Am Spielbrett „entdigitalisieren“

Spieleprofis brauchten nur wenig Unterstützung, andere konnten mit Hilfe loslegen. Fotos: Niemann

Würfel rollen über die Tische, kleine bunte Chips werden mit flinken Fingern hin und her geschoben und Spielkarten wechseln ihre Besitzer. Immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack: „Stadt Land Spielt“ – ein Projekt, dass das Spielen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz als Kulturgut fördert, lockte in Verden etliche Fans in die Bibliothek am Holzmarkt.

Verden – Die Auswahl für die Gamer war groß. Zwischen 400 Spielen konnten sie wählen. Damit bei „Stadt Land Spielt“ alles nach Vorschrift und friedlich verlief, hatte sich aus dem Teilnehmerkreis von „Verden Verspielt“, dem offenen Spieletreff in der Stadtbibliothek, mehrere Mitglieder als Erklärer zur Verfügung gestellt, sodass selbst die Unerfahrensten schnell in die ausgewählten Spiele hineinfanden.

„Mit Wort und Tat erklärt, kapiert man die Spielregeln wirklich viel schneller, als wenn man erst eine schriftliche Erklärung lesen muss“, bestätigte auch Tina Bartels. Sie ließ sich mit ihren Kindern Ole und Jule von Torre Groeneveld in „Tal der Wikinger“, das Kinderspiel des Jahres, einweisen. Die Drei wirkten äußerst konzentriert, als Groeneveld die Instruktionen gab, wie die Schiffchen auf dem Spielfeld zu positionieren sind.

„Ein tolles Spiel, das wirklich viel Spaß macht“, resümierte Bartels später und lobte, dass Groeneveld jede Frage der Kinder anschaulich erklärt habe.

Auch versierte „Spiele-freaks“ waren gekommen. Sie brauchten natürlich kaum Unterstützung und legten mit „Isle of Skye“ oder „5-Minute-Dungeon“ gleich los. Dass auch Spieleerklärer ihre Lieblingsspiele und No-Goes haben, erzählten Corinna Sommer und Ina Sander am Rande der Veranstaltung. Und was tun Menschen, die ein Spiel spielen wollen, aber kein Spieleerklärer verfügbar ist? „Dann ist die Altersempfehlung eines Spiels ein guter Richtwert“, lautet ihr Rat. Spiele mit der Empfehlung ab acht Jahre, also mit einem mittleren Anspruch, könnten in der Regel auch nicht so erfahrene Spieler relativ schnell umsetzen. Laute die Altersempfehlung dagegen ab zwölf Jahre, markiere das auch einen höheren Anspruch, der gerade Anfänger schnell überfordern könnte.

Sommer und Sander bevorzugen taktische Spiele, bei denen man nachdenken und den oder die Gegner herausfordern und manchmal auch regelrecht überlisten müsse. „Je kniffliger, umso besser“, waren sie sich einig. Was sie aber eigentlich an Spielen und insbesondere an Brettspielen reize, sei das stumpfe Analoge. „Entdigitalisieren“ nennen sie das. Mit der Umsetzung von reizvollen Regelwerken verbringen die beiden ihre Zeit nicht nur bei „Verden Verspielt“, auch in diversen privaten Spielerunden sind sie aktiv.

Die stellvertretende Bibliotheksleiterin Katrin Koball ist selbst eine leidenschaftliche Brettspielerin. Die nunmehr vierte örtliche Auflage von Stadt Land Spielt sieht sie als tolle Möglichkeit, die Freude am Spielen zu wecken und die Vielfalt des Angebots kennenzulernen.

Darüber hinaus wolle man auch Eltern animieren, mehr mit ihren Kindern zu spielen. „Mein Sohn ist noch keine drei Jahre alt und hat bereits großen Spaß an seinen ersten Brettspielen“, berichtet sie.

„Verden Verspielt“ findet immer am zweiten Dienstag eines Monats in den Räumen der Stadtbibliothek statt. „Ab 19.30 Uhr wird gespielt. Jeder, auch Kinder und Jugendliche, sind herzlich willkommen“, sagt Koball.  nie

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