Besuch aus Suriname: Ex-Dörverdener Jethro Rübenhagen im Hause Sindel zu Gast

Seit 40 Jahren wo der Pfeffer wächst

Drei Männer sitzen an einem gedeckten Kaffeetisch auf einer Terrasse. Eine hat ein Buch mit einem Stift vor sich.
+
Jethro Rübenhagen (r.) bei Kaffee und Kuchen mit und Kurt Sindel und dessen Sohn Tobias (l.) im Gespräch. Der Gast trug sich in das Gästebuch der Familie ein.

Verden – Seit fast 40 Jahren lebt Jethro Rübenhagen da, wo der Pfeffer wächst. Der Dörverdener lebt mit seiner Familie in Suriname im Norden Südamerikas, da wo Chili und Peperoni ihren Ursprung haben. Das kleine Land zwischen Guayana und Französich Guayana ist zu seiner Heimat geworden. Die Arbeit als Missionar oder treffender als Seelsorger hatte ihn einst in die tropische Region geführt.

Er ist dort heimisch geworden und will auch nicht zurückkommen, wenn in ein paar Jahren sein Ruhestand ansteht. „Heimweh hab" ich nie gehabt“, sagt er. Manchmal aber führt der Weg Jethro Rübenhagen doch wieder an die Orte seiner Jugend zurück. So wie in diesen Tagen. „Es gibt viele Gründe“, deutet er nur knapp an. In den nächsten Tagen habe er acht Stationen im ganzen Bundesgebiet. Und gerne nutzt Rübenhagen dann auch die Gelegenheit, seinen alten Lehrer Kurt Sindel in Verden zu treffen.

„Ich war nur kurz an der Realschule“, erinnert sich der pensionierte Pädagoge. Der Sohn des Verdener Künstlers Fritz Sindel hat nicht nur Kunst unterrichtet, sondern auch Deutsch und Geografie. Eines von seinen zwei Jahren an der Realschule besuchte Jethro Rübenhagen die 5e, deren Klassenlehrer Sindel war. Es sei das Schuljahr 1969/70 gewesen, erinnern sich beide noch gut.

Der Lehrer und sein ehemaliger Schüler

Natürlich kommt auch diese gemeinsame Vergangenheit zur Sprache, als der Lehrer und sein mit 62 ebenfalls bereits in die Jahre kommender Schüler bei Kaffee und Kuchen im Garten sitzen. Es ist weniger die Nostalgie vergangener Schulzeiten, die beide mit den Erinnerungen verbinden. Das ist eher nicht ihre Art. Es sind die nicht alltäglichen Eigenheiten des jeweils anderen, die eine Verbindung zwischen ihnen herstellen konnte. Der ungewöhnliche alttestamentarische Vormane des Schülers jedenfalls war es nicht.

Beide erinnern sich noch gut daran, dass der kleine Jethro nicht an der Weihnachtsfeier der Klasse teilnahm. Das hatten sie damals vorher miteinander besprochen. Als Mitglied von Jehovas Zeugen hatte Rübenhagen Sindel informiert, dass er seine Probleme mit der Art hatte, wie das Fest in der Klasse begangen werden sollte. Und, das war für den Schüler bemerkenswert, sein Lehrer hatte Verständnis gezeigt.

Von den Nazis verfolgt

Die Toleranz der Glaubensgemeinschaft gegenüber ist seit eh und je ein wichtiger Punkt in Rübenhagens Familie gewesen. Ein empfindlicher Punkt. Rübenhagen berichtet, dass einige Mitglieder in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus wegen ihrer Standhaftigkeit bei den Werten der Glaubengemeinschaft im Konzentrationslager gelandet waren. Einige endeten dort, andere seien nur knapp davongekommen.

„Der Glaube ist bei uns Familientradition“, machte der Zeuge Jehovas im Sindelschen Garten deutlich. Und die Familiegeschichte war es auch, die ihn vor vier Jahren schon einmal nach Deutschland geführt hatte. In Bad Lippspringe, wo seine Mutter Elisabeth Kusserow herstammte, sollten Stolpersteine für die Nazi-Opfer in seiner Familie verlegt werden. 13 Stück, deutet er den Umfang an. „Einer fehlt noch, weil damals ein Fehler eingraviert worden war. Der soll jetzt eingesetzt werden“, berichtet der Gast.

Als Missionar nach Suriname

Die enge Bindung an die Glaubensgemeinschaft hatte auch keine Zweifel aufkommen lassen, was der heranwachsende Jethro Rübenhagen mit seinem Leben anfangen will. Er absolvierte die Missionarsausbildung in Wiesbaden und wurde nach Suriname entsandt, berichtet er. „Man arbeitet da, wo man hingestellt wird.“

Ziemlich genau 39 Jahre ist das jetzt her, und er ist mit seiner Frau und den drei Kindern in der Gemeinde Wageningen heimisch. Das landwirtschaftlich geprägte Städtchen mit knapp 3000 Einwohnern ist nicht gerade eine moderne Metropole. Dennoch seien romantische Vorstellungen vom Leben eines Missionars in Südamerika für den Alltag von Jethro Rübenhagen fehl am Platz. Natürlich gebe es auch indigene Gruppen und aus der Geschichte eine große Vielfalt von Herkunftsländern der Menschen in der Umgebung und auch als Teil des Gemeinwesens. Aber sieht man vom Klima und den landesüblichen Lebensbedingungen ab, ähnele seine Arbeit eher dem, was auch in den Gemeinden der Zeugen Jehovas hier in Deutschland geschieht. Auch wenn es nicht ganz seiner Ausbildung entspricht, beschreibt er seine Aufgabe eher so wie die eines Seelsorgers.

Amtssprache Niederländisch

Die sprachlichen Anforderungen allerdings seien ganz anders. Die Amtssprache in der ehemaligen niederländischen Kolonie sei Niederländisch. Die verbreitete Alltagssprache sei aber Sranan-Tongo, eine kreolische Sprache, die Elemente aus den Sprachen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgenommen hat. Heute leben in dem kleinen Land kaum mehr Leute als in Bremen.

Die Corona-Pandemie sei auch an Suriname nicht vorbeigegangen, berichtet der Besucher auf die interessierten Fragen seiner Gastgeber hin. Als er das Land vor ein paar Tagen verließ, sei es als Hochinzidenzgebiet eingestuft gewesen. Nur von Varianten sei noch nichts bekannt gewesen. Für den Reisenden bedeutete das aber, dass Rübenhagen die ehemalige Heimat erst einmal in Quarantäne erleben musste.

Landkreis hilft bei Zweitimpfung

Seine Erstimpfung hatte Rübenhagen bereits mitgebracht. Die Unterstützung des Verdener Impfzentrums habe es dann möglich gemacht, dass er seine Zweitimpfung bekommen hat.

Von Ronald Klee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“

Aus dem alten Café Erasmie in der Innenstadt wird „Royal Donuts“
Interessenkonflikte und Befangenheit: Vorwürfe gegen Mattfeldt  - er wehrt sich

Interessenkonflikte und Befangenheit: Vorwürfe gegen Mattfeldt - er wehrt sich

Interessenkonflikte und Befangenheit: Vorwürfe gegen Mattfeldt - er wehrt sich
Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30

Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30

Neumühlen: Fahrbahnteiler und dann Tempo 30
Sporthalle Völkersen: Gute Pflege

Sporthalle Völkersen: Gute Pflege

Sporthalle Völkersen: Gute Pflege

Kommentare