Selbsthilfegruppe für Betroffene vor der Gründung

„Das Leben mit Borderline im Griff“

Heike Hansmann, Silke Conrad und Petra Bernzen (v.l.) laden zur Gründung der Selbsthilfegruppe ein.
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Heike Hansmann, Silke Conrad und Petra Bernzen (v.l.) laden zur Gründung der Selbsthilfegruppe ein.

Verden - Schwierigkeiten, Emotionen zu steuern, beeinträchtigte Selbstwahrnehmung, Nähe-Distanz-Missverhältnis oder selbst- und fremdschädigende Verhaltensweisen. Das sind nur einige der Probleme, mit denen Borderline-Betroffene zu kämpfen haben. Betroffene neigen dazu, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuleben und leiden unter häufigen Stimmungsschwankungen.

Erkrankte im Raum Verden sollen damit nicht allein sein, haben sich Silke Conrad und Petra Bernzen vorgenommen. Mithilfe von Heike Hansmann von der Kontaktstelle für Selbsthilfe beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Verden gründen sie in der kommenden Woche die Borderline-Selbsthilfegruppe „Grenzlinie“. Das Treffen ist am Mittwoch, 3. Dezember, um 19 Uhr im Bürgertreff am Hoppenkamp.

Silke Conrad ist betroffen und weiß nur zu gut, was Borderliner empfinden und was sie erleiden. Sie selbst, so erzählt sie, verletze sich zwar nicht äußerlich wie viele, sondern auf andere Art und Weise. „Da gibt es viele Möglichkeiten“: übermäßiger Alkoholkonsum, riskantes Autofahren oder maßloses Essen.

Der Borderliner habe in der Regel zwei Gründe für die Schmerzen, die er sich zufügt: Sie beweisen einerseits, dass er lebt und noch fähig ist, etwas zu empfinden. Und sei es nur der Schmerz. Ein anderer Grund ist Bestrafung. „Das sind dann die Menschen mit Borderline, deren Selbstwahrnehmung so gestört ist, dass sie nicht erkennen, wie groß oder klein ihre eigenen Fehler sind“, erklärt Conrad. Und wenn niemand da sei, sie darauf hinzuweisen, können die Betroffenen selbst bei nichtigsten Anlässen dem Drang zur Selbstbestrafung erliegen.

„Eine Heilung gibt es nicht, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich arbeite und habe mein Leben ganz gut im Griff“, meint Conrad.

Ihre Schilderungen kann Heike Hansmann aus langjähriger Berufserfahrung bestätigen. Im Vorfeld der Selbsthilfegruppengründung hat sie sich intensiv mit dem Krankheitsbild beschäftigt und ihre Kenntnisse aufgefrischt. „Mir war es daher auch wichtig, mit Petra Bernzen eine zweite Person zu haben, die die Gruppe gerade in der Anfangsphase begleitet und unterstützt. Die Verdenerin mit eigener Psychiatrieerfahrung durchläuft zur Zeit eine einjährige Ex-In(Experienced-Involvement)-Fortbildung, die sie als Genesungsbegleiterin zertifiziert. In der Gruppe werden die psychiatrischen Erfahrungen der Teilnehmer genutzt, so dass aus der Krankheitsgeschichte eine Unterstützungsgeschichte wird.

Conrad hat keine Zweifel am Bedarf der Gruppe. „Im Vordergrund steht dort der Erfahrungsaustausch, sich gegenseitig Mut zu machen, Vertrauen zu schenken und das Besprechen der Gefühlslage.“ Auch sei möglich, mit den Teilnehmern Methoden einzuüben, um der Krankheit entgegenzuwirken.

Ein Ersatz für eine Therapie wolle und könne die Selbsthilfegruppe natürlich nicht sein. Zum Gründungstreffen anmelden können sich Interessierte unter der Telefonnummer 0176/ 93577393.

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