsvorstand: Carsten Fleisch (l.) und Christof Steil.
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Amtsvorstand: Carsten Fleisch (l.) und Christof Steil.

Landkreis - Von Volkmar Koy. Wenn alle auf dieser Welt stöhnen über finanzielle Engpässe, einer derzeit auf keinen Fall: der Vorsteher des Verdener Finanzamtes. Die Behörde, deren Wirkungskreis mit den Grenzen des Landkreises Verden identisch ist, kann über weitere Rekordeinnahmen berichten. Christof Steil und sein Stellvertreter Carsten Fleisch informierten gestern die Presse über die neuen, mehr als eindrucksvollen Zahlen.

Waren es am Ende des Jahres 2013 noch gut 500 Millionen Euro an Einnahmen, so kratzte die Spitze in dem entsprechenden Diagramm zwölf Monate später an der 600-Millionen-Grenze. „Die eine Hälfte geht nach Hannover, die andere nach Berlin“, sagte Steil im Nachgang, „uns selbst bleibt davon nichts.“ Täglich würden zwei bis drei Millionen Euro überwiesen, so der Vorsteher.

Speziell die Umsatz- und die Lohnsteuer hätten weitere Marken geknackt. Das eine sei laut Steil ein Indiz für den steigenden Umsatz im Einzelhandel, das andere habe seinen Grund in den guten Zahlen des Arbeitsmarktes.

Die fünf tragenden Einnahmesäulen beim Verdener Finanzamt (von unten): Lohnsteuer, Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer, Umsatzsteuer und die sonstigen Steuern.

Die derzeit 184 Mitarbeiter des Amtes haben 27500 Arbeitnehmer zu betreuen, 15800 Gewerbetreibende, 1800 Körperschaften (GmbHs, aber auch Vereine), 2700 Personengesellschaften (OHG, KG, GbR, GmbH & Co KG) sowie 58000 wirtschaftliche Einheiten (zu bewertende Grundstücke). Auf einen Vollzeitmitarbeiter des Finanzamtes entfallen rund 900 Einwohner. Über Nachwuchsmangel braucht sich das Verdener Amt nicht zu beschweren. Zum 1. August 2015 sind die acht Ausbildungsplätze (fünf im mittleren Dienst, drei im gehobenen) bereits vergeben.

Die gesamte Verwaltung der Kraftfahrzeugsteuer hat mittlerweile der Bund übernommen. Steil: „Dafür sind wir schlicht nicht mehr zuständig.“ Auskunftssuchende müssen sich an die Zollverwaltung wenden.

Das bekannte Thema Selbstanzeigen hat auch die hiesigen Finanzbeamten beschäftigt. Im Jahr 2014 seien rund 50 Selbstanzeigen eingegangen, davon allein 23 im letzten Quartal. Nach Schätzungen von Steil seien dadurch noch einmal rund 800000 Euro in die Finanzkasse gespült worden.

Wer seine Steuererklärung über das elektronische System Elster abgibt, könne mit einer bevorzugten Behandlung rechnen, sagten die beiden Finanzexperten. Bei der Einkommenssteuer müsse derzeit mit einer Bearbeitungszeit von vier bis fünf Wochen gerechnet werden. Zum Jahresende könne es etwas länger bei der Menge der zu erwartenden Anträge dauern.

Besitzer von Neubauten müssen nach wie vor mit im Einzelfall hohen Nachzahlungen rechnen. Das liege an Vermessungsproblemen der Katasterverwaltung. Neuvermessungen hätten zu einer nicht unerheblichen Zahl von Grundsteuerbescheiden geführt.

„Ohne Computer können wir natürlich gar nichts machen“, betonte Steil, um gleichzeitig einzuräumen, dass das Einspielen einer neuen EDV bereits zu drei Ausfalltagen geführt habe. Was wiederum mit dem Rechenzentrum, das inzwischen in Rostock angesiedelt sei, zu tun habe.

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