Sprengung: Spur in Nachbarkreis

Die Fensterfronten der zerstörten Filiale werden mit Brettern zugeschraubt.
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Die Fensterfronten der zerstörten Filiale werden mit Brettern zugeschraubt.

Die Statik des Gebäudes ruiniert, die Technik weitgehend zerstört, auch zwei Tage nach der Sprengung eines Geldautomaten in der Verdener Sparkassen-Filiale am Berliner Ring bietet sich noch ein Bild der Verwüstung. Ob es Verbindungen zu einer weiteren Tat in Verden im April 2020 gibt, wird geprüft. Ein Fahrzeug, das mit der Tat in Verbindung stehen könnte, wurde im Landkreis Osterholz und später im benachbarten Rotenburg gesehen.

Verden – Der Geruch von verschmortem Plastik, überall Staub, herausgerissene Deckenteile, lose Kabel und Glassplitter: Eine Firma war gestern mit den Aufräumarbeiten in der Filiale der Kreissparkasse am Berliner Ring beschäftigt, beseitigte die zahllosen Trümmer. Das Gebäude wurde nach der Sprengung des Geldautomaten mit einem Bauzaun abgesperrt, zum einen aus Sicherheitsgründen, vor allem aber auch, weil die Untersuchungen zum Hergang der Tat auf Hochtouren laufen. Die Handwerker räumten nicht nur auf, sie verbarrikadierten auch die zerstörten Fensterfronten.

Derweil laufen die Untersuchungen der Polizei. Die Ermittlungen zur Vorbereitung der Tat, Art des Sprengstoffes sowie zum genauen Ablauf der Sprengung liegen in den Händen einer spezialisierten Tatortgruppe. „Die Einheit hat nach der Sprengung unmittelbar ihre Arbeit aufgenommen“, so Polizeisprecher Helge Cassens. Mit detaillierten Informationen hält sich Cassens derzeit noch zurück. „Da bitte ich aus ermittlungstaktischen Gründen um Verständnis“, sagte der Polizeisprecher. Allerdings könnte möglicherweise ein Fahrzeug, das nach der Tat im Landkreis Osterholz und dann im benachbarten Kreis Rotenburg, nahe des Bullensees, auffiel, eine Rolle spielen. „Falls Zeugen in dem Bereich etwas Verdächtiges gesehen haben, sollten sie sich unbedingt melden“, sagte Cassens. Die Polizei ist unter 04231/8060 immer erreichbar. Keine Angaben gibt es über die Höhe der Beute. Sowohl Geldinstitut als auch Polizei halten sich mit Zahlen zurück.

Interessant dürfte für die Rekonstruktion der Sprengung sein, ob der oder die Täter den Ort gezielt ausgewählt und möglicherweise Tage vorher ausspioniert, vielleicht abgewartet haben, dass die Geldautomaten mit Banknoten frisch befüllt wurden. Cassens: „Wir wissen schon in etwa, wie die Täter vorgegangen sind, mehr dazu aber nicht.“

Fakt ist, dass von den drei Automaten – zwei dienten zum Abheben von Geld, der dritte für Überweisungen – der mittlere ausgewählt und gegen 2.30 Uhr am Samstagmorgen gesprengt worden war. Danach flüchteten die Täter mit dem Auto. Anwohner, die von einem lauten Knall geweckt worden waren, informierten die Polizei, die binnen weniger Minuten am Berliner Ring eintraf.

Geprüft würden in dem Zusammenhang auch Parallelen zu anderen Taten, insbesondere die Sprengung eines Automaten in der Verdener Innenstadt am 11. April dieses Jahres. Zwei bislang unbekannte Tatverdächtige hatten damals die Deutsche-Bank-Filiale an der Großen Straße in Verlängerung des Rathausvorplatzes betreten. Dort sprengten sie einen Geldautomaten und erbeuteten nach Erkenntnissen der Ermittler Bargeld. Mit einem dunklen Audi ergriffen die Täter im Anschluss die Flucht. Nach den Ermittlungen in diesem Fall ist mindestens ein weiterer Tatverdächtiger an der Sprengung beteiligt gewesen, hieß es von der Polizei Verden. Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen blieben jedoch bislang erfolglos.

Das Gebäude der Kreissparkasse am Berliner Ring ist bis auf Weiteres nicht mehr zu nutzen. „Wann der Zugang für Kunden wieder möglich ist, wissen wir noch nicht“, so Dr. Beate Patolla, Pressesprecherin der KSK. Das Ausmaß der Beschädigung sei erheblich, sodass mit einer langen Schließung der Geschäftsstelle gerechnet werde. Vermutlich bei 200 000 Euro liege der Gesamtschaden, so die Schätzungen. „Die Zerstörung entspricht fast einem Totalschaden. Aber letztlich sind wir froh, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind“, erklärt die Pressesprecherin der Bank.

Beratung bietet die Kreissparkasse den Kunden vom Berliner Ring nun in der Hauptstelle in Verden an. Die Mitarbeiter vom Berliner Ring werden in Verden und Kirchlinteln eingesetzt. „Viele Fragen lassen sich telefonisch oder online klären. Das ist insbesondere in Pandemie-Zeiten eine sehr gute Möglichkeit, Bankgeschäfte zu erledigen“, so Patolla weiter. Auch Beratungstermine können online oder telefonisch vereinbart werden. Die nächsten Geldautomaten befinden sich im Rewe in Borstel, Im Ohrt 9, sowie in der Carl-Hesse-Straße 1.

Folgen hat die Sprengung mit dem massiven Schaden für Kunden weiterer Filialen. An den Standorten Dauelsen, Walle, Otterstedt, Bassen, Westen und Riede werden die SB-Zonen aus Sicherheitsgründen vorübergehend von 22 bis 6 Uhr geschlossen, teilt das Geldinstitut mit.

Von Markus Wienken

Die Reste des völlig zerstörten Geldautomats sowie aufgefegte Glassplitter.

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