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Stadtkante: Hotel auf der Zielgeraden

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Von: Heinrich Kracke

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Noch stehen auf der Syndikatsstraße Autos. Aber dabei soll es nicht bleiben. Die Gasse soll sich im Millionenprojekt Stadtkante fortsetzen, sie soll sich an die Reste der alten Stadtmauer (r.) schmiegen, während die Brache vor dem Syndikatshof (l) zum Kräutergarten umfunktioniert wird.
Noch stehen auf der Syndikatsstraße Autos. Aber dabei soll es nicht bleiben. Die Gasse soll sich im Millionenprojekt Stadtkante fortsetzen, sie soll sich an die Reste der alten Stadtmauer (r.) schmiegen, während die Brache vor dem Syndikatshof (l) zum Kräutergarten umfunktioniert wird. © Kracke

Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpen heizen ein ganzes Quartier, Autos verschwinden unter der Erde, Luftschneisen sorgen im Sommer für Kühle, fünf Innenhöfe machen das Leben angenehm: Die neue Stadtkante wird von Verdens Politik als Klimaschutz-Leuchtturmprojekt bezeichnet.

Verden – Irgendwo klangen sie doch noch an, die mahnenden Worte. Als Verdens Politik im Stadtrat das Leuchtturm-Projekt „Stadtkante“ auf den Weg brachte, mit Lobeshymnen einstimmig planerisch auf den Weg brachte, da fehlte er immerhin nicht. Der behutsam erhobene Zeigefinger. „Ein wunderschönes Konzept“, befand etwa Lars Brennecke (CDU), „aber es ist noch nicht umgesetzt.

Da kommt noch einiges auf uns zu.“ Tatsächlich ist es dem Investor gelungen, innerhalb kürzester Zeit für den Großteil seines kommenden Gebäudevolumens Mieter zu finden oder zumindest eine nachvollziehbare Vermarktung zu entwickeln, aber eines ist noch unklar, jener Bestandteil, der vorher als der unsicherste galt, einer, an dem vieles hängt. An dem Hotel.

Mag sein, dass es vermessen wäre, nur fünf Monate nach dem Jury-Entscheid und damit den Startschuss schon für alles vertraglich bestätigte Lösungen zu präsentieren. Bürgermeister Lutz Brockmann jedenfalls bewertete die Fortschritte seit der Präsentation des Siegerentwurfs Mitte September als „erstaunlich schnell und zügig.“ Der Investor indes selbst hat klare Ziele vor Augen, wie er auf Nachfrage erklärt. „Zurzeit befinden wir uns in Abstimmungsgesprächen mit dem Hotel-Interessenten bezüglich architektonischer Detailfragen“, sagt Ingo Damaschke von der Asset Verden Grundbesitz GmbH in Bremen. Verliefen die Verhandlungen erfolgreich, wofür einiges spreche, dann gehe er davon aus, schon in den nächsten Wochen Vollzug melden zu können. Man befinde sich auf der Zielgeraden.

Wie berichtet galt das Hotel schon beim Start des städtebaulichen Wettbewerbs vor einem Jahr als Wackelkandidat. Die Stadtverwaltung signalisierte möglichen Teilnehmern des Contests, man könne zumindest vorübergehend auch mit einer Zwischenlösung leben, einer simplen Zimmer-Vermietung zum Beispiel. Auch Damaschke berichtete von Skepsis, die ihn anfangs beschlichen habe. Deshalb hatte er gleich nach dem Wettbewerbs-Erfolg ein Gutachten in Auftrag gegeben, die Erfolgsaussichten eines Hotels an diesem Platz auszuloten. Ergebnis, so der Investor: „Der Bedarf ist tatsächlich da.“ Gedacht sei jetzt an ein Haus mit 70 Zimmern.

Verdens Politik nahm den bisherigen Verlauf des Projektes in der Stadtratssitzung am Dienstag mit Begeisterung quer durch die Fraktionen und die Verwaltungsspitze zur Kenntnis. „Alle Detailvorschläge der Jury sind in die Planungen eingeflossen“, stellte etwa Brockmann fest. „Die Giebel wurden variabler gestaltet, die Fahrrad-Abstellanlage ist perfekt integriert, die Gasse, die durch das Gebäudeensemble führt, dürfte künftig mit mehr Leben erfüllt sein.“ Auch CDU-Fraktionschef Jens Richter bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem Investor als „sehr positiv“. Das habe er bei früheren Ausschreibungen anders erlebt.

„Die Gespräche mit den Architekten und dem Investor verliefen mit großer Wertschätzung“, sagte SPD-Fraktionschef Carsten Hauschild. Das Areal müsse nun schnell weiterentwickelt werden. Hauschild: „Das zeigt, wir sind in den vergangenen Jahren den richtigen Weg gegangen.“

Die Bündnisgrünen würdigten die Stadtkante als beispielhaftes Zukunftsprojekt. „Erstmals ist ein Klimapaket allumfassend umgesetzt“, sagte etwa Johanna König: „Photovoltaik auf allen möglichen Dächern, dann Wärmepumpen, die ein ganzes Quartier versorgen, das hat es in Verden so noch nicht gegeben.“ Die große Parkgarage im Tiefgeschoss garantiere, dass „der Platz den Menschen gehört und nicht den Autos.“ Das Konzept passe zur Aller, die Wohnhöfe schüfen ein perfektes Umfeld für die Menschen, die dort künftig leben.

Henning Wittboldt-Müller (FDP) schlug den ganz großen Bogen. „Die Betonfassade der ehemaligen Kaufhalle mag in den 70er-Jahren als schön empfunden sein, sie hat aber nie Liebhaber gewonnen. Sie galt zuletzt als hässlich.“ Er habe in der Nachfolge auch mit reiner Wohnbebauung leben können, allerdings stehe die Stadt in der Verantwortung, einen großen Lebensmittler für die Innenstadt vorzuhalten. „Jetzt haben Supermarkt und verstecktes Parken in Funktion und Ästhetik sehr schön zusammengefunden, das ist eine echte Verbesserung.“ Die Wohnungen rundeten das Projekt ideal ab, worauf Michael Otten (SPD) verwies: „Erstaunlich, dass sich 7000 Quadratmeter Wohnraum mitten in der Stadt erschließen.“

Selbst jene, die sich mit der Stadtkante bisher überhaupt nicht anfreunden konnten, reagierten plötzlich bekehrt. „Ich habe es als Luftschloss bezeichnet, der vorherige Wettbewerbssieger hätte auch nicht zu Verden gepasst“, sagte Kai Rosebrock (Freie Wähler), „aber die jetzige Architektur mit ihrer Kleinteiligkeit, sie hat mich überzeugt.“

Nach einstimmigem Beschluss durch den Stadtrat geht das Projekt jetzt durch die Instanzen einer Bauleitplanung. Dazu gehöre, wie der Bürgermeister ergänzte, auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Läuft alles wie am Schnürchen, sei mit einem Baustart zu Beginn des nächsten Jahres zu rechnen.

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