Umfassende Renovierung

Schwurgerichtssaal im Landgericht: Würde der Justiz kehrt zurück

Der Gerichtssaal mit Glaswänden und improvisierten technischen Hilfsmitteln.
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Der Glanz ist verblasst. Der denkmalgeschützte Schwurgerichtssaal des Verdener Landgerichts soll restauriert werden.

Verden – Hinter den roten Backsteinmauern des einst königlichen Landgerichts in Verden wurde schon unzähligen Mördern, Totschlägern und anderen Verbrechern ein Urteil verkündet. Doch der Glanz des denkmalgeschützten Schwurgerichtssaals in dem 1883 fertig gestellten Gebäude ist mehr als verblasst. Das soll sich ändern. „Wir versuchen, diesen Saal zu restaurieren“, sagt Landgerichtspräsident Dr. Gerhard Otto. Die notwendigen finanziellen Mittel hat das Land Niedersachsen bereits zur Verfügung gestellt.

Die vorsichtige Formulierung, dass es ein Versuch werden soll, ist gewiss einzig dem Umstand geschuldet, dass die Planungen ganz am Anfang stehen. Der Präsident lässt keinen Zweifel aufkommen, dass das längst überfällige Vorhaben entschlossen angegangen wird. „In einem denkmalgeschützten Saal heißt das nicht, das Geld ist da, jetzt fangen wir an“, verdeutlicht er.

„Die Planungsarbeiten werden sich hinziehen“, sagt Otto. Derzeit vorgesehen sei August 2023 als Baubeginn. Was das Ganze kosten wird, dazu hält er sich bedeckt: „Ein Budget ist vorhanden, die Kosten werden noch ermittelt.“

Hinter der historischen Fassade verbirgt sich der renovierungsbedürftige Gerichtssaal.

Risse durchziehen den Putz an den Wänden schon seit Jahren. Das Mobiliar ist zusammengewürfelt. Kabelsalat auf dem Richtertisch infolge nachgerüsteter Mikrofone und Lautsprecher. Dass der grüne Teppich Jahrzehnte alt ist, zeigen nicht nur die Flecken, sondern auch echte Auflösungserscheinungen. Eine Kunststoffmatte überdeckt die kahlen Stellen hinter einer als schusssicher deklarierten Glaswand, die vor sechs Jahren eingebaut wurde, als der Prozess um einen gescheiterten Auftragsmord in Nienburg mehr Sicherheit nötig machte.

„Dieser Saal repräsentiert die Justiz“

Alleine die Erneuerung des Bodenbelags hätte 25.000 Euro gekostet, erklärt Otto. Weil es viel mehr bedarf als dieser Schönheitsreparatur, wurde darauf verzichtet. Es wäre rausgeschmissenes Geld gewesen. Dafür soll der Gerichtssaal nun endlich wieder zu einem angemessen würdevollen Ort werden. „Dieser Saal repräsentiert die Justiz“, sagt der Präsident.

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Vor Ort wurden Proben genommen für Untersuchungen auf mögliche Schadstoffe, die laut Dr. Otto „minimal“ seien, und um dem ursprünglichen Aufbau auf den Grund zu gehen. Unter dem grünen Flor liege ein alter Holzfußboden verborgen. „Man wird versuchen, diesen wieder aufzubauen.“ Außerdem solle der Saal auf den neuesten elektronischen Stand gebracht werden.

Mehr Platz für mehr Angeklagte

Ganz untypisch für einen Gerichtssaal wäre die Verlegung der Anklagebank vor die Fenster, die unter dem alten Schriftzug an der Außenfassade liegen. Bisher ist es nur eine Überlegung, um mehr Platz für mehr Angeklagte zu schaffen. Die besonders wichtigen Sicherheitsaspekte werden dabei nicht außer Acht gelassen. Aber wie der Landgerichtspräsident betont: Die Planungen stehen ganz am Anfang.

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