„Warum kommen die Flüchtlinge?“ – Vortrag von Christopher Finck vom LKA

Sexuell motivierte Straftaten bei unter einem Prozent

Christopher Finck vom LKA Niedersachen referierte auf Einladung des Präventionsrates im Rathaus. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Vertrieben durch Krieg oder Terror, Hunger und Not sind auch weiterhin viele Menschen auf der Flucht. Die meisten davon kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben auch nach Deutschland.

2016 haben bereits 175 500 Menschen in Deutschland um Asyl ersucht. Auf Einladung des Präventionsrates informierte Christopher Finck, Mitarbeiter in der Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) im LKA Niedersachsen, am Mittwoch im Rathaus über die Fluchtursachen und Unruheherde im Nahen Osten und in Afrika. Mit seinem Vortrag wollte er auch einen Beitrag zur Versachlichung der Flüchtlingsdebatte in der Öffentlichkeit leisten.

„Zurzeit sind weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht, 50 Prozent davon sind Kinder“, erklärte Finck. Die Hauptfluchtursachen seien Krieg, Gewalt, Terror, Menschenrechtsverletzungen, staatliche Verfolgung, Armut, Ungleichheit oder auch der Klimawandel. „In den vergangenen fünf Jahren sind 15 Konflikte ausgebrochen oder neu aufgeflammt“, informierte der Polizeibeamte.

Die Hauptaufnahmeländer für die Flüchtlinge seien die Türkei mit 2,8 Millionen, Pakistan mit 1,5 Millionen, der Libanon mit 1,2 Millionen, der Iran mit einer Million und Äthiopien mit 0,7 Millionen Menschen. In Deutschland wurden 2015 1,1 Millionen Flüchtlinge erstregistriert, davon stellten 476 649 Menschen einen Asylantrag. In 32,4 Prozent der Fälle wurde der Asylantrag abgelehnt. 48,5 Prozent der Menschen wurde aufgrund der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) der rechtliche Status eines Flüchtlings zuerkannt, bei weiteren 0,7 Prozent besteht ein Abschiebeverbot, 0,6 Prozent genießen einen subsidären Schutz, da die Geflohenen stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht haben, dass ihnen in ihrem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht.

Finck erläuterte, dass 2016 zwei Drittel der Flüchtlinge aus Syrien dem Irak und Afghanistan kommen. Gerade in Syrien tobt der Glaubenskrieg innerhalb des Islams zwischen den Sunniten und Schiiten. Sechs verschiedene Machtblöcke streiten hier um die Vorherrschaft im Nahen Osten. So sind mittlerweile fünf Millionen Menschen aus Syrien geflohen.

Als das „Nordkorea Afrikas“ ist auch Eritrea ein Land, in dem die Menschenrechte massiv verletzt werden. „Eritrea ist wie ein gigantisches Gefängnis“, erklärte Finck. Eine Million Menschen sind auf der Flucht. Folter Misshandlung und Hunger seien an der Tagesordnung, zudem gebe es eine komplette Militarisierung der Gesellschaft, Pressefreiheit gibt es nicht, eine offizielle Berichterstattung sei kaum möglich.

Abschließend präsentierte der Mitarbeiter der PPMK noch einige Zahlen zur Kriminalitätsstatistik für Flüchtlinge als Tatverdächtige 2015. „Trotz stark steigender Zahl von Zuwanderern gibt es nur einen moderaten Anstieg der Straftaten, das heißt, weniger Straftaten als Bevölkerungszuwachs“, betonte er. Tatverdächtige aus Syrien, Afghanistan und Irak seien insgesamt unterrepräsentiert, wogegen Tatverdächtige aus Albanien, Kosovo, Mazedonien und Serbien teilweise stark überrepräsentiert waren. Mit 65 Prozent hatten Eigentums-, Fälschungs- und Vermögensdelikte (inklusive Leistungs- und Beförderungserschleichung) den größten Anteil. Der Anteil der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag bei unter einem Prozent.

Des Weiteren bedauerte Finck, dass die Polarisierung der Bevölkerung stark zugenommen habe und es bei zuvor unauffälligen Bürgern eine schnelle Radikalisierung gebe. „Für das Jahr 2015 wurden im Bereich PMK 1 027 Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert, davon 177 Gewaltdelikte. „Damit hat sich die Zahl im Vergleich zu 2014 mehr als vervierfacht.“ 90 Prozent der Täter stammen aus dem örtlichen Umfeld, 78 Prozent sind bislang nicht mit rechtsmotivierten Straftaten aufgefallen, 50 Prozent sind vorher noch nie polizeilich aufgefallen. - ahk

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