Soziale Sicherung und Zusammenhalt

Mai-Kundgebung des DGB-Kreisverbandes vor dem Verdener Rathaus

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Verdi Bezirksgeschäftsführer Rainer Kuhn war der Hauptredner in Verden.

Verden - Von Antje Haubrock-Kriedel. „Wir sind viele. „Wir sind eins“ – unter diesem Motto hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gestern bundesweit zu den traditionellen Maikundgebungen eingeladen. In Verden hatten sich viele Menschen vor dem Rathaus eingefunden.

Nach den Grußworten des Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes, Boris Krahn, und Bürgermeister Lutz Brockmann ergriff Hauptredner Rainer Kuhn, Verdi Geschäftsführer für den Bezirk Bremen/Nordniedersachsen, das Wort.

„Einkommensschwache brauchen eine klare Perspektive“

Als Forderungen für die anstehende Bundestagswahl nannte er „Zukunft gestalten, soziale Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Die Politik müsse endlich die sozialen Abstiegsängste einer wachsenden Zahl von Menschen ernst nehmen und entschlossen gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse vorgehen. „Die Einkommensschwachen brauchen eine klare Perspektive auf sichere und gute Arbeit“, betonte Kuhn.

Laut seiner Aussage gehe das Bundessozialministerium von einem Rentenniveau von 41,6 Prozent im Jahr 2046 aus. „Hier tickt eine soziale Zeitbombe“, warnte der Gewerkschafter. Die gesetzliche Rente sei der Eckpfeiler der Alterssicherung. Private Versorgungssysteme seien keine Alternative. Kuhn forderte eine Verbesserung des Rentenniveaus. Ein späteres Renteneintrittsalter sei kein wirksames Rezept gegen das wachsende Problem der Altersarmut.

Vielen ist es unmöglich, von ihrer Rente zu leben

Schon jetzt könnten viele von ihrer Rente nicht leben. Bei einem Mindestlohn von 8,84 Euro müsse man rund 54 Jahre arbeiten, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten. Gerade Frauen seien von der Altersarmut bedroht. Durch Auszeiten und Teilzeit erhielten sie nur rund 60 Prozent der Rente der Männer. Weiter seien Personen mit niedrigem Einkommen betroffen. „Jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland fürchtet sich Umfragen zufolge vor der Altersarmut“, so Kuhn.

Der Verdi Bezirksgeschäftsführer forderte zudem eine Stärkung der Tarifbindung. Diese habe in den letzten 20 Jahren stetig abgenommen. „Tarifbindung ist ein wirksames Mittel für faire Arbeitsbedingungen“, betonte Kuhn. Bezogen auf die bevorstehende Tarifrunde im Einzelhandel rief er auch die Konsumenten zur Solidarität auf. „Wir brauchen gute Arbeit, die unbefristet und tariflich bezahlt wird“, forderte der Redner.

„Wir haben in Deutschland ein Befristungsproblem“

Für fast fünf Millionen Menschen sei der Minijob die einzige Beschäftigung, zudem gebe es über eine Million Leiharbeiter und jede zweite Frau arbeite in Teilzeit. Von den zwei Millionen Soloselbstständigen seien viele prekär beschäftigt. „In Minijobs werden Löhne gedrückt und Arbeitnehmerrechte systematisch unterlaufen“, weiß Kuhn. Er forderte wirksame Kontrollen und bessere Rahmenbedingungen.

„Wir haben in Deutschland ein Befristungsproblem“, sagte Kuhn. Von 1993 bis 2013 habe sich die Zahl der befristet Beschäftigten von knapp 900 000 auf über 2,7 Millionen verdreifacht.

Mit Blick auf den zunehmenden Nationalismus und Populismus in vielen EU-Staaten rief Kuhn zu einer Rückbesinnung auf ein solidarisches und soziales Europa auf. „Wir geben Rechtspopulisten keinen Raum für ihre demokratie- und gewerkschaftsfeindlichen Vorstellungen und Äußerungen. Unser Alternative heißt Respekt und Solidarität“, betonte er abschließend.

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