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Millionenschwerer Schub fürs Verdener Bahnhofsviertel

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Von: Heinrich Kracke

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Personengruppe vor Tunnelbauwerk.
Der Holzmarkttunnel (Bild) soll im Zuge des Bahnausbaus auf eine Breite von sieben Metern erweitert werden. Lutz Brockmann, Dörte Liebetruth, Sören Barthold, Claudia Wehrstedt und Özge Kadah (v.l.) nahmen das Bauwerk unter die Lupe. © Kracke

Niedersachsenring, Bergstraße und Co: Die Stadt will das direkte Bahnhofsumfeld aufwerten und beantragt dafür Gelder in Berlin und Hannover.

Verden – Die Stadt Verden plant einen nächsten Vorstoß auf millionenschwere Fördertöpfe. Im Zuge des Bahnausbaus soll gleichzeitig das weitere Umfeld der Gleisanlagen aufgewertet werden, des Bahnhofsviertels sozusagen. Das Rathaus wolle dafür einen Antrag auf Städtebauförderung stellen. Erste Gespräche in Hannover hat es diesbezüglich schon gegeben. Das wurde am Rande des Besuchs des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bauministerium, Sören Barthold, in Verden bekannt. Gleichzeitig zeichnet sich eine neue Zeitplanung für den zweigleisigen Streckenausbau nach Rotenburg ab. War ursprünglich von einer Fertigstellung im Jahr 2030 die Rede, so gilt jetzt das Jahr 2033 als wahrscheinlich. „Das hat uns die Bahn-Planungsgruppe mitgeteilt“, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann. Parallel werde wie berichtet an den Bauplänen für ein drittes Gleis zwischen Langwedel und Bremen gearbeitet.

Die Eisenbahnlinie trennt die Stadt in zwei Hälften. So viel steht fest. Meist unberücksichtigt dabei, wie es neben den Gleisen ausschaut. Fassaden, hinter denen niemand wohnen will? Unschöne Häuser, die alles andere denn den Charme von guter Lebensqualität versprühen? Gebäudezeilen, die die ohnehin schon kräftige Bahnschneise noch deutlich verbreitern? Das muss offenbar nicht sein. „Das sind alles Rückseiten. Daraus wollen wir Vorderseiten machen“, fasst Brockmann die Lage zusammen.

Beispiele hat er schon parat. Den Niedersachsenring zum Beispiel. Der Straßenzug droht auf längere Sicht unattraktiv zu werden. „Hier wollen wir Anlaufpunkte für die Menschen schaffen. Da gibt es einiges zu tun“, so das Stadtoberhaupt. Oder die Bergstraße, nur wenige Meter vom Gleiskörper entfernt, parallel zur Bahnstrecke gelegen, auch sie ist mit ihrem abgängigen Pflaster und maroden Gehsteigen aus dem Blickfeld gefallen. „Hier brauchen wir eine Aufwertung“, so Brockmann.

Alles keine Einzelfälle. Die Stadt stellt aktuell ihr Integriertes Stadtentwicklungs-Konzept (ISEK) für die Zeit bis 2040 auf, und daraus will sie die Basis für ihren Förderantrag stellen. Völlig aussichtslos ist der Vorstoß nicht. „Die Region darf in diesen Punkten nicht nachlassen. Sie muss ihre Ziele formulieren und sie in Hannover einreichen“, sagt die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD). Die Chancen stünden nicht schlecht. Das haben ihre Vorgespräche in Hannover ergeben, so Liebetruth.

Anders als beim Bahnausbau, der komplett aus überörtlichen Geldern finanziert wird, sieht das Procedere bei der Städtebauförderung allerdings auch einen Beitrag aus dem Stadtsäckel vor. Konkret teilen sich Bund, Land und Kommune die Kosten. Auch der Parlamentarische Staatssekretär aus Berlin vermochte der Idee mit der Sanierung nicht nur der direkten Gleisanlagen, sondern auch des weiteren Umfelds eine Menge abzugewinnen. „Bahnstrecken oder Stadtautobahnen teilen tatsächlich die Städte mehr als man auf den ersten Blick denkt. Das werden wir bei der zukunftsfähigen Entwicklung der Innenstädte mehr in den Fokus nehmen“, sagt Barthold. Sollte die Stadt in das Programm aufgenommen werden, sei dies der Joker beim Bahnausbau, so Brockmann.

Aber auch beim milliardenschweren Ausbau des 25 Kilometer langen Schienenweges nach Rotenburg befinden sich noch nicht alle Bestandteile in trockenen Tüchern. Der kommende Lärmschutz am Verdener Bahnhof zum Beispiel. Zehn Gleise liegen hier nebeneinander. Vorgesehen sind bisher lediglich Schallschutzwände beidseitig der Gleisanlage, zuweilen auch noch Schallschutzgalerien mit einem lärmschluckenden Bogen obendrauf. „Wir streben zusätzlich Schallschutz beispielsweise zwischen den Gleisen an“, sagt Brockmann. Nur so könne ein Geräuschpegel von der Lautstärke eines Geschirrspülers erreicht werden. Seine Worte konnte er belegen: Beim Barthold-Besuch schepperte ein Steinkohle-Güterzug mit Höllenlärm durch den Bahnhof.

Während der Staatssekretär auf seiner Rundreise die wichtigsten kommenden Bahnbaustellen in Holtum, Walle, Dauelsen und der Verdener Innenstadt in den Blick nahm, stellte Brockmann in diesem Zusammentreffen, an dem auch die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia Wehrstedt und Ratsmitglied Özge Kadah teilnahmen, den aktuellen Stand für einen Bahnhalt in Dauelsen heraus. Die Maßnahme werde aktuell von der Landesnahverkehrsgesellschaft geprüft.

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