„Seitdem habe ich Bienen“

Jungimker treffen sich regelmäßig auf dem Schulungsbienenstand in Eissel

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Biene (Symbolbild)

Verden - Auf dem Schulungsbienenstand in Eissel herrscht bei gutem Wetter reger Flugbetrieb. Emsig pendeln die Bienen zwischen ihrer Behausung und den im hellen Gelb leuchtenden Rapsfeldern ganz in der Nähe. Das Produkt des regen Treibens können süße Leckermäuler später als goldfarbenen Rapshonig genießen.

Den Schulungsbienenstand in Eissel gibt es seit 2014. Sechs Jungimker betreuen hier zurzeit ihre Bienenvölker. Die Idee, Anfänger als Paten zu unterstützen, kam dem erfahrenen Hobbyimker Heinrich Kersten im Anschluss an einen Kurs der KVHS. „Anstelle von Eystrup bis Rotenburg und von Jeddingen bis Bassum zu fahren, machte ich den Vorschlag, zentral in Eissel einen Schulungsbienenstand zu errichten, auf den Jungimker ihre Völker stellen und man sich wöchentlich zum Jour fixe trifft. Das Konzept ist inzwischen im Landkreis Verden vervielfacht“, erzählt Kersten.

Neuimker betreibt „learning by doing“

Der Schulungsbienenstand liegt günstig in einem Gebiet mit einem Wassergraben, Rapsfeldern in der Nähe und angrenzenden Flächen eines Bio-Landwirtes. Einen Bienenstand einzurichten, ist nicht schwer. „Wir haben einfach zwei lange Kanthölzer auf Steinstapeln fixiert, damit war sichergestellt, dass die Bienenbeuten nicht im langen Gras mit feuchtem Mikroklima stehen. Auf die Balken wurden die ersten Bienenbeuten gestellt, mit gen Süden ausgerichtetem Flugloch – und schon war der Stand fertig“, berichtet Kersten.

Jeder Jungimker kann so lange dabei bleiben wie er möchte. Harald Steege aus Ottersberg ist einer von zwei Neuen, die in diesem Jahr hinzugekommen sind. „Ich habe bei uns im Ort Honig gekauft. Der Imker fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, zwei Ablegevölker zu übernehmen. Nun heißt es learning by doing“, beschreibt er seinen Werdegang zum Imker. Die Bienenbeuten auf dem Stand sehen alle unterschiedlich aus, jeder Imker hat seine eigene Vorliebe. Lilli Stephan aus Verden hat sich für eine Beute aus Styropor entschieden. „Ich dachte, das wäre leichter, aber so groß ist der Unterschied gar nicht“, sagt sie. Vor einem Jahr hat sie ihre Leidenschaft für die Imkerei entdeckt. Schuld daran ist ihr Sohn. Er wollte Bienen haben, konnte aber aus Zeitgründen keinen Imkerkurs belegen. Also sprang seine Mutter ein. „Seitdem habe ich Bienen“, lacht sie. Angst, gestochen zu werden, hat Lilli Stephan nicht, obwohl sie im letzten Jahr doch einige Stiche abbekommen hat. „Die Imker sagen, je öfter man gestochen wird, desto immuner wird man“, so die Jungimkerin. Um die Bienen zu beruhigen, hat sie einen Smoker angezündet, der mit Hobelspänen gefüllt ist.

Geringe Winterverluste

Auch der Verdener Rainer Durmann ist noch dabei, Erfahrungen als Imker zu sammeln. Da er Tischler ist, versteht es sich von selbst, dass er seine Bienenbeute aus Holz gebaut hat. Er hat sich sogar eine besondere Konstruktion überlegt, die sich von hinten erweitern lässt. Die Wabenrähmchen hat er zunächst nur vorn eingehängt. Beim Öffnen der Beute muss er aber feststellen, dass die Bienen ihre Waben wild in den freien Raum gebaut haben und bereits dabei sind, Honig einzulagern. „Den kannst du jetzt wohl als Scheibenhonig verkaufen“, schmunzelt Kersten und rät, die Waben umzuhängen.

Seine Ratschläge erteilt er aber niemals mit erhobenem Zeigefinger. „Wenn es mein Volk wäre, würde ich es wie folgt machen“, lautet sein Standardspruch. Doch immer nehmen die Jungimker seine Tipps dankbar an. Um Verlusten durch die gefürchtete Varroa Milbe vorzubeugen, ist es zum Beispiel ratsam, die Drohnenbrut zu entfernen, diese ist nämlich ein besonderer Leckerbissen für die Milbe, klärt Kersen auf.

Doch in und um Eissel hält sich das Bienensterben in Grenzen: „Wenn anderenorts Bienenvölkerverluste bis zu 30 oder 50 Prozent über Winter beklagt werden, liegen die Winterverluste hier im Mittelwert um die 10 Prozent.“ Für vitale und robuste Winterbienen sei es unter anderem notwendig, ein ausreichendes Pollen- und Nektarangebot über den Sommer bis in den Herbst vorzuhalten. Das sei durch die „Imkermischung Verden“ sichergestellt.

ahk

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