Karatelehrer Dennis Albrecht

Das „Sie“ schafft Distanz

Der Mann ist nett und verteilt Bonbons. Die Sechserbande der Kita Verden-Walle hat in einem Kurs gelernt, dass er auch böse sein kann, und wie man sich bei Gefahr wehren kann. - Foto: Wennhold

Verden-Walle - Wie können Kinder vor dem netten Mann, der sich schnell als Bösewicht entpuppt, geschützt werden? Diese Frage stellen sich Eltern genauso wie Erzieher, Lehrer oder die Polizei. Karatelehrer Dennis Albrecht von der Karateschule Kumadera in Achim fordert: „Sie müssen lernen, sich zu wehren.“ Das wird ihnen in seiner Karateschule für Kinder ab drei Jahren beigebracht, aber auch in Kindergärten und Grundschulen, wo Dennis Albrecht Mädchen und Jungen vermittelt, dass es nicht immer richtig ist, Erwachsenen freundlich und höflich zu begegnen beziehungsweise ihnen zu vertrauen.

Gestern war die Sechserbande in der Kindertagesstätte in Walle an der Reihe. Sie kommen im Sommer in die Schule, gehen vielleicht schon bald das erste Mal den Schulweg alleine oder in einer kleinen Gruppe. Spätestens jetzt müssen wie wissen, was zu tun ist, wenn ihnen einer Fremder zu nahe kommt. Dennis Albrecht: „Was ich in meinen Kursen feststelle, ist, dass vor allem die Mädchen nicht in der Lage sind, laut zu schreien. Im Gegenteil. Sie sind anders erzogen worden und in diesem Alter oft viel zu schüchtern, durch Lautstärke aufzufallen. Das kann fatale Folgen haben.“

„Karate macht stark“, heißt das Programm, mit dem Dennis Albrecht regelmäßig in die Kindergärten und Schulen geht, in Walle ist er zum vierten Mal eingeladen worden. Was ist richtig, was ist falsch? – darum geht es in Rollenspielen, in denen der Karatelehrer den bösen Mann spielt und sich mit Süßigkeiten und netten Worten das Vertrauen der Mädchen erschleicht.

„Möchtes Du einen Bonbon oder einen Kaugummi?"

Am Ende des Kurses geht es nach draußen auf die Straße, um möglichst realistische Bedingungen für das Üben im Rollenspiel zu haben. „Möchtes Du einen Bonbon oder einen Kaugummi? Deine Mütze ist aber hübsch. Ach, könnt ihr mir sagen wie spät es ist?“ Dennis Albrecht schnappt sich jetzt ein Kind und setzt es in sein Auto: Weder das gekidnappte Kind, noch die Gruppe protestiert. Das muss noch einmal geübt werden. „Bei allem müssen wir natürlich sehr sensibel vorgehen, damit die Kinder nicht völlig verängstigt werden.“

Haben sie aber ihre Scheu abgelegt, dann geht es mit dem Protest richtig gut. „Ihr sollt schreien, kratzen, schlagen und treten.“ Das tut die kleine Lea jetzt und ihre gleichaltrigen Freundinnen auch. Der vermeintliche Bösewicht lässt vom dem Kind ab und entfernt sich. Die Mädchen feuen sich über ihren Erfolg und werden die Situation nicht so schnell vergessen. Genauso wenig wie die wertvollen Tipps von Dennis Albrecht. „Schreit nicht Hilfe, sondern Feuer!, und das direkt ins Ohr. Schlagen mit der flachen Hand aufs Ohr tut auch weh, wenn man noch nicht so viel Kraft hat. Beißen sollt Ihr nicht, da könnt ihr Euch mit einer Krankheit anstecken.“

Einen Tipp hat er für die Erwachsenen parat. „Kinder sollen fremde Personen gundsätzlich siezen und nicht das vertrauensvolle Du benutzen. Das schafft Distanz.“ 

wen

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