Ein Tabuthema für Männer

Selbsthilfegruppe für Leute mit Essstörungen in Verden ins Leben gerufen

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Die Leiterin der Kontaktstelle Selbsthilfe, Heike Hansmann, und drei der vier Initiatorinnen, Melanie Noack, Birte Weinig und Stefanie Klaus (v.l.).

Verden - „Im Landkreis Verden gab es keine Selbsthilfegruppe zu dem Thema Essstörung. Das hat mich gewundert und das war der Anreiz für dieses Projekt“, sagt Melanie Noack, eine der vier Initiatorinnen der neuen Vereinigung. Zusammen mit Birte Weinig, Stefanie Klaus und Carlotta Halbach, alle vier Studentinnen in Bremen, steuert sie nun dagegen. Mit der Unterstützung von Heike Hansmann, Leiterin der Kontaktstelle Selbsthilfe in Verden, gründen sie nun „iss WAS?!“, eine Selbsthilfegruppe für Leute mit Essstörungen.

Das erste Zusammentreffen findet am Gründungsabend, Donnerstag, 9. August, in der Kontaktstelle für Selbsthilfe, Hinter der Mauer 32, statt.

Das Thema Essstörung ist ein weit gefächertes Thema. Darunter zählen unter anderem Anorexia nervosa, auch bekannt als Magersucht, einer Krankheit, wodurch Betroffene aus Angst vor Gewichtszunahme die Aufnahme von Nahrung verweigern. Die Bulimie, eine Ess-Brechsucht, die gekennzeichnet ist durch Essanfälle mit folgenden Gegenmaßnahmen, wie selbst induziertes Erbrechen. Sowie auch Adipositas, die Fettleibigkeit, bedingt durch übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper, was durch eine Essstörung hervorgerufen werden kann, erzählt Heike Hansmann.

Oft entstehen Essstörungen durch die falsche Vermittlung eines idealen Körpers durch die Medien, und auch verschiedene Trends beteiligen sich an der Entwicklung solcher Ansichten. Momentan ist dies ein durchtrainierter und definierter Körper, wie man es in den verschieden Medien beobachten kann. Doch auch die sogenannten Curvy Models sind auf dem Vormarsch. Die im Gegensatz zu den gängigen Modelmaßen dick wirkenden Frauen erobern ebenfalls die digitale Modewelt.

Doch auch der Trend des XXXL-Wahns aus Amerika führt zu einer verstellten Wahrnehmung des Essverhaltens. „Da reichen keine normalen Portionen mehr. Es muss immer die extragroße Portion sein“, zeigt Hansmann auf.

„Sehr wenige Selbsthilfegruppen für junge Menschen“

Zuerst lag der Fokus der jungen Gruppe auf Angehörigen von Betroffenen, da „es viele Eltern gab, die ihren Kindern helfen wollen“, erklärt Melanie Noack. Durch den Verdener Selbsthilfetag am Sonntag, 4. März, haben sie ihr Konzept jedoch geändert. Dort machten sie erste Erfahrungen mit Betroffenen vor Ort, die sehr interessiert an einer Selbsthilfegruppe waren. Daher wollen sie sich zunächst um Betroffene kümmern und je nach Bedarf mit den Angehörigen. „Es gibt sehr wenige Selbsthilfegruppen für junge Menschen“, zeigt Noack auf.

Die erlebten Erfahrungen am Selbsthilfetag beschreiben die drei jungen Frauen sehr positiv. „Die anderen Aussteller kamen auf uns zu, sie wollten wissen, wer wir sind und was wir machen. Wir wurden total nett in dem Kreis aufgenommen und haben erste Kontakte mit anderen Selbsthilfegruppen geschlossen. Es besteht ein kleines Netzwerk untereinander, was sehr nützlich ist, da verschiedene Probleme auseinander hervorgehen oder voneinander abhängen“, erzählt Noack vom Selbsthilfetag.

Die betroffenen Menschen kamen ganz unterschiedlich auf die junge Gruppe zu: die einen ganz aufgeschlossen, andere eher zurückhaltend und schüchtern. An dem Verdener Selbsthilfetag gingen bereits zehn Anfragen für das erste Treffen ein, jedoch bisher nur von Frauen.

Heike Hansmann erklärt dies dadurch, dass „Essstörungen noch ein Tabuthema für Männer sei, es jedoch mittlerweile immer mehr Männer gebe, die einer solchen Erkrankung ins Auge sehen.“ Sie fände es schön, wenn eine gemischte Gruppe zustande kommen würde.

Geplant sind Treffen, die wöchentlich oder 14-tägig stattfinden sollen. „Hier werden wir uns nach dem Bedarf der Betroffenen richten“, erklärt Noack. Wo die Treffen nach dem Gründungstag stattfinden werden, ist noch nicht bekannt. Die Gruppe wird zu Beginn von den vier Initiatorinnen, nach dem Konzept Ingangsetzer, angeleitet. Je nach Bedarf werden sich die vier Bremer Studentinnen dann nach einer gewissen Zeit aus der Gruppe entfernen und diese an jemand anderen übergeben.

Erstes Treffen am 9. August

„Wir haben den persönlichen Anspruch, dass dieses Projekt lange läuft“, so Noack. Sie weist darauf hin, dass diese Treffen eine Ergänzung zu bestimmten Beratungen sei, und keine Psychologen oder Therapeuten vor Ort sein werden. Es ist ein Austausch von Betroffenen.

Anmeldung für das erste Treffen am Donnertag, 9. August, 19 Uhr, unter Telefon 0177/7505267 oder E-Mail isswas-verden@t-online.de ist erwünscht. 

sh

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