Außergewöhnlicher Konzertabend begeistert Publikum im Verdener Dom

Sternstunde geistlicher Musik

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Streicher und Chor zogen die Zuhörer im rötlich erleuchteten Dom in ihren Bann und lieferten erinnerungswürdige Unterhaltung auf höchstem Niveau. 

Verden - In diesem Jahr stehen die Konzerte der Niedersächsischen Musiktage unter dem Motto „Raum und Klang“. Am Montag fand ein Konzert der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Stiftung der Kreissparkasse Verden in Verbindung mit der Domgemeinde im Dom statt.

Zu Gast waren die Streicher des Osnabrücker Symphonieorchesters, das ChorWerk Ruhr und der Pianist Sebastian Breuig. Im stimmungsvoll erleuchteten Dom konnten die zahlreichen Gäste einen außergewöhnlichen Konzertabend erleben.

Da ist dieser vorzügliche Chor mit jungen Sängerinnen und Sängern, die so intensiv geschult sind, dass das Ensemble eine homogene Einheit bildet. Der Klang ist edel, warm, dicht, die Stimmen sind makellos geführt, die Soprane singen bis in die extremen Höhen bruchlos rein, die Altstimmen sind intensiv füllig, ebenso die Tenöre und Bässe. Alles ist auf einander abgestimmt, gesungen wird wie mit einer Stimme. Die Streicher des Symphonieorchesters musizieren ebenso homogen und fein austariert. Geleitet wurde das Konzert von dem international renommierten Paul Hillier, unter anderem Gründer und Leiter des bekannten „Hilliard Ensembles“, dessen Handschrift deutlich zu hören war. Seine Kompositionen sind ungemein dicht und farbig, meist eine große Ruhe ausstrahlend.

Der von Sebastian Breuing gespielte Flügel war mit kräftigen Schrauben verziert worden, die dicht zwischen etliche Saiten gesteckt worden waren. Der Klang wurde dadurch gewollt unsauber mit Dissonanzen und ergab so eine diffuse Klangmischung, die der Pianist sehr sensibel beisteuerte. Das Tonband wurde von einer Dame ebenso einfühlend eingesetzt, es gab dadurch ein dunkles, lang liegendes Grummeln, wie wehende Klänge einer Äolsharfe. Dazu hatten die Streicher lange Linien und auch tiefe Klänge in den Celli und Kontrabässen, die Herren begannen das „Te Deum“ wie einen gregorianischen Gesang, ungemein dicht und ausdrucksstark. Der Chor stand dreigeteilt auf den Podesten und vollzog durch das wechselseitige Singen und Spielen eine Art Gottesdienst. Da stimmte alles: die Aussage, der Klang, das intensive Psalmodieren dieses großartigen Chores, es gab immer wieder Höhepunkte und Wiederholungen des bekannten Textes, Lobgesang, Gebet und Glaubensbekenntnis.

Donnernder Applaus

Das „Rex Gloria“ glich einer Verkündigung, das „Sanctus“ war innig intensiv. Mit dem ins Unermessliche gesteigerten „In te Domine speravi“ und einem gewaltigen Amen endete das bewegende Werk unter einem donnernden Applaus für die Ausführenden und ihren inspirierend dirigierenden Leiter.

Im zweiten Teil wurde das Motto „Raum und Klang“ besonders deutlich. Venezianische Mehrchörigkeit in alten und neuen Werken beeindruckten zutiefst. So verteilten sich die Chormitglieder im gesamten Kirchenschiff zu der vierzigstimmigen Motette „Spem in Alium“, dem „Ich habe niemals meine Hoffnung in irgendeinen anderen als Dich gelegt, Gott Israels“ von Thomas Tallis. Paul Hillier stand in der Mitte des Ganges und leitete den Chor einfühlsam dicht.

Wenn die Soprane wie aus dem Himmel schwebend daherkamen, wurde es überirdisch schön. Ein Streichquartett des Orchesters musizierte vom Altar aus, aus dem „Musikalischen Opfer“ von Johann Sebastian Bach den „Canon perpetuus“ in metrischer Strenge, aber klanglich kantabel, es folgte das sechzehnstimmige „Lux aeterna“ von György Ligeti aus dem Hochchor, wunderbar dicht gesungen. Aus dem Mittelgang gab es im Anschluss das „Ricercar á 6“ in einer tiefen Streicherfassung, welches transparent und dabei auch mit der erforderlichen Bachschen Strenge musiziert wurde.

Beschlossen wurde das Konzert mit dem eindringlichen „Dona nobis pacem“ des Esten Peteris Vasks. Wann erlebt man wohl sonst einen so inbrünstigen Aufschrei der Bitte um Frieden, in unserer so unfriedlich gewordenen Welt? Das Orchester begann ganz homogen tief in großer Ruhe und entwickelte den Klang aufsteigend höher. Die Tenöre und Bässe setzten im bewegenden Unisono mit dem „Dona nobis“ ein, die Soprane und Altstimmen hielten dazu lange Töne auf einer ganz geraden Linie ohne jedes Vibrato, fugierte Einsätze der verschiedenen Stimmen betonten hymnisch aufsteigend die Bitte um Frieden. Dieses intensiven Flehen war, Aufschrei, Beten und Innehalten aufeinmal.

Am Ende hielt auch der Dirigent inne, ehe ein nicht enden wollender Beifall anschwoll. Eine Sternstunde der geistlichen Musik, die nachwirkt. iw

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