Stadtkante: Absage für Kanalbau

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Am Blumenwisch wird der Kanal bis auf Weiteres noch nicht gebaut.

„Das passte einfach nicht in die Welt“, sagte Uwe Gerdes. Der Leiter des städtischen Eigenbetriebs Abwasser bleibt dabei, dass die Bremer Matthäi Bauunternehmen GmbH & Co. KG die neue Trennkanalisation an der Blumenwisch nicht einbauen soll. Dabei hatte die Firma den Zuschlag erst Ende April erhalten. Sie will sich den 1,73-Millionen-Euro-Auftrag im Zusammenhang mit dem Projekt Stadtkante nicht entgehen lassen. Matthäi droht damit, die Absage aus Verden rechtlich prüfen zu lassen.

Verden – „Warum wird in der Öffentlichkeit verkündet, dass es mit der Stadtkante weitergeht, und wir erhalten eine Absage?“ Das scheint sich zu widersprechen und will Matthäi-Geschäftsführer Jens Vullmer nicht so recht in den Kopf. Erst am 25. April hatte sich das Angebot aus Bremen gegen zwei konkurrierende Berechnungen anderer Unternehmen bei der Submission durchgesetzt. Der Kostenrahmen von Vullmers Arbeitgeber lag um 40 000 und 140 000 Euro günstiger, als die Berechnungen der Mitbewerber. Der Geschäftsführer konnte also schon einmal die Leute für die Baustelle am Blumenwisch einteilen. „Nach der Domweih“, so sei es Teil des Auftrags gewesen, sollten die Arbeiten beginnen.

Stattdessen kam vor wenigen Tagen die Absage der Stadt: Die Ausschreibung sei aufgehoben worden. Die Begründung fasste Uwe Gerdes zusammen. „Die Berechnung passt nicht in die Welt.“ Für das Leistungsverzeichnis habe die Verwaltung noch Anfang April die Kostenberechnung der Entwurfsplanung von 2017 aktualisiert. Da seien auch die derzeitigen Preissteigerungen im Bausektor einbezogen worden, berichtete der Betriebsleiter. Dennoch seien alle drei Angebote deutlich überhöht gewesen.

„Die Betriebe im Baubereich sind gut ausgelastet“, weiß Gerdes. So müssten sie ein Angebot schon mal etwas teurer machen, wenn sie Personal einstellen oder sonst einiges auf die Beine stellen müssen, um ihre Aufträge dennoch fristgerecht bewältigen zu können. So allerdings sieht Vullmer das nicht: „Wir haben einen sauberen Preis hingeschrieben“, betonte er im Gespräch. Im Gegenteil habe er spitz gerechnet, um auch in Verden, wo der Stammsitz des Unternehmens ist, einen Auftrag zu bekommen.

Für Gerdes ist das Angebot dennoch überhöht. Dieses Argument und, dass der städtische Haushalt keine Mittel in diesen Dimensionen vorsieht, sind für den Leiter des Eigenbetriebs zwei „schwerwiegende Gründe“ für die Aufhebung des Ausschreibungsergebnisses. Einer davon reiche rechtlich aus. Das sei geprüft worden.

Im Hause Matthäi ist die Rechtsauffassung ganz anders. Die „schwerwiegenden Gründe“ seien nicht überzeugend. Das Unternehmen reagierte mit einer Rüge und will die Rechtmäßigkeit von der Vergabekammer prüfen lassen. Sie überwacht die Einhaltung der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB).

Jetzt in circa drei Wochen an der Blumenwisch einfach einen neuen Trennkanal zu bauen, wäre für die Stadtkanten-Pläne nicht sinnvoll gewesen, nachdem sich die Investoren Anfang April zurückgezogen haben. „Was ist, wenn der neue Investor genau da, wo der Kanal liegt, eine Tiefgarage bauen will?“, kommentierte Gerdes die Erwägungen. Die Planungen müssten miteinander koordiniert werden. Einen Aufschub bis dahin lasse das Vergaberecht aber kaum zu, bestätigte auch Vullmer.

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