Heute zum ersten Impfen ohne Anmeldung in Verden

Spontan und mit Übersetzung

Infos zur Pandemie auf Arabisch:
+
Infos zur Pandemie auf Arabisch: Es sind vielfach sprachliche Hürden, die Menschen aus anderen Ländern von einer Impfung abhalten.

Landkreis – „Es ist das absolute Überraschungspaket für uns“, sagt Andrea Schröder, organisatorische Leiterin des Impfzentrums. Wie viele Kurzentschlossene werden das Angebot nutzen, sich heute impfen zu lassen – ohne Anmeldeverfahren, ohne den Weg über eine Warteliste, nur mit Ausweis und – wenn vorhanden – Impfpass? Und wie viele dieser Impfwilligen werden Menschen sein, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen?

900 Dosen Johnson & Johnson

Im Impfzentrum ist man jedenfalls vorbereitet. 900 Dosen Johnson & Johnson, vom Land außerplanmäßig zur Verfügung gestellt, können heute, zwischen 10 und 19 Uhr, verabreicht werden und so kurz vor den Sommerferien beim Empfänger per Einmal-Dosis für den vollständigen Schutz sorgen. Dabei hat der Landkreis mit diesem ersten freien Impfen nicht nur die Urlaubshungrigen im Visier. Die Aktion richtet sich auch an die Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und damit verbundener Verständigungsprobleme bislang nicht erreicht wurden.

Eine Statistik über Nationalitäten wird im Impfzentrum nicht geführt. Es entspringt eher einem Gefühl, einer Wahrnehmung, dass beispielsweise nur wenige Geflüchtete oder Zugewanderte den Weg zu den Containern auf dem Landkreis-Gelände finden. Und das, da sind sich Andrea Schröder und Anke Fahrenholz von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe einig, hat vor allem mit Sprachbarrieren zu tun.

Ängste im Zusammenhang mit einer Impfung seien stets die gleichen, unabhängig von einer Nationalität, meint Andrea Schröder. Diese Befürchtungen aber zu formulieren, um sie dann im Gespräch mit einem Mediziner auszuräumen, wenn man die Landessprache nicht beherrscht, das stellt oft ein kaum zu überwindendes Hindernis dar. „Ich habe das Gefühl, dass die nötigen Informationen nicht immer ankommen“, formuliert es Anke Fahrenholz.

Sprachmittler als Übersetzer

Neben den Impfteams stehen daher heute auch sogenannte Sprachmittler als Übersetzer bereit. Es sind Ehrenamtliche, teils selbst geflüchtet. Sie helfen beim Ausfüllen der erforderlichen Formulare und beim Arztgespräch. Sechs dieser Sprachmittler werden ab 13 Uhr vor Ort sein. Bei Bedarf können weitere hinzugeholt werden, auch schon zu einem früheren Zeitpunkt.

Werbetrommel für die Zielgruppe gerührt

Damit diese Zielgruppe überhaupt von der heutigen Aktion erfährt, hat der Landkreis in den zurückliegenden Tagen unter anderem über seinen Arbeitskreis Integration mächtig die Werbetrommel gerührt. Neben diversen Fachdiensten sind alle sieben Kommunen vertreten, dazu Beratungsstellen wie das Diakonische Werk und die Caritas sowie der Verein der Integrationslotsen. Sie gaben den Termin weiter, verschickten Infos und Links zu mehrsprachigen Aufklärungsvideos. Einrichtungen wie die Kreisvolkshochschule mit ihren Deutsch-Kursen, das Café Kult in Verden oder das Bürgerzentrum im Magdeburger Viertel in Achim wurde als Multiplikatoren ebenso ins Boot geholt wie Schulen und Kindergärten. „Ich denke, dass wir auf diese Art und Weise viele Menschen erreicht haben“, fasst Andrea Schröder die Bemühungen zusammen. Auch sie sind Teil der Strategie auf dem Weg zu einer Herdenimmunität. Rund 85 Prozent der Bevölkerung müssten hierfür nach Aussage von Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärzteverbandes, geimpft werden.

Bezogen auf den Landkreis Verden mit seinen 137 000 Einwohnern hieße das: Mehr als 116 000 Menschen müssen sich immunisieren lassen. Die Zahl der Kinder unter zwölf Jahren, die bislang gar nicht geimpft werden können, schätzt Christian Booth, Fachdienstleiter Ordnung und Verkehr, auf etwa 16 000. „Wenn man die abzieht, wird es schon schwierig.“

Als „sehr unglücklich“ bezeichnet Booth in diesem Zusammenhang die Haltung des Landes Niedersachsen bei der Sonderimpfaktion für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit Biontech am gestrigen Sonntag. Der Landkreis Verden hatte sich nicht daran beteiligt, weil sein Impfzentrum an diesem Tag aufgrund fälliger Impfungen mit Astrazeneca ausgebucht war (wir berichteten). Einen anderen Termin für die Jugendimpfung habe das Land dem Kreis aber nicht ermöglicht. Die Extradosen von Biotech standen laut Booth „nur für den Sonntag“ zur Verfügung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Wümme auf Umwegen

Wümme auf Umwegen

Wümme auf Umwegen
Ehrgeizige Handwerker bauen Stall auf

Ehrgeizige Handwerker bauen Stall auf

Ehrgeizige Handwerker bauen Stall auf
Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler
„Man kann da baulich so viel machen“

„Man kann da baulich so viel machen“

„Man kann da baulich so viel machen“

Kommentare