„Das ist einfach Pech“

Schwere Geburt - Paar aus Bruchhausen-Vilsen wird von AWK in Verden abgewiesen

Ein Arzt hält im Kreißsaal der Frauenklinik in Erlangen ein Baby in den Händen, das per Kaiserschnitt zur Welt kam.
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Glückliches Ende: In der Nienburger Klinik kam das kleine Mädchen zur Welt. (Symbolbild)

Trotz aller Vorbereitungen: Aus dem Plan eines Paares aus Bruchhausen-Vilsen, in der Aller-Weser-Klinik in Verden zu entbinden, wurde nichts.

  • Nachts um 1 Uhr gingen die Wehen los.
  • Ein Anruf in der Aller-Weser-Klinik in Verden ergab: Die Geburtshilfe nimmt nicht mehr auf.
  • Mit dem Krankenwagen fuhr das Paar schließlich zur Entbindung nach Nienburg.

Verden – So eine Geburt ist immer eine aufregende Sache. Selbst wenn die Prognosen von medizinischer Seite her gut sind, möchten die werdenden Eltern doch möglichst nichts dem Zufall überlassen.

Kurse zur Geburtsvorbereitung und regelmäßige Arztbesuche sind da ebenso Standard wie der Blick in den einen oder anderen Kreißsaal, der dann oft in der Anmeldung in einer Klinik oder einem Geburtshaus mündet. Dass es im entscheidenden Moment aber trotz aller Vorbereitungen ganz anders kommen kann, zeigt die Geschichte einer jungen Familie aus Bruchhausen-Vilsen.

Mutter und Kind sind wohlauf

Um es vorwegzunehmen: Mutter und Kind sind wohlauf. Allerdings kam die Kleine nicht, wie von ihren Eltern geplant und wie schon das ältere Geschwisterchen, in der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Verden zur Welt, sondern in der Helios Klinik in Nienburg. Und die Anfahrt dorthin erfolgte im Krankentransportwagen (KTW), nicht im privaten Auto, mit dem werdenden Vater am Steuer.

In der Nacht zu Donnerstag, gegen 1 Uhr, hätten bei ihrer Tochter die Wehen begonnen, berichtet deren Mutter. Sie hatte sich noch in derselben Nacht an den Computer gesetzt und einen Leserbrief formuliert. „Aufgeregt und ebenso entsetzt wie enttäuscht“, beschrieb sie ihre Gefühle dabei.

Großmutter schreibt noch in der Nacht einen Leserbrief

Was sie so aufgebracht hat, war die Tatsache, dass sich Tochter und Schwiegersohn trotz Anmeldung, die schon Monate zuvor erfolgt war, nicht auf den Weg nach Verden machen konnten. „Nach Anruf im Kreißsaal in Verden wurde sie von einer kurz angebundenen Hebamme abgewiesen mit der Begründung, sie sei seit 14 Stunden im Dienst und darf nicht mehr arbeiten und eine Ablösung gibt es nicht“, berichtete sie.

Ihr sei der Personalmangel in der Pflege bekannt, fuhr sie in ihrem Brief fort. Dass ihre Tochter aber mit Wehen in fünfminütigem Abstand „einfach abgewiesen und allein gelassen“ worden sei, das entsetze sie.

„Wir reden viel über unser Gesundheitssystem und wenn man darin arbeitet, macht man immer weiter und gibt sein Bestes, um Mängel auszugleichen. Wie schlimm es wirklich ist, merkt man dann, wenn man selbst betroffen ist“, stellte die Verfasserin fest.

Statt mit dem eigenen Auto ging es mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Und nicht, wie geplant, nach Verden. Am Ende kam das Kind in Nienburg zur Welt.

In seiner Not und auch, weil die Wetterlage sich verschlechterte, rief das junge Paar schließlich einen KTW, „der schnell kam, mit freundlichen, hilfsbereiten Rettungsassistenten“. Deren erste Idee sei es gewesen, die werdende Mutter nach Verden zu bringen. Das wurde freilich schnell wieder verworfen. Weil auch eine Anfrage beim Klinikum Links der Weser abschlägig beschieden worden sei – „keine Bettenkapazität“ –, sei der Rettungsdienst schließlich nach Nienburg gefahren. „Übrigens, während ich dies schreibe, ist unsere Enkelin geboren, sie haben es gerade noch ins Krankenhaus geschafft“, schloss die nunmehr dreifache Großmutter ihren Brief.

Personalmangel ist laut Klinik nicht die Ursache

Der von ihr angenommene Personalmangel ist allerdings nicht die Ursache dafür, dass die Tochter nicht in der AWK aufgenommen wurde. „Die Stellen sind alle gut besetzt“, konnte der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Peter Ahrens, aus der Geburtshilfe berichten. Zum nächsten Monat werde sogar noch eine weitere Hebamme eingestellt.

In besagter Nacht habe zwar tatsächlich eine Ablösung für die diensthabende Hebamme gefehlt, so der Mediziner. Dass der Nachtdienst in der Geburtshilfe nicht neu besetzt werden konnte, habe aber an Krankheits- und Todesfällen bei den Hebammen beziehungsweise in deren Familien gelegen. „Auf einen Schlag“ fielen alle aus, die hätten ablösen können.

Und als das Paar anrief, lagen bereits drei Frauen in den Kreißsälen der AWK, hatten die Nachfragen Ahrens" ergeben. Bei allen drei sei der Geburtsvorgang schon so weit fortgeschritten gewesen, dass Verlegungen in andere Kliniken nicht mehr möglich gewesen wären.

Im Krankenhaus müsse man in so einem Moment Prioritären setzen. „Ein Aufnahmestopp ist dann auch verantwortlich“, verteidigte der Ärztliche Direktor die Entscheidung der Hebamme, die diese übrigens mit Wissen von Chefärztin Dr. Astrid Brunnenbauer mitgeteilt habe. „Das ist eine Situation, die immer mal passieren kann“, fasste Ahrens das Geschehen zusammen. „Das ist einfach Pech.“

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