Auf den letzten Drücker 50 000 Euro bereitgestellt

Klammheimlich Stadtmarketing-Gesellschaft

Wuchernder Acker neben Fachwerkhaus.
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Nach dem Abriss einer Lagerhalle eine inzwischen überwucherte Fläche an prominenter Stelle neben dem Domherrenhaus: Eine Stadtmarketing-GmbH könnte daraus eine Kombi aus Parkplatz und Junges Wohnen entwickeln, heißt es aus der SPD.

50000 Euro plant die Stadt Verden für eine neue Stadtmarketing-Gesellschaft ein. Sie soll relativ rasch auf Vorgänge etwa in der Innenstadt reagieren.

Verden – Was wird aus dem Kappel-Karree am Nordertor? Wie vermarktet sich die Stadt Verden effizient? Wo sind Wohnungen für junge Leute zu bauen? Welche Flächen lassen sich zu Gewerbegebieten entwickeln? Und das alles am besten auf die Schnelle. So oder so ähnlich stellt sich Verdens Politik die neueste Errungenschaft vor, die jetzt auf den letzten Drücker Eingang in den Haushalt 2022 gefunden hat.

Eine Stadtentwicklungs-Gesellschaft, vielleicht auch eine Stadtmarketing-Gesellschaft, auf jeden Fall aber eine Gesellschaft, eine GmbH, die frei handeln kann, ähnlich den Stadtwerken etwa oder der Abwasserwirtschaft. Eine Institution, deren Anteile zwar die Stadt hält, die aber nicht in die Verwaltung eingebunden ist. „Die Stadt Verden steht wirtschaftlich erstklassig da. Das soll auch so bleiben. Mit einer solchen Gesellschaft können wir dazu beitragen, die Position auf Dauer zu sichern“, sagt etwa Lars Brennecke (CDU). „Wir wollen das Thema auf jeden Fall anschieben“, bestätigt Carsten Hauschild (SPD).

Eine eierlegende Wollmilchsau allerdings, die eher klammheimlich aus der Taufe gehoben wurde. Am Rande des Stadtentwicklungs-Ausschusses war es im November, als das Thema kurz ans Licht kam. Sehr kurz von Vertretern aller Ratsfraktionen beleuchtet, deren wichtige Bedeutung unterstrichen, ehe es wieder in der Schublade verschwand. Auch in der Haushaltsdebatte im Stadtrat tauchte es nicht wieder auf. Aber es ist da. 50 000 Euro lässt sich die Stadt den Startschuss kosten. Das bestätigten mehrere Seiten.

Noch indes bleibt vieles im Nebel. „Mit dem Betrag soll zunächst mal ein Zuschnitt für diese Gesellschaft entwickelt werden“, sagt Brennecke. „Das exakte Aufgabenportfolio ist erst noch zu definieren“, meint auch Hauschild. Genaugenommen sei der freigegebene Betrag für Beraterhonorare gedacht. Die daraus resultierende Gesellschaft, sollte sie am Ende aus der Taufe gehoben werde, arbeite idealerweise kostendeckend.

Noch gehen die Meinungen der Fraktionen weit auseinander. Hauschild nennt ein praktisches Beispiel für die Vorstellungen der SPD: „Die freie Fläche hinter dem Domherrenhaus in der Nähe des Spielplatzes. Hier könnte eine Kombination im Erdgeschoss mit Parkraumbewirtschaftung, in oberen Etagen mit bezahlbarem Wohnraum für junge Leute entstehen. Beides mit Einnahmen, die die Investition refinanzieren.“ Auch eine Nachfolge des abgängigen Parkhauses an der Brückstraße sei eine mögliche Aufgabe für eine Marketing-Gesellschaft. Die Belebung der Innenstadt sei ein nächstes Thema. „Für die Stadtverwaltung eine komplexe Angelegenheit, für eine GmbH ein Bereich, der mit wenig Personal extern vergeben und umgesetzt werden könnte.“

So weit will Brennecke noch gar nicht gehen. „Ob die Nutzung städtischer Gebäude, die Entwicklung ganzer Quartiere, die Konzepte beispielsweise für Gebäude-Ensembles wie das Kappel-Karree, der Tourismus, die Vermarktung der Stadt, die Präsentation auf überregionalen Messen, ein digitaler Marktplatz, die Entwicklung von Gewerbegebieten, die Suche nach attraktiven Branchen, die womöglich noch nicht in Verden ansässig sind – an Themen für eine solche Gesellschaft mangelt es nicht“, so der Christdemokrat. Die Frage sei eben nur, was sinnvoll sei, und was besser in der Verwaltung verbleibe, und wie wer unterstützt werden könnte – darauf erhoffe er Antworten in den kommenden zwölf Monaten.

Auf einen ganz handfesten Anlass für die Gründung einer Entwicklungs-Gesellschaft verweisen beide Politiker. „In den vergangenen Jahren hat die Stadt Verden stark investiert, sehr stark. Die teils beträchtlichen Summen sind finanziert, die Schulden abgebaut, aber die Abschreibungen schlagen jedes Jahr auf das Haushaltsergebnis nieder, jedes Jahr stärker.“ Auch 2022 stammt ein Großteil des Minus aus eben diesen Absetzungen für Abnutzung. Wäre jetzt ein Teil der Investitionen ausgegliedert in eine Gesellschaft, schlügen sie nicht aufs städtische Haushaltsergebnis durch. „Zurzeit noch wird uns jeder Jahresabschluss versemmelt.“ Für das kommende Jahr wird sogar ein Haushaltsloch von rekordverdächtigen zwöf Millionen Euro erwartet.

Führt seit Jahren ein Mauerblümchen-Dasein: Das sogenannte Kappel-Karree am Nordertor. „Ein Fall für eine Entwicklungsagentur“, heißt es aus der CDU.

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