Soziale Medien im Mittelpunkt

Stadt Verden sucht Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit

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Durch die Verdener Rathaustür soll künftig mehr dringen dank der neuen Öffentlichkeitsarbeit.

Verden - Von Volkmar Koy. Das dürfte eine Stellenausschreibung mit durchaus nachhaltiger Wirkung sein. Die Stadt Verden sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit. Hintergrund ist aber nicht die ergänzende Information zum Beispiel über die Öffnungszeiten der Stadtbücherei, sondern das Thema „Öffentliche Sicherheitslage und subjektive gefühlte Sicherheit in Verden“.

Im Mai hatte der Stadtrat beschlossen, zur Vereinbarung eines Sicherheitskonzepts mit der Polizei und dem Landkreis Verden die Öffentlichkeitsarbeit insbesondere in den sozialen Medien zu verstärken. Ziel sei ein wirksameres Handeln im Rahmen der eigenen Zuständigkeiten und ein gemeinsames Verbessern der gefühlten Sicherheit für alle Bürger, hieß es damals zur Begründung des Beschlusses.

Die Vorkommnisse im Allerpark und am Bahnhof mit zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen (wir berichteten ausführlich) scheinen vorrangige Auslöser des Ratsbeschlusses gewesen zu sein. Zuvor hatte es zahlreiche Gespräche mit Fachleuten in dieser Angelegenheit gegeben, bestätigte gestern auf Anfrage Verdens stellvertretender Bürgermeister und Kämmerer, Andreas Schreiber. Ein Ordnungsdienst im Allerpark sowie eine bessere Beleuchtung am Holzmarkt in Bahnhofsnähe sollen als Maßnahmen kurzfristig für eine Verbesserung der Sicherheit sorgen.

Öffnung des Jugendzentrums ausweiten

Damit aber nicht genug. Die Stadt Verden hat sich ferner die Lageeinschätzung der Polizei angesehen und diskutiert. Danach werde dringend eine Ausweitung der Öffnung des Jugendzentrums empfohlen. Überdies – und das ist wohl der Anlass für die Suche nach einem Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit – würden die gefühlte Unsicherheit und das gefühlte Unwohlsein offensichtlich stark durch Berichte insbesondere in den sozialen Medien geprägt. Es fehle eine Präsenz der Stadt mit offiziellen Berichterstattungen und zur Richtigstellung mit Fakten, heißt es bei der Polizei. Es werde zudem die Gefahr gesehen, dass der allgemeine Blick auf Flüchtlinge und Migranten eine zunehmend negative oder von Unsicherheit und Angst geprägte Richtung einschlage.

Bürgermeister-Vize Schreiber betonte, die Stellenausschreibung sei nun aufgrund des Rats- und Verwaltungsausschuss-Beschlusses vom Mai erfolgt. Die Aufgaben-, Profil-, Fakten- und Chancen-Aufzählung habe die Personalabteilung der Stadtverwaltung verfasst, so der Kämmerer. Diesen Weg wollte die CDU-Fraktion allerdings nicht mitgehen. Franktionsvorsitzender Jens Richter sagte auf Nachfrage, die Öffentlichkeitsarbeit dürfe sich nicht nur auf soziale Medien und nur auf das Thema „Sicherheit in der Stadt“ beschränken. Schließlich gebe es innerhalb der Verwaltung auch andere Abteilungen. Richter nannte als Beispiel für die Meinung der Union das aus seiner Sicht unzureichende Stadtmarketing.

Die Stadt Verden stehe indes, was den Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit angehe, nicht allein da. Nach den Worten von Andreas Schreiber hätten auch andere Kommunen diesen Weg eingeschlagen. Ob die Stellenausschreibung von Erfolg gekrönt wird, dürfte die Anzahl der Bewerbungen (bis zum 20. Juli; Anm. d. Red.) zeigen. Der neue Mann oder die neue Frau soll die Stadtverwaltung bei einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit unterstützen, so eine der Aufgaben. Dann werde Erfahrungen in den Anwendungen sozialer Medien erwartet. So soll der/die Neue zielsicher rassistische Hetze und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entlarven und als Vertreter der Stadt mit Fakten und Informationen überzeugen. Ausgeschrieben ist ein Teilzeitarbeitsplatz (25 Wochenstunden), wobei die Bereitschaft zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung vorausgesetzt wird. Der Job wird mit Entgeltgruppe 9b vergütet.

Kommentar von Volkmar Koy

Die Aufgabe ist klar umrissen: ein gemeinsames Verbessern der gefühlten Sicherheit für alle Bürger. Worauf allerdings da die Betonung liegt, erscheint nicht nur auf den zweiten Blick unklar zu sein. Auf der einen Seite wird ein Ordnungsdienst am Abend und am Wochenende beschlossen. Im Allerpark und am Bahnhof vermutlich eine zielführende Maßnahme. 

Volkmar Koy.

Auf der anderen Seite soll die Öffentlichkeitsarbeit insbesondere in den sozialen Medien verbessert werden. Dafür wird jetzt eine geeignete Person gesucht. Eine ihrer Aufgaben: durch zutreffende Informationen in den sozialen Medien die reale Lage in der Stadt darstellen und Falschmeldungen mit Fakten widerlegen. 25 Wochenstunden sind finanziell, arbeitsplatzmäßig und angesichts des entsprechenden Know-hows dafür eingeplant. Vom Grundsatz eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Doch wieder einmal wird in Verden zu kurz gedacht. Wer sind denn, bitteschön, die Menschen, die subjektiv bei der Wahrnehmung bestimmter Gruppen im Stadtgebiet ein „Sich-nicht-wohl-fühlen“ vespüren und sich aufgrund verschiedener Straftaten auch noch bestätigt sehen? Es sind doch nicht die Dauer- und Rund-um-die-Uhr-Facebook-Nutzer, sondern vorwiegend ältere Menschen, die überall ständig unterwegs sind, nur nicht auf Facebook, Instagram oder Twitter. Wer kümmert sich denn um die Sorgen dieser Leute? Etwa der neue Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit? Pustekuchen. 

Es bleibt festzuhalten, in der Stadt Verden, in der übrigens Stadtmarketing nach wie vor ein Fremdwort ist, werden nicht zum ersten Male falsche Prioritäten gesetzt. Und leider ist auf diese Weise das grässliche Gedankengut, an denen sich manche der AfD zugewandten Mitbürger klammern, auch nicht zu beseitigen. So jedenfalls wird Öffentlichkeitsarbeit nicht funktionieren, sondern angesichts der Teilzeitarbeitsstelle nur etwas kosten.

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