Thema Gasförderung

Bernd Althusmann auf Sommertour in Verden: „Schutz hat höchste Priorität“

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Vor Beginn der Diskussion im lockeren Gespräch (v.l.): Eike Holsten, Adrian Mohr. Bernd Althusmann, Axel Miesner, Wilhelm Hogrefe und Jens Richter.

Verden - Im Rahmen seiner Sommertour machte der CDU-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister Dr. Bernd Alt-husmann auch in Verden Station. In der parteiöffentlichen Veranstaltung im Niedersachsenhof ging es gestern um das brisante Thema Gasförderung. Neben Mitgliedern der christdemokratischen Kreistags- und Stadtratsfraktion waren Vertreter der Bürgerinitiativen gegen Gasbohren aus den Landkreisen Rotenburg und Verden sowie des Landvolkes anwesend.

„Ich bin heute als Landesvorsitzender hier, nicht als Wirtschaftsminister. Ich weiß, das Thema Fracking bewegt die Bürger“, sagte Althusmann. Zunächst stellte er klar, dass der Schutz des Trinkwassers in Niedersachsen für die Partei und die Landesregierung absolute Priorität und Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen hat. Bezüglich des unkonventionellen Frackings gebe es zwar die Möglichkeit, auf Antrag Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken durchzuführen, aber es gebe keinen einzigen Antrag. Selbst wenn es so wäre, würde die Landesregierung ihre Zustimmung dazu nicht geben. „Das ist in Niedersachsen ausgeschlossen“, betonte der Landesvorsitzende. Die Sorgen der Bürger bezüglich des konventionellen Frackings nehme er ernst, deshalb stelle er sich diesem Gespräch.

Dr. Matthias Bantz von der der IPPNW-Regionalgruppe Rotenburg/Wümme (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) lieferte gleich eine ganze Reihe von Argumenten gegen das konventionelle Fracking. Er verwies auf die statistisch unerwartete Häufung von hämatologischen Krebsneuerkrankungen bei Männern von 2003 bis 2012 im Landkreis Rotenburg, die sich auch in Jahren danach fortgesetzt habe. Eine Studie des Landesgesundheitsamtes zeige, dass der mittlere Wohnabstand der Erkrankten zu Bohrschlammgruben und Erdgasförderanlagen signifikant kleiner ist, als bei nicht erkrankten Kontrollpersonen. 

Dr. Matthias Bantz überreichte Althusmann eine Mappe mit Unterschriften.

Den Aussagen international angesehener Wissenschaftler zufolge gebe es in der Nachbarschaft von Produktionsstätten der Erdölindustrie auch Veränderungen im Erbgut sowie eine Häufung von Früh- und Fehlgeburten. Laboruntersuchungen hätten zudem in Boden, Gewässern und Luft eine zunehmende Belastung mit Benzol, Quecksilber, Arsen und radioaktiven Substanzen nachgewiesen. Satellitenaufnahmen der Nasa zeigten außerdem eine unerwartet hohe Freisetzung des klimaschädlichen Methans. Bantz forderte, diese Folgen nicht länger zu ignorieren und Schritte einzuleiten, um weitere negative Auswirkungen zu vermeiden. Am Ende der Veranstaltung überreichte er Althusmann eine Mappe mit Unterschriften.

Wolfgang Marschhausen von der Bürgerinitiative Langwedel gegen Gasbohren forderte ein Monitoring, das die Unschädlichkeit konventionellen Frackings belegt. „Wenn man nicht sucht,dann findet man auch nichts.“ Die Erdgasindustrie stelle alles positiv dar, ein Restrisiko durch die Erdgasförderung im Wasserschutzgebiet bleibe aber. „Wenn wir hinterher feststellen, dass etwas passiert ist, dann ist es unumkehrbar“, mahnte er.

Althusmann führte an, dass bei 200 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen lediglich an fünf Bohrstellen Verunreinigungen aufgetreten seien. Wichtig sei, alle Vorgänge transparent zu gestalten. Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass die Unternehmen freiwillig Umweltverträglichkeitsprüfungen durchführen. - ahk

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