Wer kann, näht selber

Maskenvielfalt in der Verdener Innenstadt - Wie schützen sich Bürger?

Silvia Förster (l.) und Giuliana Laudan freuen sich über die Nähkünste von Silvia Försters Tochter. Fotos: Preuß
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Silvia Förster (l.) und Giuliana Laudan freuen sich über die Nähkünste von Silvia Försters Tochter. 

Verden – „Ich hätte so gerne Masken mit Erdbeeren“, habe ihr Chef gesagt, berichtet Conny Bäcker. „Bestell mit den Stoff, dann nähe ich welche“, habe sie ihm geantwortet. Und so verkauften sie und ihr Kollege Manuel Fischer gestern den Spargel von Wichmanns Hof in Häuslingen auf dem Wochenmarkt hinter Mundschutzen mit leuchtend roten Früchten drauf.

In der kommenden Woche gibt’s dann die frischen Erdbeeren dazu am Wichmann-Stand. Bis dahin wird Conny Bäcker sicher noch kräftig aufs Pedal ihrer Nähmaschine treten. Rund 250 Masken habe sie schon genäht und mit Pfeifenputzern versehen, damit sie besser auf der Nase sitzen, verrät sie.

Einige davon erhielten die zwölf Spargelstecher, die jetzt endlich in Häuslingen angekommen sind. „Die anderen verschenke ich, zum Beispiel an Ältere “, sagt Conny Bäcker. Sie lässt ihren Blick über den Markt schweifen und wünscht sich dann, dass vor allem die Senioren noch häufiger einen solchen Schutz tragen.

Mit oder ohne Draht, in Falten gelegt oder spitz zulaufend, mit Gummi oder Band an den Ohren befestigt: So vielfältig die Anleitungen zum Selbernähen sind, so unterschiedlich sind dann auch die Schutzmasken, mit denen die Menschen in der Verdener Innenstadt und in den Geschäften unterwegs sind.

Conny Bäcker und Manuel Fischer tragen auf der Maske, was sie ab nächster Woche auch wieder verkaufen.

Weiße Sternchen auf grauem Grund schützen Mund und Nase von Silvia Förster. Giuliana Laudan, ihre Kollegin bei Bürobedarf Philipp, hat sich für ein Modell in Weinrot mit weißen Tupfen entschieden. Beide hat die Tochter von Silvia Förster genäht und auch gleich Freunde und Kollegen mit Masken versorgt.

Martina Horstmann hat die lange Schlange vor dem Stoffgeschäft vom Selbernähen abgehalten. Sie kaufte fertige Mundschutze bei der Mitarbeiterin einer Krankengymnastikpraxis. Gerda Depke hat einfach ein altes Laken zerschnitten und daraus Masken hergestellt. „Zum Schutz der anderen“, betont sie.

Nathalie Ockenfels nähte ein Taschentuch um.

„Ich hab ein Taschentuch genommen“, kommentiert Nathalie Ockenfels die Herstellung ihrer Maske, und man sieht sie trotz Mundschutz schmunzeln. „Meine Mutter hat uns auch welche genäht, aber die sind noch in der Post“, fügt die Hoyaerin hinzu. Seit gut einer Woche ist sie „vermummt“ unterwegs und vermutet, dass es noch einige Zeit dauern wird, ehe die Menschen wieder „oben ohne“ gehen können.

Kirsten und Siegfried Fenzau griffen zu Geschirrtüchern aus kuscheliger Mikrofaser.

Fast im Partnerlook bummeln Kirsten und Siegfried Fenzau über den Markt. Das Ehepaar aus Hönisch trägt Masken, die früher einmal Geschirrtücher aus Mikrofaser waren. „Wir haben es zuerst mit Leinentüchern probiert, aber da kriegte man keine Luft“, berichtet Kirsten Fenzau.

Gerda Depke zerschnitt ein altes Laken.

Sie und ihr Mann folgen mit dem Tragen der Mundschutze der Empfehlung aus der Politik. Die beiden hoffen, dass viele Menschen ihrem Beispiel folgen, damit die Krise schneller überwunden ist. Gemeinsam mit Schwiegermutter Brunhilde hatte die Hönischerin die Masken genäht – und noch mit einer kleinen Besonderheit versehen. Eine Slipeinlage auf der Innenseite fängt die beim Atmen entstehende Feuchtigkeit auf. „Hochkant“, betont Kirsten Fenzau lächelnd. „Ich hab' keine“, sagt Ehemann Siegfried im Brustton der Überzeugung. Seine Gattin guckt ihn triumphierend an: „Doch!“

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