Offiziell und virtuell: Förderbescheid für Renaturierungsprojekt übergeben

Startschuss für die AllerVielfalt

Der Startschuss für die AllerVielfalt ist gefallen. Mit dem Bescheid über eine Fördersumme von 5,1 Millionen Euro ist der Anfang für die erst, bis 2025 laufende Projektphase der Renaturierung der Aller im Landkreis Verden gemacht. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz überreichte den Bescheid in der Verdener Niedersachsenhalle virtuell in einer Videoschalte.

Virtuelle Übergabe des Förderbescheids durch BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm (oben im Bild) mit Rocco Buchta, Ingelore Hering und Peter Bohlmann (v.l.).

Verden – Der symbolische, dafür aber übergroße Scheck bei einer Übergabe ist mittlerweile schon zum Standard geworden. Die 5 136 675 Euro vom Bundesamt für Naturschutz (BFN), mit dem die Berliner Behörde das Projekt AllerVielfalt in seiner ersten Projektphase bis 2025 ausstattet, überreichte BFN-Präsidentin Sabine Riewenherm, am Donnerstag digital.

Das war auch für sie ein Novum. Riewenherm war über eine Konferenzschaltung der Veranstaltung in der Niedersachsenhalle zugeschaltet. Mit dieser virtuellen Übergabe des Förderbescheides gab die Präsidentin den Projektpartnern, Nabu, Landkreis Verden und Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt (WSA) zugleich den Startschuss für die erste aktive Projektphase zur Renaturierung der Aller.

„Auen sind einer der artenreichsten, aber auch gefährdetsten Lebensräume Deutschlands“, machte Riewenherm über den Bildschirm von der Hauptstadt aus deutlich. Deshalb sei das Projekt AllerVielfalt für das Bundesamt von so großer Bedeutung. Gewässer- und Auenrenaturierungen, wie sie für die 30 Flusskilometer der Aller im Verdener Kreisgebiet jetzt angegangen werden sollen, könnten zudem einen natürlichen Hochwasserschutz bieten und die Wasserqualität verbessern.

Bund verspricht verlässlicher Partner zu sein

Gerade in dem Vorhaben, das im Konsens mit unterschiedlichen Interessenslagen von Landwirtschaft, Angelverbänden, Naturschutz und Freizeitnutzung umgesetzt werden soll, sah die Präsidentin ein herausragendes Beispiel. Das sei ein gelungenes Projekt für die Förderung im Rahmen des Auen-Programms des Bundesumweltministeriums. „Dabei wird der Bund den Akteuren vor Ort langfristig als verlässlicher Partner zur Seite stehen“, sagte sie zu.

Das vom Nabu initiierte Vorhaben mit einer Laufzeit von zehn Jahren soll in der Allerniederung auf einer Fläche von 2 350 Hektar naturnahe Strukturen schaffen. Flutrinnen, Kleingewässer und Alt-Arme wie die „Alte Aller“ sollen wieder angebunden und Deiche rückverlegt werden.

Die Umsetzung von Maßnahmen im Fluss selbst liegt in der Hand des örtlichen Wasser- und Schiffahrtsamtes Weser, Maßnahmen in der Aue werden von Nabu und Landkreis Verden durchgeführt.

Projektleitung hat Thomas Arkenau

Die Projektleitung soll Thomas Arkenau, Leiter der Abteilung Naturschutz in der Kreisverwaltung, übernehmen. Für das operative Geschäft mit der fachlichen Betreuung von Maßnahmen wird ein Nabu-Projektbüro im Verdener Ökozentrum eingerichtet. „Wir werden da mit zweieinhalb Stellen arbeiten“, erklärte Silke Bischoff, die sich als Nabu-Mitglied seit Jahren sehr für das Projekt eingesetzt hat. So nebenbei, erfuhr die Fachfrau während der offiziellen Reden, dass sie als Ökologin künftig ihren Schreibtisch in dem Verdener Projektbüro haben wird.

Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, der ebenfalls aus Berlin zugeschaltet war, schrieb dem Vorhaben eine nationale Bedeutung zu. „Mit dem Projekt AllerVielfalt haben wir die Chance, an einer weiteren Bundeswasserstraße Naturschutzmaßnahmen umzusetzen und so die Biodiversität in der Allerniederung nachhaltig zu stärken. Hier fließen unsere langjährigen Erfahrungen aus dem Havel-Projekt – Europas größtem Flussrenaturierungsvorhaben – mit ein“, sagte Miller.

Havel-Kaiser Rrocco Buchta

Das vielbeachtete Projekt nahe der Verdener Partnerstadt Havelberg ist eine Art Vorbild für das Vorhaben an der Aller. So wurde denn auch dessen Leiter Dr. Rocco Buchta, der auch das Verdener Projekt schon lange begleitet, in Millers monarchistischer Beschreibung zum „Havel-Kaiser“. Der gratulierte zum Start und bescheinigte aus eigener Erfahrung: „Sie haben die besten Partner, die man sich wünschen kann.“

Thomas Arkenau, so sagte Buchta, sehe er als Integrationsfigur für das Vorhaben. In der Niedersachsenhalle hatte der Verdener denn auch schon einmal die Moderation übernommen und Leif Miller verlieh ihm auch gleich mal den Titel Aller-König.

Erfahrungen in der Renaturierung der Wümme-Niederung

Das Projekt, mit dem sich der Leiter der Naturschutzabteilung der Kreisverwaltung das Renommée erworben hatte, das ihm jetzt die Projektleitung beschert hat, war die Renaturierung des Wümme-Deltas gewesen. Daran erinnerte Landrat Peter Bohlmann und verwies damit auf den im Landkreis bereits vorhandenen Erfahrungsschatz. „Knapp 20 Jahre nach dem Abschluss des Naturschutzprojektes Fischerhuder Wümmeniederung ergreift der Landkreis mit dem Projekt AllerVielfalt das zweite Mal die Chance einer national bedeutenden Renaturierung einer seiner Flussläufe.“

Der Landkreis habe hier gerne eine Vorreiterrolle für Umwelt- und Klimaschutz übernommen. Das galt schon bei der Unterschutzstellung, setze sich aber auch fort, indem die Chance für ein Management beim Hochwasserschutz und bei der Kooperation mit der Landwirtschaft genutzt werde.

Die ökologische Bedeutung der Aller

Dass in Verden nur der Anfang für die Renaturierung des gesamten Flusslaufs der Aller in Angriff genommen wird, hoffte Ingelore Hering, als Abteilungsleiterin des Niedersächsischen Umweltministeriums. „Die Aller hat heute keine verkehrliche Bedeutung mehr, aber eine ökologische“, erklärte sie das Interesse des Landes. Und das habe dazu geführt, dass aus Hannover ein Anteil von einer Million Euro an der Fördersumme kommt.

Unterstützt wird das Projekt auch aus der Wirtschaft. „Es hat mich sofort überzeugt“, sagte Lars Henner Santelmann, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Financial Services AG. Bereits 2020 hatte das Unternehmen 450 000 Euro für das Projekt an den Nabu Bundesverband gespendet.

Von Ronald Klee

Rubriklistenbild: © von Brill

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