Verdener versucht Ticketpreis für Berliner Turnier erstattet zu bekommen – Bisher vergeblich

Sogar Tennis-Ikone Rittner verstummte

Den Ausdruck der Berlin-Tickets hat er noch, auf die Erstattung des Eintrittspreises wartet der Verdener Jürgen Lindner bisher vergeblich.  
Foto: kracke
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Den Ausdruck der Berlin-Tickets hat er noch, auf die Erstattung des Eintrittspreises wartet der Verdener Jürgen Lindner bisher vergeblich. Foto: kracke

Verden – Es sollten die schönsten Tennistage des Jahres werden. Topstars wie Angelique Kerber, Cori Gauff oder Julia Görges, ein Turnier auf Gras, alles auch noch in Reichweite, in Berlin nämlich, das kann man sich schon mal anschauen. „Wir haben Tickets für den Centre Court gebucht“, sagt der Verdener Jürgen Lindner. Seit Jahrzehnten macht er sich ehrenamtlich für den Tennissport stark. Für ihn keine Frage. „Wir fahren nach Berlin!“ Aber dann kam Corona. Das Turnier natürlich abgesagt. Oder verschoben. Oder was auch immer. Und schon war es da, das Problem, das inzwischen viele Ticketkäufer betrifft. „Wir haben versucht, unser Geld zurückzubekommen. Aber wir stießen nur auf taube Ohren“, sagt Lindner nach zwei Wochen mit unendlich viel Telefonaten und E-Mails und Achselzucken. Und sogar mehr noch, so Lindner: „Ich konnte nicht mal mehr klären, ob die Veranstaltungsfirma weiterhin Bestand hat.“

Zunächst habe er jenen Weg gewählt, den alle einschlagen, die ihren Ticketpreis zurückverlangen. Er habe sich an den Online-Vermarkter gewandt, in diesem Fall die Firma Eventim. Eine klare Ansage habe er erhalten. „Gutschein ja, Geld nein.“ Der Bon gelte bis Ende Januar 2021. Sei bis dahin die Veranstaltung nicht nachgeholt, könne der Kunde den Kaufpreis zurückverlangen. Das Online-Unternehmen bezieht sich damit auf den Bundesgesetzgeber, der genau dieses zum Schutz der Veranstalter im Juni verordnet hat. Hintergrund laut Bundesregierung: Viele Veranstalter haben derzeit keine neuen Einnahmen. Müssten sie nun kurzfristig die Eintrittspreise erstatten, wären viele von ihnen in ihrer Existenz bedroht.

Klingt einleuchtend, ist aber komplizierter. Denn nicht alle wenden diese Lösung an. Darauf verweist beispielsweise Jürgen Hesse aus dem Ticket-Center der Kreiszeitung. „Von Eventim ist bekannt, sie setzen konsequent auf den Gutschein“, so Hesse, „andere aber, Nordwestticket zum Beispiel, haben sich noch nicht entschieden. Hier ist es noch jedenfalls möglich, den Ticketpreis unter bestimmten Umständen zurückzuverlangen.“ Und das sei nicht bloß so daher gesagt. Eine ganze Reihe Kunden sei bereits in den Geschäftsstellen dieser Zeitung vorstellig geworden, und hätte ihr Geld zurückerhalten. Auf Antrag, versteht sich.

Der Verdener Jürgen Lindner überließ nichts dem Zufall. Er also auf Eventim los! Ein bisschen die Muskeln spielen lassen, und schon wäre der Fall geritzt, oder? Aber Lindner lernte schnell: Der Online-Vermarkter ist der falsche Ansprechpartner. Mit dem Ticketkauf sei ein Vertrag zwischen dem Zuschauer und dem Veranstalter geschlossen, beschied man ihm. Der Onlineservice sei lediglich der Vermittler.

Also begann der Verdener Tennis-Enthusiast nach dem Veranstalter zu fahnden. Als jemand, der über Jahrzehnte ehrenamtlich sowohl im Verein, als auch im Landkreis und schließlich im Niedersächsischen Tennisbund Führungsaufgaben wahrgenommen hatte, waren ihm die Wege nicht fremd. „Ich habe mich an den Deutschen Tennisbund gewandt“, sagt Lindner, „ich habe darum gebeten, mir den Veranstalter zu nennen.“ Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: „Keine Antwort.“ Als nächstes habe er es noch einmal bei ihm bekannten DTB-Vorstandsmitgliedern versucht. „Ebenfalls erfolglos.“ Inzwischen ging bei ihm eine Mail des Berliner Veranstalters Bett1Open ein. Der verweist auf Eventim...

Aber wer ein Leben lang dem weißen Sport den Weg bereitet, der muss nicht schwarz sehen. Lindner: „Ich hab mit Barbara Rittner gesprochen.“ Die ehemalige 24. der Weltrangliste und spätere Bundestrainerin steht dem Berliner Wettbewerb als Turnierdirektorin vor. Rittner benannte den Turnierveranstalter nicht, so Lindner, auch auf zweites Nachfragen nicht, aber immerhin habe sie versprochen: „Herr Lindner, Sie werden von jemandem angerufen.“ Rittners Wort gilt in der Tenniswelt. Also habe er sich darauf verlassen, sagt Lindner. Er wartete und wartete. Aber irgendwann riss ihm erneut der Geduldsfaden. „Ich hab mich nochmals an Frau Rittner gewandt. Ich hab sie nochmals gebeten, mir den Veranstalter zu nennen.“ Aber die Ikone der Tennisdamenwelt verstummte plötzlich. Sehr nachdenklich habe ihn die abschließende Aussage Rittners gemacht, sagt Lindner. Sie könne nichts dafür, habe sie ihm gesagt.

Aufgeben will Lindner nicht. „Wenn der Deutsche Tennisbund tatsächlich alle Ticketkäufer im Regen stehen lässt, dann wäre es ein ernüchterndes Armutszeugnis.“ Aber das könne er sich nicht vorstellen. Er jedenfalls habe den DTB anders kennengelernt.

Von Heinrich Kracke

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