Der schwierige Abschied vom Alkohol: Zwei Verdener berichten

Leben mit klarem Kopf

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„Das Leben ohne Alkohol lohnt sich“: Die Verdener Ludmilla Engelmann und Anton Erhart wissen wovon sie reden.

Verden - An die letzten Schritte bis zur Schwelle der Suchtberatungsstelle kann sich Anton Erhart ganz genau erinnern. Mittlerweile ist er seit 18 Jahren trocken, aber wie mulmig ihm damals war und wieviel Überwindung das gekostet hat, weiß er noch genau. Auch Ludmilla Engelmann erinnert sich an einen solchen Tag, der ihrem Leben eine Wendung gegeben hat. „Mein zweiter Geburtstag“, sagt sie heute. Die beiden Verdener sind sich mittlerweile sicher, dass sich der Neuanfang ohne Alkohol lohnt. Wie sehr, wollen sie gerade Leidensgenossen klar machen.

„Das schwierigste ist, sich überhaupt erst einmal selber einzugestehen, dass man ein Problem hat“, erinnert sich Anton Erhart. Er selbst musste ein tiefes Tal durchschreiten. Sein Leben war ein Trümmerhaufen, die Ehe kaputt, der Job weg und das Selbstbewusstsein am Boden. Bis dahin eine typische Trinkerkarriere.

„Da war ich gezwungen, die Scham zu überwinden.“ Er ging zur Suchtberatung und erlebte als erstes, dass sich das mulmige Gefühl im Gespräch mit den Fachleuten schnell legte. „Eine erleichternde Erfahrung“, erinnert sich Erhart. Aber bis er den Alkohol wirklich überwunden hatte, musste er sie mehrmals machen. „Ich habe achtmal entgiftet“, berichtet er von seinem langen Leidensweg. Ein Teufelskreis, der mit jeder Niederlage im Kampf gegen die Droge in eine weitere Runde ging.

„Der Leidensdruck muss groß genug sein“, weiß er heute. Wichtig sei aber auch etwas, dass er „Hallo-wach-Erlebnis“ nennt. Ein Moment, in dem einem klar wird, dass es ohne Alkohol gehen muss und gehen kann. Nach dieser Entscheidung sei es leichter gewesen, ein Leben zu lernen, „ohne dass man sich abschießen muss“.

„Wer das schafft, hat etwas Großes geleistet“, weiß Ludmilla Engelmann heute. Sie hat Anton Erhart in der Therapie kennen gelernt. Auch sie hatte so ein „Hallo-wach-Erlebnis“: „Ich war die Treppe hinuntergefallen, und als ich unverletzt wieder zu mir kam, war mir plötzlich ganz klar: Ich trinke nicht mehr.“ Und dabei ist die Verdenerin geblieben, allerdings auch nicht ohne fachliche Hilfe.

Seitdem ist jeder von ihnen seinen eigenen Weg gegangen. Erhart hat sich ganz der Aufgabe verschrieben, anderen seine Erfahrungen mit dem Suchtproblem nutzbar zu machen. Der 49-Jährige arbeitet mittlerweile selbst in der Suchtberatung, hat sich dafür ausbilden lassen und Bücher über seine Erfahrungen geschrieben.

Ludmilla Engelmann, mittlerweile im Ruhestand, lebt für ihre Leidenschaften, die Bücher, die Tiere und sie genießt ihre Erlebnisse in der Natur. Dass der Alkohol einmal ihr Leben bestimmt hat, vergisst die 69-Jährige aber nicht. Im Gegenteil: „Ich möchte deutlich machen, wie wichtig mir dies neue, nicht benebelte Leben ist.“

kle

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