Schüler im Landkreis Verden stehen unter Stress

23 Menschen im Landkreis werden aktuell wegen Covid-19 behandelt.
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23 Menschen im Landkreis werden aktuell wegen Covid-19 behandelt.

Spontane Wiedereröffnungen und sofortige Schließungen – die Stundenpläne der Schulen sind derzeit keine Konstante. Wochenlang entworfene Krisenpläne stehen und fallen mit nur einer Infektion. Was verursachen Corona-Pause, Homeschooling und unerwartete Planänderungen in den Köpfen der Beteiligten?

Verden – Seit dem 16. März waren sämtliche Schulen des Landkreises geschlossen – das waren mehr als zehn Wochen unterrichtsfreie Zeit. Wem bei sechs Wochen Sommerferien bereits die Ideen ausgehen, der hat mit der Absage fast aller Aktivitäten, Kontaktsperre inklusive, möglicherweise eine besonders bittere Pille zu schlucken: „Während die ersten Tage noch wie Ferien empfunden wurden, stellten sich bei vielen Stress, Überforderung, eine ist Mir-alles-egal-Einstellung, Wut, Trauer und Angst ein“, berichtet Silke Garbelmann, Vorsitzende des Kreiselternrats Verden, und ergänzt: „Kinder und Jugendliche werden lethargisch, weil sie nicht rauskommen.“ Vor allem Unsicherheit begünstige das.

Lutz Kruse, zuständiger schulpsychologischer Dezernent für den Kreis Verden, bestätigt derartige Eindrücke zum Teil, aber warnt: „Um eine allgemeingültige Aussage zu treffen, ist das Thema Corona noch zu jung und unerforscht.“ Bisher gebe es lediglich zwei Online-Studien, die mit Vorsicht zu betrachten seien.

Für Kruse steht fest: „Wir erleben eine besondere und schwere Zeit der Veränderung, aber grundlegend sind Kinder extrem anpassungsfähig“. Er ergänzt: „Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil unserer jungen Mitmenschen nahezu unbeschadet aus der Krise herauskommt, aber auch das bleibt abzuwarten.“ Denn häusliche Gewalt, Internetmobbing und Einsamkeit seien vermehrt Probleme in der Krisenzeit. Kruse betont jedoch, dass es dabei stark vom individuellen häuslichen Umgang abhänge, wie Kinder die Krise erleben würden. Probleme würden durch die Corona-Pause eher verstärkt werden, als dass sie neu entstehen.

Hausaufgaben seien eine große Herausforderung im Alltag. Hier sei laut Garbelmann oft der Familienfrieden in Gefahr: „Überforderte Eltern sind ungeduldig, laut und ungerecht. Das schafft für beide Seiten extreme Stresssituationen, denn Eltern sind keine Lehrer.“

Dabei sei das Homeschooling laut Kruse ein ausschlaggebender Punkt für das Wohlbefinden der Kinder: „Kompetenz zu erleben, ist für die Schüler extrem wichtig. Wenn sie das Gefühl haben, neue Fähigkeiten zu erlernen, wirkt sich das sehr positiv auf die Motivation aus.“ Außerdem sei soziale Eingebundenheit ein wichtiger Faktor für eine gesunde Psyche in der schulfreien Zeit.

Petra Sehrt, Schulleiterin des Gymnasiums am Wall, ist mit dem Weg ihrer Schule jedenfalls zufrieden: „Alle tun hier ihr Bestes und freuen sich über jeden noch so kleinen Erfolg, der uns zeigt, dass wir uns, wenn auch in kleinen Schritten, vorwärts bewegen.“ Telefonsprechstunden seien laut der Schulleiterin eine große Hilfe während des Fernunterrichts, um Schüler pädagogisch zu begleiten und auftretender Lethargie entgegenzuwirken. Sie ergänzt: „Ich weiß von niemandem, der nicht gerne wieder an die Schule zurückgekehrt ist.“

Doch mit den Lockerungen würden laut Kreiselternrat weitere Probleme entstehen: „Vor allem in ländlichen Gegenden, wo der VBN nicht engmaschig fährt, sind die Eltern organisatorisch gefordert.“ Spontane Wiedereröffnungen und sofortige Schließungen der Schulen könnten die Planungssicherheit der Familien beeinträchtigen.

Von Bjarne Kommnick

16 neue Infektionen in sieben Tagen. Die Entwicklung im Vergleich.

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