Wie angehende Häuslebauer ihre Chancen auf Bauland erhöhten / Alle Grundstücke weg

Sonnenstrom und am besten ein E-Auto

Die hohen Vorgaben schreckten niemanden ab: Schon sechs Wochen vor dem eigentlichen Fertigstellungstermin erstrecken sich im Baugebiet Neumühlen II die ersten Bodenplatten.
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Die hohen Vorgaben schreckten niemanden ab: Schon sechs Wochen vor dem eigentlichen Fertigstellungstermin erstrecken sich im Baugebiet Neumühlen II die ersten Bodenplatten.

Verden – Noch nie waren die Energiespar-Vorgaben so hoch gesteckt. Wer das neue Baugebiet Neumühlen III an der BBS ins Auge gefasst hatte, der war gut beraten, für seine vier Wände eine Photovoltaikanlage mit Stromspeicher zu planen und am besten auch noch ein E-Auto zu kaufen. So jedenfalls die Kriterien für die Vergabe der Grundstücke. Abgeschreckt hat es niemanden. Im Gegenteil. „Die Nachfrage war ungebrochen“, sagt Klaus Krimmer von der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG), die das Baugebiet vermarktete. Und auch Corona konnte dem Traum vom Häuschen mit Garten nichts anhaben. „Wir haben keinerlei Rückzüge festgestellt.“ Sechs Wochen vor der eigentlichen Fertigstellung des Baugebietes erstrecken sich bereits erste Bodenplatten in der Landschaft, erste Mauern wachsen in die Höhe.

Der Riesenrun auf das Quartier mit den Straßennamen aus der Reitersprache, dieser Boom, er kommt nicht überraschend. Es ist das letzte Verdener Baugebiet auf absehbare Zeit. Während die freien Grundstücke zur Neige gegangen sind, wächst die Zahl der Anrufe im Rathaus. Wo sie denn ein Fleckchen Erde für ihr neues Zuhause finden können, fragen Interessenten. Jasmin Schroer ist für Immobilien zuständig. Sie pflegt dann gute Miene zum schwierigen Spiel zu machen und verweist auf die sogenannte Nachverdichtung, sagte sie bereits im Sommer. Hier mal ein großer Garten, auf dem ein weiteres Haus möglich sein müsste, dort eine Scholle, die mit einem bisschen Kreativität Lösungen erlaubt. Eine ganze Reihe Grundstücke sind auf diese Weise in den vergangenen Monaten zu neuen Wohnadressen geworden. Immer häufiger fällt zudem alte Bausubstanz der neuen Bauherrlichkeit zum Opfer. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Nachverdichtung ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, die Nachfrage wird nicht ansatzweise bedient.

Die Hoffnungen vieler Bauherren ruhen nun auf eine nächste Erschließung in Neumühlen. In Frage käme ein Acker in Verlängerung der BBS an der Schulstraße. Zwar habe es schon Gespräche mit den Eigentümern gegeben, heißt es aus dem Rathaus, aber Fakten seien noch nicht geschaffen. Sollte es soweit kommen, dann dürfte den angehenden Bauherren einiges an Nachhaltigkeit abverlangt werden.

Schon beim jetzt freigegebenen Gebiet war Ökologie ein zentrales Thema, vor allem bei der Vergabe für Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Wer eines der Grundstücke ins Auge fasste, konnte sich in der Bewerber-Rangfolge mit einem Herz für grüne Themen nach vorn schieben. Neben der Stromerzeugung war eine Hecke besser als ein Zaun, ein einheimischer Laubbaum oder ein Obstbaum besser als irgendwas Fremdes. Und ein steinerner Vorgarten ist sowieso verboten. „Hier entstehen fast ausschließlich Gebäude mit dem Standard Effizienzhaus 40 Plus mit hohem energetischen Aufwand“, sagt Krimmer.

Auch soziale Aspekte spielten bei der Vergabe eine Rolle. Je mehr Kinder, desto besser. Hingegen schränkte die Stadt das Volumen von Mehrfamilienhäusern ein. Durften nebenan noch Gebäude mit bis zu acht Wohnungen entstehen, so gilt ein solches Volumen jetzt als zu mächtig. Vier Wohnungen plus zwei Penthouse-Dachgeschosse sind noch erlaubt.

Trotzdem wechselten nicht weniger als 63 Bauplätze innerhalb weniger Wochen den Besitzer. Stadtvillen, Einfamilien- und Doppelhäuser sowie fünf Mehrfamilien- und 15 Reihenhäuser finden hier Platz. Wer ein Grundstück erhaschte, sicherte zu, innerhalb von drei Jahren zu bauen.

Von Heinrich Kracke

Erste Wände wachsen bereits in die Höhe.

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