Tropfen auf den heißen Stein

Trockenheit trotz Regen: Grundwasser-Pegel bleibt niedrig

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Passieren verboten: Erstmals nach längerer Zeit kehrten die Hochwasser-Schilder unterhalb des Verdener Burgberges zurück.

Um ganze anderthalb Meter ist die Weser seit vergangenem Sonntag gestiegen, die Aller immerhin um fast einen Meter – die Regenfälle verursachen ein seltener gewordenes Schauspiel an den Flüssen der Region. Erstmals kommt es wieder zu Überschwemmungen. Allerdings wirkt der trockene Sommer 2018 immer noch nach.

Verden – Vor einigen Jahren lösten nasse Füße noch Sorgen aus, jetzt beruhigen sie eher. Bauhofmitarbeiter haben auf dem Alleruferweg in Verden die Hochwasser-Schilder aufgestellt. „Das zeigt, zumindest in Flussnähe beginnen sich die Wasser-Reservoire wieder aufzufüllen“, sagt Silke Brünn vom Fachdienst Wasser- und Naturschutz des Landkreises Verden. Für eine Entwarnung sei es allerdings noch zu früh. „Höhere Geestlagen leiden noch unter der Trockenheit.“ Und mit einer generellen Normalisierung sei zumindest in nächster Zeit nicht zu rechnen. „Die Schneeschmelze, die sonst mächtige Wassermengen nach sich zieht, sie fällt in diesem Jahr aus.“

Die Aller breitet sich inzwischen bis zum Eitzer Knie auf hundert und mehr Meter aus. Und einiges ist noch zu erwarten. Während die Pegel der Wümme bereits laut Hochwasser-Vorhersage des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft in Hildesheim ihre Höchststände erreicht haben, wird der Scheitel der Aller erst am kommenden Wochenende erwartet. Schon gestern näherte sich der Pegel der zweithöchsten Warnstufe.

Region Verden: Starkes Hochwasser nach Trockenheit im Sommer

An der Messstelle Eitze stand das Wasser knapp unter der Fünf-Meter-Marke. Von den Rekordwerten früherer Jahre ist er jedoch noch deutlich entfernt. Vor 17 Jahren wurden 6,51 Meter erreicht. Die Weser legte in Dörverden um anderthalb auf knapp sechs Meter zu. Am Dienstag sanken die Werte bereits wieder, aber aus Richtung Hannoversch-Münden schwappt bereits eine nächste Welle der Region heran. Bis zum Erreichen einer ersten Warnstufe fehlen noch knapp 50 Zentimeter.

Derweil beginnen sich die Grundwasser-Reservoire allmählich zu erholen. Im trockenen Sommer 2018 verkümmerten erste Wasserläufe zu Rinnsalen. Als dann auch noch das ebenfalls nicht gerade regenreiche vergangenen Jahr folgte, entwickelten sich einst wasserführenden Flussbetten zu Staubwüsten. Eine ganze Reihe kleinerer Bäche in der Region fiel trocken und löste Alarmzustände aus.

Nasse Füße am Ende des Pfades: Der Alleruferweg steht inzwischen unter Wasser.

Nach den Sturzbächen der vergangenen Tage kehrt verhaltener Optimismus ein, sehr verhaltener. „Noch ist es der Tropfen auf den heißen Stein“, sagt ein Wetterbeobachter. Das bestätigt man auch andernorts. „Die Oberflächengewässer konnten sich inzwischen erholen“, sagt Hilke Heppelmann von der Hochwasser-Vorhersage in Hildesheim, in deren Zuständigkeitsbereich Aller und Weser fallen.

Ob das auch für die Grundwasser-Stände gelte, müsse abgewartet werden. „Diese Reservoirs brauchen Zeit. Ein verregnetes Wochenende kann da noch nicht viel ausrichten.“ Ähnlich wird die Lage von der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden bewertet. Silke Brünn: „Alles noch eine Momentaufnahme.“

Verden: Grundwasser-Pegel steigt trotz Hochwasser nur langsam

Ob die Grundwasser-Kapriolen der vergangenen Monate bereits als Hinweis auf den einsetzenden Klimawandel zu betrachten sind, bleibt zunächst noch unklar. Die ganze Problematik stellt Thomas Arkenau am Beispiel eines Brunnens in Fischerhude dar. „In den vergangenen Jahren führte der Brunnen einen Wasserspiegel mit nahezu immer gleicher Höhe, egal ob die Jahre als trocken oder regenreich in die Wetterstatistik eingingen“, sagt der Gewässerschützer aus der Kreisverwaltung.

Erst im Zuge der extrem trockenen Jahre 2018 und 2019 sei der Wasserspiegel auffällig gesunken. „Daraus jetzt eine generelle Entwicklung abzuleiten, wäre wohl noch verfrüht“, glaubt er. Beobachten werde man es aber sehr genau.

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