Schwierigkeiten bei der Intubation

Chefarzt sagt im Mordprozess aus

Verden - Einer der fünf Angeklagten, die sich derzeit vor der 3. Großen Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten müssen, ist zu einer Aussage bereit. Der 30-Jährige aus Hodenhagen soll sich bereits im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen geäußert haben. Laut Anklageschrift soll er in der Silvesternacht 2015/2016 in Dörverden einem später verstorbenen 42 Jahre alten Mann aus Verden einen Schlag mit dem Griff einer Schreckschusswaffe auf den Hinterkopf verpasst haben. Zuvor sollen alle Angeklagten gemeinsam auf das Opfer eingeprügelt haben.

„Es wäre sinnvoll, wenn alle Angeklagten eine Einlassung eingeben würden“, gab der Vorsitzende Richter Joachim Grebe zu bedenken. Dies wäre die Voraussetzung für ein Gespräch unter den Verfahrensbeteiligten und davon abhängig ist der Fortgang des Verfahrens. Die Kammer will aber zunächst noch alle Sachverständigen hören. Spannend dürfte dabei insbesondere die Aussage des Rechtsmediziners werden, denn nicht der Schlag soll todesursächlich gewesen sein. Wie bereits berichtet, hatte es im Rettungswagen Probleme bei der Intubation des Opfers gegeben.

„Dann ging alles schief“

Dazu gehört wurde als sachverstäniger Zeuge der Chefarzt der Anästhesie der Verdener Aller-Weser-Klinik. Er hatte in jener Nacht Dienst und wurde über ein Notfalltelefon über die Schwierigkeiten in Kenntnis gesetzt. „Wir sind dann mit unserem Equipment in die Halle. Ich bin seitlich auf den Rettungswagen zu.“ Notarzt und zwei Rettungsassistenten kämpften bereits um das Leben des Patienten. „Man konnte schon am Habitus sehen, dass der Mann schwierig zu intubieren war“, so der erfahrene Anästhesist. „Er hatte einen starken Hals, den Kiefer sehr klein und die Mundöffnung nicht groß. Er konnte den Kehlkopf nicht überstrecken.“

„Nach dem, was mir die Rettungsassistenten und der Notarzt später erzählt haben, muss der Tubus falsch platziert worden sein“, berichtete der Zeuge. „Und dann ging alles schief“, merkte er an. Die Absicht, zu intubieren sei aber die richtige Entscheidung gewesen, denn vermutet worden war ein Schädelhirnthrauma. „So wie ich den Kollegen kannte, ist ihm die Entscheidung, zu intubieren, nicht leicht gefallen. Das war kein Notarzt-Rambo“, sagte der ärztliche Direktor über den verstorbenen Kollegen. In der Klinik konnte der Tubus gelegt werden.

Dramatische Szenen hatten sich zuvor am Tatort vor einer Gaststätte in Dörverden abgespielt. Ein Polizeibeamter berichtete, dass das Opfer noch bedingt ansprechbar gewesen sei, doch schon vor Eintreffen des Rettungswagens habe sich der Zustand verschlechtert. „Eine Frau rief immer: Schlaf nicht ein. Er hat gestöhnt und geröchelt.“

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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