Schule von anno dazumal

Bis 14. Oktober Sonderausstellung im Domherrenhaus: „Das liebe Lernen“

+
Keine Keulen für rhythmische Sportgymnastik, sondern Handgranaten-Attrappen für die Turnstunde.

Verden - Die Sammelleidenschaft von Friederike und Karl-Heinz Klebe aus Lilienthal macht sich das Domherrenhaus jetzt ein weiteres Mal zunutze. „Das liebe Lernen“ heißt die Ausstellung, die die Museumsassistenten Gabriele Müller und Stefan Berends gemeinsam mit dem Ehepaar konzipierten. Bis zum 14. Oktober sind die Exponate zur Schule von anno dazumal im Historischen Museum, Untere Straße 13, zu sehen.

Die Begeisterung, mit der die Klebes die Pressevertreter an die Vitrinen heranführen, ist ansteckend. „Das ist wirklich so gewesen“, sagt Friederike Klebe lachend und zeigt auf zwei kleine Steiff-Bären, der eine offensichtlich der Schüler, der andere der Lehrer. Die beiden haben einen Disput, der in dem – auf einem kleinen Schild notierten – Satz mündet: „Hier mach ich nix mehr.“ Eine solche Situation hat die pensionierte Lehrerin vor Jahren selbst erlebt, als ein Erstklässler schon nach drei Tagen keine Lust mehr hatte auf den Unterricht.

Karl-Heiz Klebe hat zwei Lieblingsexponate: Als Geistlicher hat es ihm die geschnitzte Darstellung einer

jüdischen Tora-Schule besonders angetan. Zu seiner großen Freude konnte er dazu ein Heft auftreiben, nach dem junge Juden auch heute noch Hebräisch lernen.

Einen Raum weiter füllt eine kindsgroße Schaufensterpuppe eine Vitrine. „Friedebald“ taufte Schöpferin Käthe Kruse dieses Modell. Der Puppe zu Füßen steht ein Blechtopf mit Deckel. „Das ist mein alter Henkelmann“, berichtet Klebe und erinnert sich an süße Haferflocken und pürierte Erbsen, die er als Schulspeisung erhielt. Das Essen, so verrät ein Schild, wurde Ende der 40er-Jahre von den USA gespendet. „Wir hatten ja nix“, sagt Karl-Heinz Klebe.

Schule, dazu kann jeder etwas sagen. Viele Erinnerungen sind mit den Jahren verbunden, in denen man das Lesen, Rechnen und Schreiben erlernte. Beim Blick auf diverse Lerntafeln zu Honigbienen, Steinzeitmenschen, Schönschrift oder Einmaleins werden diese Erinnerungen wieder wach. Hier können die Großeltern gemeinsam mit ihren Enkeln auf Entdeckungsreise gehen.

Konzipierten die Ausstellung „Das liebe Lernen“ gemeinsam: Stefan Berends, Gabriele Müller, Karl-Heinz und Friederike Klebe.

Die Exponate zeigen aber auch: Es ist gewiss nicht immer nur Schönes, was die Menschen mit ihrer Schulzeit verbinden. Diverse historische Puppenzimmer, den Klassenräumen ihrer Zeit nachempfunden, zeigen deutlich, wer in der Schule das Sagen hatte. Es waren nicht die in die kleinen Holzbänke gezwängten Kinder, sondern die streng dreinblickenden Lehrer.

Kalt läuft es dem Besucher den Rücken hinunter angesichts zweier Keulen aus Holz und Metall. Es sind Handgranaten-Attrappen, die in den 30er-Jahren im Turnunterricht für Weitwurfübungen genutzt wurden. Gleich daneben liegt eine Fähnlein-Fibel. Wer genauer hinschaut, entdeckt auf ihren Abbildungen ein paar Jungen in den Uniformen der Hitlerjugend. Nur wenige Meter weiter hängt ein Stundenplan aus der ehemaligen DDR an der Wand. Auf der Rückseite werden die Kinder mit „Junge Pioniere und Schüler, helft unserer Friedenswirtschaft!“ zum Sammeln von Schrott aufgefordert. So ist die Ausstellung nicht nur eine Einladung zur Zeitreise, sondern erhält auch eine politische Komponente.

Das Domherrenhaus hat dienstags bis sonntags, 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, geöffnet. Passend zur Ausstellung sind auch Führungen der Museumspädagogik buchbar: „Schule im Mittelalter“ und „Das Leben zu Uromas Zeiten“. Das Angebot richtet sich an Schulen und Kindergärten sowie andere Gruppen ab zehn Personen. Kontakt: Julia Nehus, Telefon 04231/2169, E-Mail nehus@domherrenhaus.de.  

kp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Türkische Opposition fürchtet weiter Repressionen

Türkische Opposition fürchtet weiter Repressionen

Nur Platz zwei nach Werth-Desaster beim CHIO

Nur Platz zwei nach Werth-Desaster beim CHIO

Das sind die acht schönsten Strände am Gardasee

Das sind die acht schönsten Strände am Gardasee

Das Werder-Donnerstagstraining

Das Werder-Donnerstagstraining

Meistgelesene Artikel

Autobahn-Schild durchschlägt Scheibe: Baggerfahrer eingeklemmt

Autobahn-Schild durchschlägt Scheibe: Baggerfahrer eingeklemmt

Mähdrescher geht bei Thedinghausen in Flammen auf

Mähdrescher geht bei Thedinghausen in Flammen auf

Penny benennt Markt in Etelsen um

Penny benennt Markt in Etelsen um

Widerstreitende Zuständigkeiten: Wassermangel im Dauelser Mühlenteich

Widerstreitende Zuständigkeiten: Wassermangel im Dauelser Mühlenteich

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.