SERIE 30 Jahre Städtepartnerschaft Verden - Havelberg: Wie alles begann (1)

Die Spur führt nach Schollene

Der Havelberger Dom in Zeiten der Wende vor 30 Jahren: Eine erste Verdener Delegation ist unterwegs. Foto: Röttjer

Verden - Von Heinrich Kracke. An den turbulenten Tagen ging so manches unter. Und manches war überholt. Und einiges wurde nicht aufgeschrieben, nicht so richtig jedenfalls. Fest steht, eine erste Verdener Delegation besuchte die spätere Partnerstadt Havelberg kurz nach Weihnachten anno 1989. Ein erster Reisebus startete von Verden aus am 5. Januar 1990. Damit kam die Partnerschaft ins Rollen, und war nicht mehr aufzuhalten und entwickelte sich prächtig und vielfältig. Die Partnerschaft, die dieser Tage einen nächsten runden Geburtstag begeht. Verden – Havelberg, das ist seit 30 Jahren eine lebhafte Geschichte.

Aber weshalb schaukelte die Verdener Delegation über Kopfsteinpflaster in jene Stadt, die niemand kannte, an der Aller niemand kannte? Weshalb blieb in jenem Bus kaum ein Platz frei, der auf seiner abenteuerlichen Route Grenzen überwand, die als unüberwindbar galten? Weshalb lag eine Stadt mit knapp 10 000 Einwohnern irgendwo an einem Fluss, dessen man sich aus dem Heimatkunde-Unterricht erinnerte, der aber sonst keine Rolle spielte, diesseits der Grenze jedenfalls, an einem Fluss namens Havel, weshalb lag diese Stadt plötzlich in aller Munde? Wer gab die Idee? Wem ist dieser Geistesblitz zuzuschreiben?

In späteren Festschriften herrschte Rätselraten. Irgendwo war von einem Sattler die Rede, der irgendwie über Umwege einen Vorschlag eingereicht, irgendwo eingereicht hatte, haben sollte, erzählte man. Und dann war er verschwunden. Dieser Sattler, oder vielleicht war es auch gar kein Sattler, sondern nur „ein Mann“, wie es hieß, ein Mann mit einem Allerweltsnamen. Michael Meyer, dieser Name tauchte irgendwo einmal zumindest auf. Michael Meyer gibt es viele. Neuerliche Recherchen führen jetzt ins Niemandsland, sie führen nach Schollene.

„Ich lockere den Boden in unseren Beeten. Ich räume auf. Für die Einsaat“, sagt Michael Meyer. Er habe ja jetzt Zeit, er sei Rentner, sagt er. Auch unter dem Einfluss von Corona habe er die gute Laune nicht verloren. Schön sei es in seinem Garten in Schollene. Hebe er den Blick, dann schaue er über das weite Havelland, schaue über Wiesen, über die Auen, schaue bis hinten zu den Wäldern, die am Horizont das Bild abrunden. Schaue über die Lanke, über jenes kleine Flüsschen, das in die Havel mündet. Und, ja, er sei es, sagt Michael Meyer. Jawohl, er habe damals einen Brief geschrieben. Einen Brief an die Verdener Zeitung. Ob daraus Auszüge gedruckt wurden, oder ob dieser Brief als Leserbrief in die Spalten wanderte, er wisse es nicht mehr. Zu lange her. Und er sei ja auch nur kurz in Verden gewesen. Damals, an den kalten Dezember-Tagen im Jahr 1989. Er habe die Idee, die er damals zu Papier brachte, er habe deren Werdegang nicht weiterverfolgt. Mit der Familie zog er nach Potsdam, da hält man nicht mehr jeden Kontakt aufrecht.

Gewiss, zuweilen kehre er in sein Elternhaus in Schollene zurück. Der Garten müsse gemacht werden. Und irgendwie solle es auch schön bleiben, dort, wo er seine Kindheit verbrachte. Aber stattete er seinen Eltern in den vergangenen Jahrzehnten einen Besuch ab, dann ging es um deren Gesundheit und deren Leben und die vielen Veränderungen, die sie zu erdulden oder von denen sie profitiert hatten. „Mein Vater war Lehrer, er war also in der damaligen Volksbildung beschäftigt“, sagt Michael Meyer. Gravierende Neuerungen kamen auf den Küchentisch im kleinen Schollene. Heute ist es ein anerkannter Erholungsort mit knapp 1200 Seelen im Osten des Landkreises Stendal, damals gehörte es dem Landkreis Havelberg an und lag fern der Kreisstadt. Wer dorthin wollte, der brauchte für die 26 Kilometer viel Zeit.

Viel mehr als nur ein Katzensprung. „Die Städtepartnerschaften habe ich zwar wahrgenommen, aber nicht mehr begleitet“, sagt Michael Meyer, „ich bin keiner, der sich meldet.“

Info

Im Teil 2 der Serie erzählt Michael Meyer über seine Verbindung zu Verden: „Die Erzählungen verstummten schnell wieder.“

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