Sichere Wege für Flüchtlinge

Henning Scherf (r.) im Gespräch mit Ghaith Qudsy bei der Eröffnung der Ausstellung im Domherrenhaus. Foto: haubrock-kriedel

Bilder aus 70 Jahren Flucht und Vertreibung zeigt eine Ausstellung im Domherrenhaus. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bremens Alt-Bürgermeister Henning Scherf.

VON ANTJE HAUBROCK-KRIEDEL

Verden – Im Domherrenhaus zeigt die Gruppe Verden von Amnesty International zurzeit die Fotoausstellung „Menschen auf der Flucht“. Die beeindruckenden Fotografien geben einen authentischen und schonungslosen Einblick in die Geschichten geflüchteter Menschen – vom zweiten Weltkrieg bis heute.

Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf gab als Schirmherr die Ausstellung für die Öffentlichkeit frei. Ebenfalls anwesend war Ghaith Qudsy, der mit seiner Familie aus Syrien floh und jetzt als Musiklehrer arbeitet. Er erzählte seine Geschichte und begleitete die Ausstellung anschließend musikalisch mit seinem Gitarrenspiel.

Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ sei in Wahrheit eine Krise der Solidarität und Verantwortung, sagte Scherf zu Beginn. „Wir brauchen in Europa eine gemeinsame politische Antwort, die allen, die vor Tod und Krieg fliehen einen fairen und legalen Weg bietet“, forderte Scherf. Er erzählte den Besuchern, dass er bei sich im Hause eine Nigerianerin mit ihren drei kleinen Kindern aufgenommen habe. Die Kinder zähle er mittlerweile zu seinen Enkeln. „Es ist auch für mich eine schöne Erfahrung zu sehen, wie die Kinder in Deutschland neue Wurzeln bekommen“, sagte er.

Scherf verlas dann die Forderungen von Amnesty International: Sichere und legale Zugangswege nach Deutschland, die Einhaltung des völkerrechtlichen Abschiebungsverbotes, die Einhaltung menschenrechtlicher Standards bei Kooperationen mit außereuropäischen Staaten in Migrationsfragen sowie faire und sorgfältige Asylverfahren.

Ghaith Qudsy erzählte dann seine Geschichte. In Damaskus sei es seiner Familie zunächst gut gegangen. Nachdem sie im arabischen Frühling 2011 demonstriert hatten, landeten alle im Gefängnis. Als sie nach der Entlassung erfuhren, dass sie erneut auf der Fahndungsliste der Geheimpolizei standen, hätten sie beschlossen zu fliehen. Die Flucht führte über den Libanon in die Türkei. Von dort hätten sie dann in einem überfüllten Boot Kurs auf die griechische Insel Lesbos genommen. Da das Boot überfüllt war, mussten sie noch viel von dem Wenigen, was sie mitnehmen konnten über Bord schmeißen. „Das Boot war nicht sicher und niemand konnte es steuern. Ich habe diese Aufgabe schließlich übernommen“, erzählte Qudsy. Als alle sicher auf Lesbos ankamen, sei dieses der glücklichste Moment in seinem Leben gewesen. „Das war wie ein Sieg,“, so der junge Mann.

„Ich möchte, dass die Menschen erfahren, dass der Kontakt zu Geflüchteten eine Bereicherung ist. Das macht die Gesellschaft spannender und attraktiver. Ich wünsche mir sehr, dass wir dieses in die Köpfe und Herzen der Menschen bekommen“, sagte er.

Eines der ersten Bilder der Ausstellung zeigt geflüchtete Kinder in Griechenland im Jahr 1948. Aufgenommen wurde es von David „Chim“ Seymour. Im scharfen Kontrast dazu steht ein kürzlich entstandenes Bild. Chien-Chi Chang fotografierte 2016 einen Berg von Rettungswesten auf der Insel Lesbos. Ebenfalls in Griechenland, jedoch 70 Jahre später.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung findet am Sonntag, 16 Juni statt. Um 16 Uhr liest Faisal Hamdo aus seinem Buch „Fern von Aleppo“. Zum Abschluss der Ausstellung am 6. Juli gibt es um 16 Uhr im Innenhof des Domherrenhauses Musik mit der „sound company“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nach neuer Krawallnacht in Katalonien: Madrid erhöht Druck

Nach neuer Krawallnacht in Katalonien: Madrid erhöht Druck

Den Hass leise machen: Konzert für Anschlagsopfer von Halle

Den Hass leise machen: Konzert für Anschlagsopfer von Halle

#hallezusammen-Konzert gegen Hass und Ausgrenzung

#hallezusammen-Konzert gegen Hass und Ausgrenzung

Fotostrecke: Lukebakio kontert Sargent - 1:1

Fotostrecke: Lukebakio kontert Sargent - 1:1

Meistgelesene Artikel

Sanierung des Ententeichs

Sanierung des Ententeichs

Radfahrer sind eben Freiwild

Radfahrer sind eben Freiwild

„Wohnklötze verschandeln Ortsbild“

„Wohnklötze verschandeln Ortsbild“

Frühstück für die Ritterallee

Frühstück für die Ritterallee

Kommentare